Gebäude wurde saniert - bald Eröffnung

Historischer Renthof in Kassel: So sieht es in dem Hotel und Restaurant nun aus

Name für Hotel und Restaurant: Am Samstag wurden die Buchstaben an der Fassade angebracht. Foto:  Pflüger-Scherb (2)

Kassel. Bei der Sanierung des Renthofs wurden vergessene "Schätze" freigelegt. Bald sollen Hotel und Restaurant in dem historischen Gebäude an der Fulda eröffnet werden. 

„Darf ich mich mal umgucken?“ fragt am Samstagnachmittag ein Mann, der plötzlich in der neuen Bar des Renthofs steht. Dass wildfremde Menschen wissen möchten, wie eines der ältesten Gebäude Kassels nach dem Umbau aussieht, ist nichts Neues für Architekt Joachim Groger (Architektengemeinschaft Groger Grund Schmidt, Kassel).

Im Bar-Bereich: Hier entdeckte Architekt Joachim Groger (Architektengemeinschaft Groger Grund Schmidt, Kassel) einen Rundbogen, der zugemauert war. Fotos:  Schachtscneider (4)

Sein Kollege Peter Grund wundert sich über die Neugier der Menschen nicht. Schließlich werde jetzt der Renthof nach dem Umbau zu einem Hotel mit Restaurant und Bar erstmals für die meisten Menschen in Kassel zugänglich.

Groger hat quasi die vergangenen eineinhalb Jahre in dem historischen Gebäude an der Fulda verbracht. Eine Detailplanung für den Umbau sei nämlich nicht vom Büro aus möglich gewesen, sondern nur vor Ort. Zu groß seien die Überraschungen gewesen, die er im Laufe der Sanierungsarbeiten vorgefunden habe.

Der einzig historische Boden: Dies ist der kleinere Veranstaltungsraum.

Äußerlich hat sich am Renthof kaum etwas verändert. Die Fassade wurde saniert – das war eine Auflage des Denkmalschutzes. Zudem wurden aus Bandeisen geschmiedete Buchstaben, die mit Blattgold überzogen sind, an die Fassade angebracht. Jetzt steht auf dem Renthof auch sein Name. Zudem wurde das Eingangsportal freigestellt, damit es besser zur Geltung kommt. Wo früher Steine waren, ist jetzt Glas. Das habe den Effekt, dass die Eingangshalle des Renthofs viel heller und offener sei, sagt Groger.

Heller Eingang: Das Portal des Renthofs wurde freigelegt und mit Glas umfasst.

Ist außen kaum eine Veränderung sichtbar, hat sich innen viel getan. Die Architekten wollten alle historische Elemente vor 1900 erhalten. „Die Nachkriegsware haben wir komplett ausgebaut“, sagt Grund. Der Renthof hat neue Fenster, Leitungen und eine neue Heizung.

Die Architekten haben immer wieder Überraschendes gefunden. Im Bereich der neuen Rezeption stießen sie auf einen zugemauerten Zugang zur Brüderkirche, der wieder freigelegt wurde. Im neuen Bar-Bereich legten sie einen Rundbogen frei. „Unser Ziel ist es gewesen, verborgene Qualitäten des Gebäudes aufzuspüren und sichtbar zu machen“, sagt Groger. In der Bar haben die Bauarbeiter eine mehrere hundert Jahre alte Treppe entdeckt, die zugemauert war. Künftig können die Gäste auf dieser Treppe runter ins Gewölbe gehen, wo die Toiletten eingerichtet worden sind.

Das Herzstück: Im Innenhof wurde altes Pflaster verlegt.

Bei der Gestaltung haben die Architekten ganz eng mit den neuen Eigentümern zusammengearbeitet. Hinter dem Hotelprojekt stehen das Unternehmerpaar Uwe Kleinkauf und Kirstin Homburg-Kleinkauf (Well Group) sowie Rainer Holzhauer. Der „Grischäfer“-Gastronom“ bespielt seit Langem die zum Bauensemble gehörende Alte Brüderkirche als Veranstaltungsort.

Groger, Holzhauer und Kirstin Homburg-Kleinkauf, die selbst Architektin ist, unternahmen viele Reisen, um Anregungen zu finden. Bei einer Messe in Verona entdeckten sie einen Kalkstein aus dem Iran. Der liegt jetzt im Eingangsbereich. Bis auf einen Holzboden sind alle anderen Böden neu verlegt worden. Allerdings sieht jeder Boden so aus, als ob er historisch sein könnte.

Freigelegt: Die Preußische Kappendecke befindet sich im Restaurant des Renthofs.

Bei der Planung habe man nur eine Spielregel gehabt, nämlich die, dass es keine Spielregel gebe, sagt Groger. Entsprechend sehen die 55 Zimmer des Hotels alle unterschiedlich aus. 

Hintergrund: Renthof stammt aus dem 13. Jahrhundert

Der Renthof stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er war Teil eines Karmeliterklosters, das als Hofschule, später als Ritterakademie geführt wurde. Von 1633 bis 1653 hatte dort die Universität Kassel ihren Sitz. Den Trakt an der Fulda hatte Landgraf Wilhelm IV. als Kanzleigebäude (Rentamt) errichten lassen. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus der Sozialgruppe Kassel, damals noch „Verein für Volkswohl“, überlassen. Die Nutzung als Pflegeheim wurde im Sommer 2013 aufgegeben und die Bewohner zogen in einen Neubau. 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Gebäude an den Investor Kleinkauf und den Gastronomen Rainer Holzhauer verkauft wurde. Hotel und Restaurant stehen kurz vor der Eröffnung.

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