Rumänen schlugen Rentnerinnen fast zu Tode

Revision vor Kasseler Landgericht: Schläger bleiben weiterhin im Gefängnis

Kassel. Im Revisionsverfahren gegen zwei 29 Jahre alte Rumänen, die im Sommer 2013 in Kassel zwei Frauen mit Faustschlägen verletzt und ausgeraubt haben, sind die Urteile des Landgerichts vom Vorjahr weitgehend bestätigt worden.

Julian I. wurde nun auch von der 10. Strafkammer mit Richter Dreyer an der Spitze zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde für den notorischen Gewalttäter anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Marius D. legte diesmal eine Art Geständnis ab, beschuldigte aber Julian I. die Faustschläge gegen die damals 85-Jährige im Fahrstuhl des Mercedes-Hochhauses geführt zu haben. Er erhielt mit acht Jahren und drei Monate eine um ein Vierteljahr niedrigere Freiheitsstrafe. 

Das Urteil des Landgerichts vom Vorjahr hat in Bezug auf die Feststellung der Taten bereits Rechtskraft erlangt. Gestern ging es nur noch um die Gesamtstrafenbildung aus zahlreichen früheren Verurteilungen in Berlin, Hamburg und anderswo. Nur hierfür hatte der Bundesgerichtshof der Revision der Angeklagten stattgegeben. Marius D. erkannte auch die Schmerzensgeldforderung von Nebenkläger-Anwalt Axel Dohmann an. Das Gericht verurteilt ihn zur Zahlung von 25.000 Euro. Die Tochter hatte am Montag aber kaum Hoffnung, auch nur einen Cent davon zu erhalten.

Die Gewalt war fest eingeplant

In Kassel waren es zwei 85 und 90 Jahre alte Frauen, die nur mithilfe ihrer Rollatoren zum Einkauf gehen konnten. In Hamburg ein 79 Jahre alter Mann mit einem irgendwie wertvoll aussehenden Armband. In Berlin zwei alte Frauen in ihrer Parterre-Wohnung, in die die Täter über den Balkon eindrangen.

In allen Fällen wurden die Opfer sofort mit härtesten Faustschlägen ins Gesicht schwer verletzt, obwohl Gegenwehr von ihnen nicht zu erwarten war. Wie verabredet sollten die alten Menschen durch die brutale Gewalt von vornherein gefügig gemacht werden. In Berlin starb eines der beiden Opfer von Julian I. fünf Tage später an einem Herzinfarkt, nicht an den zahlreichen Knochenbrüchen. Das ersparte ihm eine Mord- oder Totschlags-Anklage. Die Beute war in allen Fällen kaum der Rede Wert: ein paar Euro Bargeld, etwas Schmuck.

Was sind das für Menschen, die solche Taten begehen? Vor dem Landgericht wurde am Montag auch ein Schlaglicht auf die beiden Männer geworfen: Julian I.: schlank, akkurat gestutzter Vollbart, modischer Mantel mit Schal, angenehmes Gesicht. Marius D. etwas dicklich, blauer Pulli, irgendwie arglos wirkend.

Täter mit vielen Jahren Hafterfahrung

Tatsächlich sind beide trotz ihrer Jugend Gewohnheitsverbrecher mit vielen Jahren Hafterfahrung. Julian I., Sohn von rumänischen Blumenhändlern, kam mit 14 nach Wien, um Handtaschendiebstähle zu begehen. In der Jugendhaft vergewaltigte er Mitgefangene anal und oral. Da war er 15 und 16. Zurück in der Heimat wurde er wegen zahlreicher Raubzüge im Badeort Constanza verurteilt. Nach den Taten in Berlin und Kassel wurde er im August 2013 in Griechenland festgenommen.

Marius D. besuchte immerhin acht Jahre eine Schule, ging vorzeitig vom Gymnasium ab und verdingte sich als Hilfsarbeiter, konsumierte Marihuana und Kokain. In Hamburg überfiel er den 79-Jährigen, in Kassel die damals 85-Jährige, zuvor war er wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt worden. Eine offenbar rechtskräftige Verurteilung zu sieben Jahren und fünf Monaten kam am Montag auch für das Gericht überraschend zur Sprache. Welche Taten hier vorliegend, konnte nicht einmal erörtert werden.

Kasseler Opfer leiden noch immer unter den Folgen

Die beiden Kasseler Frauen jedenfalls leiden bis heute unter den Folgen. Feste Nahrung können sie kaum noch zu sich nehmen. Die Behandlung der zertrümmerten Gesichtsknochen dauerte Monate. Mindestens genauso schlimm ist die Angst vor neuer Gewalt, die beide Greisinnen einfach nicht mehr überwinden können.

Auch zivilrechtlich geht es immer weiter: „Wir haben 16.000 Euro Behandlungskosten bezahlt“, sagte die Tochter gestern nach dem neuen Urteil zur HNA. Um dieses Geld geht es nun vor dem Zivilgericht. Für die Mutter und die beiden Töchter, die so gern endlich einen Schlussstrich unter die furchtbaren Ereignisse ziehen würden, heißt dies, sich immer aufs neue damit beschäftigen zu müssen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Wolfram Stein

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