Radkurier, Bademeister, Dönermann und Richterin geben Tipps gegen Hitze

Hitze: Diese coolen Jobs sind in diesen Tagen besonders heiß

Kassel. Nicht jeder kann sich im Büro vor der Hitze verstecken. Diese Kasseler machen ihren Job in der prallen Sonne oder im Dönerladen. Eine Richterin erklärt, wie man es unter der Robe aushält.

Der Clip stammt nicht von hna.de, sondern von der Video-Plattform Glomex.

Der Radkurier

In seinem Job muss es schnell gehen: Marc Freyer (39) ist Fahrradkurier bei Velokurier an der Friedrich-Ebert-Straße. Wenn ein spontaner Auftrag reinkommt, schwingt er sich aufs Rad. Manchmal bleibt nur eine halbe Stunde, bis das Paket an Ort und Stelle sein muss.

Am bisher heißesten Tag des Jahres ist das wahrlich kein Zuckerschlecken. „Da muss man schon mal einen Gang runterschalten“, sagt Freyer. „Und Schatten suchen, so oft es geht.“ Denn nicht nur die eigene Konzentrationsfähigkeit sei durch die Hitze wie gelähmt, sondern auch die der anderen Verkehrsteilnehmer.

Der Fahrtwind mache die Arbeit zwar angenehmer, „aber sobald man absteigt, glüht man direkt“, sagt Freyer. Zwischen 60 und 100 Kilometern legt er pro Arbeitstag mit dem Rad zurück. Die kuriosesten Lieferungen bisher: eine Beinprothese und ein Blumenstrauß – nicht in Kombination.

Radkurier Marc Freyer

Der Bademeister

Den undankbarsten Job im Freibad hat am heißesten Tag des Jahres noch vor dem Kioskverkäufer auf jeden Fall der Bademeister. Der wird übrigens seit einiger Zeit gar nicht mehr so genannt, sondern Fachangestellter für Bäderbetriebe, aber das nur am Rande. Auf jeden Fall ist er der Einzige, der in der prallen Sonne nicht mal eben ins kühle Nass springen kann. Und wenn doch, dann wird’s meist unlustig.

Der Kaufunger René Grawwert, Fachangestellter für Bäderbetriebe im Auebad, nimmt die Rekord-Hitze, deren Folgen wir hier beschreiben, gelassen. „Wir haben von Berufswegen ja schon kurze Hosen an, das ist ein klarer Vorteil“, sagt der 34-Jährige. Außerdem seien die Badegäste bei schönem Wetter freundlicher. Aber: Bei gutem Wetter seien naturgemäß auch mehr Gäste im Bad, was höchste Konzentration und Aufmerksamkeit von ihm und seinen Kollegen erfordere. Die Hitze mache dies nicht gerade leichter, weswegen sich Grawwert nach einer Hitzewelle auch immer wieder mal auf schlechtes Wetter freue.

René Grawwert im Auebad.

Der Döner-Mann

Was ist das Letzte, das man bei 35 Grad Außentemperatur machen möchte? Richtig: Elf Stunden lang am heißen Dönergrill stehen und „mit Scharf?“ fragen. Zumindest für uns mitteleuropäische Sommeramateure stellt sich da schnell ein Gefühl wahrhaftigen Fegefeuers ein.

Aber auch Naci Dogrul, Inhaber des türkischen Restaurants Lá Truva an der Kohlenstraße, macht die Arbeit dieser Tage zu schaffen. Kein Wunder, ist es doch hinter seiner Theke noch mal mindestens zehn Grad wärmer als draußen. „Ich bin seit 1972 in Deutschland, mein Körper hat sich mit der Zeit an das deutsche Wetter angepasst“, sagt der 62-Jährige. Sein Rezept an heißen Sommertagen wie diesem: „Ich trinke heißen türkischen Schwarztee mit wenig Zucker. Das haben wir früher schon bei der Arbeit auf dem Feld so gemacht.“ Hitze mit Hitze bekämpfen also. Ob das auch bei Mitteleuropäern funktioniert? Auf jeden Fall sollte man viel trinken, wie Experten raten, und sorgsam mit Trinkwasser umgehen. 

Naci Dogrul in seinem Dönerladen.

Die Richterin

Auch im Gerichtssaal können die Verhandlungen manchmal lang und die Luft dünn werden. Das weiß Manuela Focke, Richterin am Kasseler Amtsgericht, nur zu gut. Deshalb hat die 46-Jährige für ihre gestrigen Verhandlungen auch die Robenpflicht aufgehoben.

Gut möglich, dass bei dieser Entscheidung auch die Geschichte eines „gestandenen Oberstaatsanwaltes“ eine Rolle gespielt hat, die dieser Focke einmal erzählte. Demnach habe besagter Oberstaatsanwalt während einer Verhandlung im Hochsommer einmal derart unter seiner Robe geschwitzt, dass er beinahe vom Stuhl gekippt wäre, während die junge Verteidigerin ihm gegenüber die gesamte Verhandlung über voller Elan herumgesprungen sei – ohne eine einzige Schweißperle auf der Stirn.

Nach der Verhandlung habe der Oberstaatsanwalt die junge Kollegin nach ihrem Geheimnis gefragt, woraufhin die Anwältin ihre Robe gelüftet und gesagt habe: „Ich habe nur einen Bikini drunter.“ Das wäre vielleicht auch eine Idee für alle Talar tragenden Pfarrerinnen.

Richterin Manuela Focke

Rubriklistenbild: © Dieter Schachtschneider

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