Deutsch-chinesisches Gastronomenpaar hat viele asiatische Stammkunden

Restaurant Shan Dong: China-Küche mal ohne Kitsch

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Heimatküche aus dem Nordosten Chinas: Von links Mitbetreiberin Shaojie Han, Koch Zhen Wang und Inhaber Christian Bürger. Die gefüllten Teigtäschchen Jaozi vorn im Bild werden übrigens mit Spinat und Rotkohl natürlich gefärbt.

Kassel. Diese nordhessisch-chinesische Liebesgeschichte geht durch den Magen: Am Lutherplatz haben Christian Bürger und seine Freundin Shaojie Han ihr Restaurant Shan Dong eröffnet.

Ein weiteres „China-Restaurant“ in Kassel? Nein – endlich mal ein Ort, wo Interessierte essen können, die China als Mutterland der weltweit vielseitigsten und aufwändigsten Küchentraditionen ernst nehmen.

Im Shan Dong wird gekocht wie in der gleichnamigen nordostchinesischen Heimatprovinz von Shaojie Han, die 2008 zum Maschinenbaustudium nach Deutschland kam. In Kassel lernte sie Christian Bürger kennen – und neckt ihn noch heute damit, dass er sie beim ersten Rendezvous zu einem Buffet-Chinesen ausführte.

Volle Teller mit einheitlich süßsaurem Glutamat-Aroma, Plastiklöwen, Lampions – „das gibt es nur in Deutschland, aber nicht bei uns“, lacht die 30-Jährige, die aus der Stadt Zibo am Gelben Fluss stammt. Die Küche der Provinz Shandong, in der übrigens die ehemalige deutsche Kolonie Qingdao (Tsingtao) liegt, gilt innerhalb Chinas als sehr einflussreich und ist durch recht kräftige Aromen und Gewürze geprägt.

Mit seiner Freundin ist Christian Bürger bisher drei Mal in die Region gereist und war dort vor allem vom Essen begeistert. „Ich bin eher der neugierige Typ und probiere eigentlich alles – nur Schlange und Insekten nicht“, sagt der 29-Jährige. Was er außerdem nicht mag, ist das in vielen Asia-Restaurants allgegenwärtige Glutamat: „Das gibt’s bei uns grundsätzlich nicht.“

Nach den Besuchen in China reifte der Plan, sich mit diesem Küchenstil in Kassel selbstständig zu machen. Den richtigen Koch dafür hatte das Paar bald gefunden: Zhen Wang stammt aus der Region Shandong, arbeitete in Hamburg und war auf Stellensuche. Es fehlte nur noch ein passendes Lokal, das Christian Bürger und Shaojie Han schließlich am Lutherplatz, an der Ecke zur Hoffmann-von-Fallersleben-Straße, fanden.

Unter den Gästen, die dorthin seit einigen Wochen regelmäßig zum Essen kommen, sind auffällig viele Asiaten – ein starkes Indiz dafür, wie authentisch im Shan Dong gekocht wird. Wie Shaojie Han erzählt, haben Chinesen in Deutschland so ihre Geheimtipps: Nach telefonischer Reservierung würden bestimmte China-Gastronomen ihre aufs deutsche Publikum ausgelegten Speisekarten beiseite legen und auftischen, was die kundigen Gäste aus ihrer Heimat kennen und lieben.

Im Shan Dong werden mit Blick auf die Herkunft des Publikums aber keine besonderen Unterschiede gemacht. Den Nicht-Asiaten unter den Gästen bringt das Betreiberpaar gern auch etwas chinesische Gastro-Kulturkunde näher. Zum Beispiel, dass die gefüllten Teigtäschchen Jiaozi, eine Spezialität des Hauses, in China als traditionelles Familien-Festtagsessen gelten und immer in gerader Anzahl verzehrt werden sollten.

Das Restaurant auf Facebook und im Netz: www.shan-dong.de

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