Nachgefragt: Spürhunde im Speisesaal

Das turbulente Jahr des Renthof-Mitbetreibers Rainer Holzhauer

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Glückliche Renthof-Macher bei der Eröffnungsparty: Von links Rainer Holzhauer, seine Tochter und Hoteldirektions-Assistentin Ilka Holzhauer sowie Kirstin Homburg-Kleinkauf und Uwe Kleinkauf, die das Großprojekt gemeinsam mit Holzhauer gestemmt haben.

Manchmal lohnt es sich, am Ende des Jahres noch einmal nachzufragen: Heute schauen wir auf den historischen Renthof, den neuen Lieblingsort des Kasseler Gastronomie- und Feierpublikums.

Eine Hauptattraktion dieses documenta-Sommers tauchte in keinem der offiziellen Kunstkataloge auf, und trotzdem kamen die Besucher in Scharen: Der historische Renthof feierte seine glanzvolle Wiederauferstehung. Ein Mammutprojekt, finanziell wie organisatorisch.

Einer der Macher wird als Gastgeber ganz besonders mit diesem faszinierenden Ort indentifiziert: Rainer Holzhauer ist in ganz Nordhessen als kulinarisches Gesicht der Gastro-Gruppe „Grischäfer“ bekannt, aber derzeit noch immer nahezu täglich in seinem jüngsten Herzensprojekt, dem Kasseler Renthof, anzutreffen. Wir sprachen mit ihm über sein turbulentes Jahr 2017.

Bei der Eröffnungsparty hat sich fast ganz Nordhessen im Innenhof des Renthofs gedrängt und gefeiert. War das Ihr Moment des Jahres?

Rainer Holzhauer: Der war noch ein bisschen größer. Denn gleich nach der Eröffnung waren ja Bundespräsident Steinmeier und sein griechischer Amtskollege bei uns zu Gast. Das war ganz großartig. Und superspannend!

Präsidenten-Empfang zur documenta 14 im Renthof: Vorn von links Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Elke Büdenbender und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Griechenlands Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos.

Wie wurde dieser Staatsbesuch zur documenta-Eröffnung denn bei Ihnen vorbereitet?

Holzhauer: Wir sind vorher natürlich gecheckt worden. Es gab drei-, viermal Kontakte zur Polizei, zum RP und zum Landeskriminalamt in Wiesbaden. Die sind dann mit 25 Leuten gekommen, haben sich alles angesehen und den Ort dann für gut befunden. Das Schöne ist ja, dass der Renthof fast wie eine Burg ist und von außen abgeriegelt werden kann. Kurz vor dem Termin sind die dann noch mal mit Spürhunden durchgegangen, haben die Zufahrten gesperrt und sogar Scharfschützen postiert...

Tatsächlich? Wo denn?

Holzhauer: Die waren im Nachbargebäude des Dentallabors, auf dem RP-Gelände und soviel ich weiß auch auf der anderen Seite des Steinwegs. Wir standen dann vor der Tür, als die schwarzen Limousinen vorfuhren. Als die Präsidenten dann ausstiegen, wurden wir ihnen von Bouffier vorgestellt – als Hausherren. Das war schon ein unglaublich schöner Moment.

Der Renthof - Kassels ältestes Gebäude vor und nach der Sanierung

Wie wurde denn entschieden, was die Präsidenten im Renthof zu essen bekommen?

Holzhauer: Das haben wir hier im Haus mit Protokollvertretern aus Wiesbaden und Berlin besprochen. Wir servieren ja auch bei hohen Anlässen immer gern unsere nordhessischen Spezialitäten, und das ist dann sofort bejaht worden. Es gab geräuchertes Forellenfilet aus Fritzlar mit einem kleinen Salat, dann ein Kalbsfilet auf Grüner Sauce und schließlich eine Schmandmousse mit Roter Grütze. Alles ganz einfach und superleicht rauszugeben. Die 180 Gäste hatten ja nur eine knappe Stunde Zeit für die drei Gänge.

Und wie kam das an? Wie ist Steinmeier als Gast?

Holzhauer: Er hat sich bedankt und fand alles wunderbar. Überhaupt hat alles reibungslos geklappt und es gab nur glückliche Gesichter – auch beim Protokoll, weil wir so gut in der Zeit lagen.

Gab es im Lauf des Sommers sonst noch außergewöhnliche Begegnungen im Renthof?

Holzhauer: Wir hatten zum Beispiel einen afrikanischen documenta-Sponsor zu Gast, der für ein Fest mit 100 Gästen unser ganzes Haus gemietet hatte. Eigentlich fand der Mann alles toll – nur irgendwie nicht galamäßig genug. Der ließ dann praktisch alle Möbel raustragen und gegen komplett neues Mobiliar ersetzen, mit unglaublich viel Aufwand. Allein die Blumendeko dürfte bestimmt 10.000 Euro gekostet haben. Auch ein afrikanischer Koch wurde geholt. Da hat Geld überhaupt keine Rolle gespielt. Am Ende war es auch bloß ein Fest. Mit Nordhessen hatte das nichts mehr zu tun. Aber der Gastgeber war glücklich.

Andrang im Hof bei der Renthof-Premiere: So stand es am 6. Juni in der HNA. Elf Tage später wurde die documenta 14 eröffnet – und der Renthof 100 Tage lang um Tummelplatz für eine internationale Kunstgemeinde.

Täuscht der Eindruck, oder sind Sie tatsächlich jeden Abend selbst hier vor Ort?

Holzhauer: Zurzeit bin ich fast jeden Tag im Renthof – und zwar noch so lange, bis ich das Gefühl habe, dass im Gastronomiebereich alles komplett eingespielt ist und von alleine läuft. Wir sind ja ein Dreierteam, die Kleinkaufs und ich. Das funktioniert sehr freundschaftlich, da habe ich großes Glück gehabt, solche Partner zu finden. Jeder von uns hat bestimmte Aufgaben, aber wir organisieren und verantworten alles gemeinsam.

Wie ist denn die Arbeitsteilung unter den Holzhauers?

Holzhauer: Mein Bruder Frank hat mit dem Renthof nichts zu tun, er ist Geschäftsführer unseres Stammhauses „Grischäfer“ in Bad Emstal. Ich mache all unsere Außer-Haus-Geschichten, die Caterings und Feste und außerdem noch die Kaskadenwirtschaft im Bergpark. Dafür kümmert sich Frank wieder um Angebote und Rechnungen.

Haben Sie in diesem Sommer überhaupt etwas von der documenta-Kunst mitbekommen?

Holzhauer: Von der Kunst wohl nicht ganz so viel – am ehesten noch in der Hauptpost, wo wir ja unser Post-Café betrieben hatten. Allerdings haben wir sehr viel mit documenta-Künstlern zu tun gehabt. Viele von ihnen haben bei uns im Hotel gewohnt, außerdem ganz viel Kunstpublikum. Im Sommer kamen 60 bis 70 Prozent unserer Gäste aus anderen Ländern. Das war absolut toll, ein ganz wunderbares internationales Gefühl.

Zur Person: Rainer Holzhauer 

Rainer Holzhauer (53) hat seine Lehr- und Wanderjahre als Küchenchef in Sternerestaurants in Baden und Frankreich verbracht, bevor er ins elterliche Landgasthaus Grischäfer in Bad Emstal einstieg. Gemeinsam mit seinem Bruder Frank Holzhauer übernahm er 1995 den Betrieb und entwickelte daraus eine nordhessenweit aktive Gastonomiegruppe mit diversen Lokalen sowie Schauplätzen für Caterings, Kulturveranstaltungen und Festlichkeiten. Den Renthof betreibt Rainer Holzhauer seit 2017 zusammen mit den Kasseler Eheleuten Kleinkauf. Holzhauer hat vier Kinder, die jüngste Tochter gemeinsam mit seiner Partnerin, und wohnt im alten Bahnhofsgebäude von Balhorn.

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