"Hipstermäßig geht anders, aber das scheint hier niemand zu brauchen."

Reportertausch: Kasseler Markthalle begeistert mit ihrem Angebot

+
Rettich, Rhabarber, Radieschen: Tauschreporter Peter Berger mit Vitamin-Nachschub aus der Kasseler Markthalle.

Kassel. Peter Berger von der Borkener Zeitung ist einer von zwei Tauschreportern, die diese Woche bei uns zu Gast sind. Hier schreibt er über seinen vierten Tag.

Die Markthalle gehört zu den 111 Orten in Kassel, die man laut Reiseführer gesehen haben muss. Da ich in meiner Tausch-Woche beim besten Willen nicht alle durchhecheln kann, konzentriere ich mich auf das Wesentliche: aufs Essen. Beziehungsweise auf das, was dazu nötig ist: Lebensmittel. Süße, saure, deftige und natürlich frische Lebensmittel. Zum Mitnehmen oder auch zum sofortigen Verzehr.

Gegen halb acht kommt der Betrieb in dem historischen Gemäuer am Rande der Innenstadt langsam in die Gänge. Die ersten Stammkunden grüßen sich mit einem fröhlichen „Habt Ihr hier übernachtet?“. An einigen der rund 70 Marktstände sind die Rollläden am Donnerstagmorgen noch unten. Ein paar Meter weiter lockt dafür eine appetitliche Obst- und Gemüseauslage. Nicht zu der „Fülle von kulinarischen Genüssen“, wie es auf der Homepage heißt, passen allerdings Modeschmuck, Wolle und Second-Hand-Bücher. Hat somit ein bisschen was von Flohmarkthalle.

Der Hai leistet Gesellschaft: Wachmacher im Käpt’n-Café. Um das ganze Foto - und den Hai - zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Am Stehtisch vorm Italiener im ersten Stock nippen drei Frühaufsteher an ihrem Kaffee: „Das ist für uns der perfekte Start in den Arbeitstag“, sagt Gunther Gerst. Mit zwei Kolleginnen findet er sich regelmäßig hier ein. Besonders freitags und samstags werde es später am Vormittag richtig voll hier. „Das geht dann schon in Richtung ‚Sehen und gesehen werden’“, sagt Gerst. Schon seit 25 Jahren gehe er in der Markthalle ein und aus. Bei einem Metzger sei er früher schon beim Vater Kunde gewesen, und jetzt beim Sohn. Ganz wichtig, ergänzt Mit-Kaffeetrinkerin Julia Friedrich, sei für sie, dass die meisten Lebensmittel in der Markthalle aus regionalem Anbau stammen.

Apropos Metzger: Wo es denn die beste ahle Wurscht gibt, frage ich die Kaffeerunde. Die Lieben daheim im Münsterland bräuchten schließlich noch ein Mitbringsel. Ich bekomme zwei Geheimtipps und versuche mein Glück. Das Angebot „Grüne Soße mit Pellkartoffeln“ in der Fischabteilung lasse ich vorerst links liegen. Dafür ist es noch zu früh.

Drinnen wirkt die Halle etwas angejahrt. Die Treppenstufen sind abgewetzt, die Sitzgarnituren haben 70er-Jahre-Look. Hipstermäßig geht anders, aber das scheint hier niemand zu brauchen. Gekünstelten Schnickschnack hat diese Kasseler Institution nicht nötig. Alle, die statt „Superfood“ auch weiterhin zum Beispiel Grünkohl sagen, sind hier bestens aufgehoben.

Gegen Mittag schlendere ich ein zweites Mal durch die Markthalle: Jetzt ist Leben in der Bude. Schlangen vor den Ständen, fast alle Stühle besetzt. Für die Marktbeschicker ist erst Halbzeit. Landwirt Timo Opfermann aus Grebenstein und seine Mitarbeiterin Gudrun Baake sind beispielsweise schon seit 5 Uhr auf den Beinen. Kisten schleppen, auspacken, und alles hübsch platzieren. „Das wird zwar heute ein 13,5-Stunden-Tag, aber es macht auch viel Freude“, sagt Baake. Mein Imbiss besteht aus Pasta und zum Nachtisch Käsetörtchen.

Mit einem Schälchen Erdbeeren für meine Austausch-Kollegin Sara Reinke und mich geht’s weiter. Mahlzeit, Kassel!

Peter Berger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Borkener Zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.