Eigentümer fordert bauliche Lösung

Rasende Radler gefährden Gäste: Probleme am Lokal "Roter Kater & Graue Katze"

Fordert mehr gegenseitige Rücksichtnahme: Alex Jinke, Eigentümer des Hotels und Lokals „Roter Kater & Graue Katze“, macht das schnelle Radfahren auf dem Radweg R1 neben seinem Biergarten Sorgen.

Für den Radtourismus war es gut, als vor vier Jahren der sanierte Fernradweg R1 zwischen Wolfsanger und der Stadtgrenze am Ausflugslokal „Roter Kater & Graue Katze“ eröffnet wurde.

Doch die seinerzeit auf drei Meter Breite ausgebaute Asphaltpiste sorgt auch für Probleme. Immer wieder beobachtet Restaurant- und Hoteleigentümer Alex Jinke gefährliche Situationen und Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern vor seinem Biergarten.

Der Biergarten mit etwa 150 Plätzen grenzt unmittelbar an den Radweg an. Auch ein Spielplatz befindet sich dort. Eine flache Mauer mit zwei Durchgängen grenzt beide Bereiche ab.

„Ich beobachte hier beinahe täglich, dass es zu Ärger, Beinahe-Unfällen und Zusammenstößen zwischen Radfahrern und Fußgängern kommt“, erzählt Jinke. Gäste würden unaufmerksam auf den Weg laufen und Radfahrer hätten oft kein Gefahrenbewusstsein und würden mit hohem Tempo am Biergarten vorbeifahren. Schwere Unfälle habe es zuletzt zum Glück nicht gegeben.

E-Bikes haben das Problem verschärft

Seit dem Boom der E-Bikes und Pedelecs habe sich das Problem verschärft. „Gerade viele ältere Leute unterschätzen die Kraft der Räder“, sagt Jinke. So sei ein älterer Radfahrer erst jüngst gestürzt, weil er nicht rechtzeitig am Lokal bremsen konnte.

Mehrfach hat Jinke schon Kontakt mit der Stadt Kassel aufgenommen, um eine Lösung zu finden. Außer, dass ein Schild aufgestellt wurde, das den Bereich als gemeinsamen Rad- und Fußweg ausweist, sei nichts passiert. „Aber Schilder allein nützen nichts. Daran hält sich keiner“, sagt Jinke.

Rad- und Fußweg: Vor dem Lokal werden Radfahrer und Fußgänger auf die gemeinsame Nutzung hingewiesen.

Früher sei die unmittelbare Nachbarschaft von Biergarten und Radweg kein Problem gewesen, denn der Radweg war im Bereich des Lokals so schmal und holperig, dass Radfahrer automatisch langsam fuhren oder sogar absteigen und schieben mussten.

Jinke würde sich eine bauliche Lösung wünschen. „Ich wäre sogar bereit, dies selbst erledigen zu lassen und zu bezahlen“, sagt der Hotel- und Gaststättenbetreiber. Dies habe die Stadt aber wegen der Haftung abgelehnt. Schwellen auf dem Boden wolle sie wegen der Sturzgefahr ebenfalls nicht installieren. „Das kann ich sogar verstehen“, so der Besitzer.

Lösungsidee: Verschwenkung mit Pfosten.

Gast Alexander Knierim, der die Probleme mit den Radfahrern ebenfalls beobachtet hat, wandte sich jüngst an den Gastronomen und auch die Stadt Kassel. Knierim schlägt vor, mit Pfosten für eine Verschwenkung des Weges zu sorgen. So würden die Radfahrer zum Bremsen gezwungen sein.

Nach Angaben der Polizei gab es in den vergangenen zwei bis drei Jahren keinen Radunfall am Lokal, der von der Polizei aufgenommen wurde. Aber längst nicht bei jedem Radunfall werde auch die Polizei gerufen, so der Sprecher weiter.

„Ich hoffe, dass nicht erst etwas Schlimmes passieren muss, bis auf die Situation hier reagiert wird“, sagt Jinke.

E-Bike-Unfälle steigen stark an

Mit dem Verkaufserfolg der Elektrofahrräder steigen auch die Gefahren. So hat sich die Zahl der Pedelec-Unfälle in der Stadt Kassel mehr als verdreifacht. Waren es 2017 noch neun Fälle, die von der Polizei aufgenommen wurden, zählten die Beamten 2018 bereits 33. Im Landkreis Kassel war der Anstieg nicht ganz so stark: von neun auf zehn Fälle. Als Ursache dafür macht die Polizei die wachsende Beliebtheit der Elektrofahrräder und das gute Wetter verantwortlich.

Auffällig ist, dass besonders oft ältere Menschen, für die die Pedelecs ein Stück mehr Mobilität bedeuten, betroffen sind. Ein Toter, zwei Schwerverletzte und 37 Leichtverletzte stehen für 2018 in der Opferbilanz von Stadt und Kreis Kassel. Bei dem tödlichen Unfall handelte es sich um einen Alleinunfall.

Konflikte mit Fußgängern

Nach Auskunft von Robert Wöhler, Vorsitzender des ADFC Kassel, sind es hauptsächlich Alleinunfälle ohne Fremdbeteiligung, in die gerade ältere Pedelec-Fahrer verwickelt seien. „Elektroräder haben ein höheres Gewicht, und man erreicht mit ihnen eine höhere Geschwindigkeit. Das wird von vielen Radfahrern unterschätzt“, sagt Wöhler.

Viele Senioren nutzten wegen des Fahrkomforts Pedelecs, auch wenn sie schon länger kein Rad mehr gefahren seien. Neben der eigenen Gefährdung seien aber auch häufig Fußgänger in Zusammenstöße involviert.

Auch wenn die Pedelec-Unfälle stark zugenommen haben, machen sie in der Gesamtzahl der Radunfälle noch einen kleinen Teil aus. So wurden in Stadt und Kreis Kassel 2018 insgesamt 286 Unfälle (inklusive Pedelecs) mit Radbeteiligung gezählt. Dies ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 25 Prozent. Einen tödlichen Radunfall gab es – anders als bei Pedelecs – in den vergangenen zwei Jahren aber nicht.

Unterschied E-Bikes und Pedelecs

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden „E-Bike“ und „Pedelec“ synonym verwendet. Dabei sind Elektroräder auf rechtlicher Ebene in drei Klassen unterteilt. Das Pedelec (Pedal Electric Cycle) fährt bis 25 km/h schnell und darf auf Radwegen verwendet werden. Zudem gibt es S-Pedelecs, die bis 45 km/h fahren. E-Bikes im engeren Sinn sind Elektromofas, die ohne Pedale funktionieren. Für S-Pedelecs wie E-Bikes sind Versicherungskennzeichen und Mopedführerschein nötig.

Service: Um die Unfallgefahr zu minimieren, bietet der ADFC Kassel Pedelec-Kurse an. Ende August findet ein viertägiges Training statt. HNA-Abonnenten zahlen 38 Euro statt 48 Euro. Infos: pedelec@adfc-kassel.de

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