Umbau nach historischem Vorbild

Rekonstruiertes Haus am Marställer Platz in Kassel wird bald enthüllt 

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Arbeitsplatz mit Ausblick: Lars Pieper (vorne) und Jan Grüber von der Kasseler Dachdeckerfirma H. Rudolph bei der Eindeckung des Hauses am Marställer Platz.

Kassel. Pünktlich zur Premiere des Altstadtfestes vom 15. bis 17. Juni soll der Vorhang fallen: Wenn der Zeitplan der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG aufgeht, soll die historische Rekonstruktion des Gebäudes am Marställer Platz 1 bis dahin zum Vorschein kommen.

Wir warfen schon jetzt einen Blick hinter das verhangene Baugerüst. Es ist ein echter Kraftakt. Der Umbau des 1929 errichteten Hauses läuft bereits seit Sommer 2017. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Fassade und des Walmdaches, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, war aufwendiger als zunächst gedacht. Ein Grund dafür war der schiefe Grundriss des Gebäudes, der die Handwerker vor mehr als eine Herausforderung stellte.

Für Zimmermeister Mike Bredemeier aus Bad Wildungen war es ein „interessantes Erlebnis“, das ursprüngliche Dach mit seinen Zwerchgiebeln wieder aufzubauen. So eine Aufgabe bekomme seine Firma nicht alle Tage. Als seine Kollegen mit den Arbeiten begannen, bekamen sie es gleich mit zwei Dachstühlen zu tun. „Es war nach dem Krieg einfach ein zweiter Dachstuhl über den bestehenden gebaut worden“, erzählt Bredemeier.

Alte Handwerkstechniken

Ähnlich überraschende Entdeckungen machten auch die Verputzer und Stuckateure der Firma Heinrich Luckey aus Kassel. „Das Mauerwerk wurde an vielen Stellen nur noch vom Putz zusammengehalten“, erzählt Michael Kuß-Schönzart. Der Handwerker, dessen Nachname nicht nur auf dieser Baustelle zur Legende wurde, freut sich darüber, dass er bei so einem ungewöhnlichen Auftrag mit von der Partie ist. „Kratzputz, wie er hier zum Einsatz kommt, beruht auf einer alten Handwerkstechnik“, sagt Kuß-Schönzart. Um der Fassade wieder ihr ursprüngliches Antlitz zu geben, haben Kuß-Schönzart und seine Kollegen neue Simse aus Naturstein und abgesetzten Umrahmungen um die Fenster – so genannte Faschen – gestaltet.

Sie lassen den Altbau wieder auferstehen: Zimmermeister Mike Bredemeier (von links), Dachdecker meister Heiko Rudolph und GWG-Bauleiter Maik Rost vor dem Baugerüst.

Traditionelle Techniken kommen auch bei den Mitarbeitern der Dachdeckerfirma Rudolph aus Kassel zum Einsatz. Mit Biberschwanz- und Schieferentdeckungen lassen sie bei diesem Umbau jahrhundertealte Handwerkskunst aufleben. Bei ihrer Arbeit in luftiger Höhe haben sie einen guten Blick auf die Martinskirche. Deren ursprünglichen Türme, die im Krieg zerstört wurden, hatte die Firma Rudolph seinerzeit eingedeckt. Dachdeckermeister Heiko Rudolph ist deshalb stolz, nun wieder bei einem prestigeträchtigen Projekt dabei zu sein.

Obwohl der Zeitplan wegen der unvorhergesehenen Hindernisse gehörig durcheinander kam, loben alle beteiligte Betriebe die gute Zusammenarbeit bei dem Projekt. GWG-Bauleiter Maik Rost verweist auf die enge Abstimmung mit der Denkmalpflege. Für die Planungen war das Kasseler Büro Reichel Architekten zuständig.

Wenn im Juni die Arbeiten an Dach und Fassade abgeschlossen sind, geht es mit dem Innenausbau weiter. „Wir haben die Maßnahmen mit einer halben Mio. Euro geplant und werden diese Kosten auch ziemlich genau einhalten“, sagt Peter Ley, GWG-Geschäftsführer.

Hier befindet sich das historische Gebäude:

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