Gartenamt räumt Fehler ein

Riesen-Agave in Kassel: Sieben Meter Pflanze nach Frostschaden gekappt - Hoffen auf eine zweite Blüte

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Kurz vor der Blüte nach 72 Jahren hat der Frost die Riesen-Agave im Botanischen Garten Kassel angegriffen: Mitarbeiter vom Umwelt- und Gartenamt sägen den Blütenstamm ab.

Die Blüte der Riesen-Agave im Botanischen Garten Kassel ist erfroren. Jetzt wurde die sieben Meter Pflanze gekappt - und alle hoffen auf eine zweite Blüte.

Update am 09.11.2019 um 14.11 Uhr - Es dauerte nur wenige Minuten, dann war die Riesenagave im Botanischen Garten gestutzt. Zuvor hatte sich Gartenamtsleiterin Anja Starick noch für den Einsatz der Kakteenfreunde bedankt. 

An den Vereinsmitgliedern lag es nicht, dass die außergewöhnliche Pflanze die erhoffte Blüte nicht mehr schaffte. Einige von ihnen waren am Freitag beim finalen Schnitt und mussten mehr als einmal schlucken. Weil die 72 Jahre alte Pflanze nicht rechtzeitig vor dem einsetzenden Frost geschützt wurde, ist die Blüte erfroren. 

Riesen-Agave im Botanischen Garten Kassel: Hoffen auf eine zweite Blüte

Jetzt hoffen alle Beteiligten auf eine zweite Chance. Experten halten es für möglich, dass die Agave weiter unten am Stamm eine neue Blüte bilden könnte. Die müsste keine Kälte fürchten, denn die gekappte Agave passt jetzt wieder komplett ins Gewächshaus. 

Die Kakteenfreunde werden es auch an diesem Wochenende wieder öffnen. Zusammen mit den anderen Pflanzen ist die Agave immer noch eine Attraktion.

Update am 06.11.2019 um 17.50 Uhr - Das Schicksal der Riesenagave im Botanischen Garten bewegt die Menschen. Am Dienstagmorgen stand das Telefon bei Christine Böhm von den Kasseler Kakteenfreunden nicht still. 

Anlass dafür war der Bericht in der HNA über den Frostschaden der Agave. Der Hessische Rundfunk und Radio FFH meldeten sich ebenso wie zahlreiche Freunde und Bekannte.

„Wie konnte das nur passieren?“, diese Frage bewegte alle Anrufer. Die Antwort darauf gibt die Leiterin des Umwelt- und Gartenamtes, Dr. Anja Starick. Nur einen Steinwurf von ihrem Büro entfernt befindet sich der Botanische Garten mit der Agave. 

Gartenamt räumt Fehler ein: "Waren nicht schnell genug"

„Wir haben an einer Lösung für den Winter gearbeitet“, sagt sie. Und dann kommt ein klares Eingeständnis: „Wir waren nicht schnell genug, da beißt die Maus keinen Faden ab“, sagt die Amtsleiterin.

Sie erläutert, was geplant war. Für den etwa drei Meter hohen Teil der Agave, der durch eine Öffnung im Dach des Glashauses hinausgewachsen ist, sollte ein Schutz gebaut werden. Technisch sehr viel aufwendiger als der Hülle mit Plastikfolie, die im Frühjahr noch erfolgreich zum Einsatz kam. Eine Röhre aus Plexiglas sollte so installiert werden, dass sie dem Wind standhält. Mit einer Befestigung, die stabil, aber nicht zu schwer für das Dach ist.

Vorbereitung der Schutz-Konstruktion für die Agave ist zu spät gestartet

Aus heutiger Sicht sei man mit der Vorbereitung der Konstruktion zu spät dran gewesen. „Wir sind aber auch davon ausgegangen, dass die Agave leichten Nachtfrost verkraftet“, sagt Anja Starick. Es habe jedenfalls nicht am Geld gelegen, zumal man beim Bau der Konstruktion auf städtische Mitarbeiter hätte zurückgreifen können.

Erster Nachtfrost hat die Blüte der Riesen-Agave angegriffen

Sie lässt den Kopf schon hängen: Die Agave im Botanischen Garten hat einen Frostschaden (kleines Foto). Die erhoffte und sehr seltene Blüte wird es nicht geben. Die Pflanze war schon weit aus dem Gewächshaus herausgewachsen.

Fakt ist, dass die Agave dem ersten Nachtfrost schutzlos ausgesetzt war und der Blütenansatz an der Spitze das nicht überstanden hat. 

„Das ist jammerschade, aber Schuldzuweisungen helfen jetzt auch nicht weiter“, sagt Christine Böhm. Die war gestern mit ihren Mitstreitern von den Kakteenfreunden zum wöchentlichen Arbeitseinsatz im Schauhaus und beantwortete geduldig Journalistenfragen.

Mögliche zweite Chance für die Riesen-Agave?

Im Schauhaus steht die Riesen-Agave weiterhin und lässt mittlerweile den frostgeschädigten Kopf hängen. Möglicherweise gibt es allerdings eine zweite Chance. Die Agave soll in den nächsten Tagen soweit gestutzt werden, dass sie wieder unter das Dach des Glashauses passt. „Wenn wir Glück haben, treibt sie noch eine Blüte aus“, sagt Christine Böhm. 

Sie hat Rücksprache mit einem Agavenexperten in Berlin gehalten. Demnach gibt es eine 50-Prozent-Chance dafür, dass die Agave noch einen Anlauf nimmt. „Die Blüte wäre dann zwar kleiner, aber wir würden uns trotzdem sehr darüber freuen“, sagt Christine Böhm.

Erstmeldung am 05.11.2019 - Die Witterung war ungünstig. Nachdem ihre Blüte erfroren ist, gibt es wenig Hoffnung für die Kasseler Riesen-Agave. Das Interesse an der mittlerweile sieben Meter hohen Agave im Botanischen Garten war enorm. 

Viele Menschen haben darauf gewartet, dass die außergewöhnliche Pflanze nach Monaten des schnellen Wachstums endlich blüht. Daraus wird allerdings nichts. Die Agave hat die frostigen Nächte der vergangenen Woche nicht verkraftet. Der Blütenansatz ist abgestorben, der obere Teil der Pflanze trocknet bereits aus. 

„Ja, sie ist erfroren“, sagt Christine Böhm von den Kasseler Kakteenfreunden, die sich ehrenamtlich um die Agave und die anderen Pflanzen im Kakteenschauhaus kümmern. Die Mitglieder seien sehr enttäuscht. Auf die Frage, ob die Agave durch eine wärmeisolierende Hülle hätte gerettet werden können, will sie nichts sagen. 

Riesen-Agave in Kassel: Im Frühjahr gab es noch eine Schutzfolie

Kälteschutz im Frühjahr: Die Agave wurde eingepackt. 

Fest steht jedenfalls, dass die Spitze der Agave noch im Frühjahr in eine schützende Folie eingepackt war. Damals hatte das Umwelt- und Gartenamt, das den Botanischen Garten betreibt, die Handwerker bestellt. Ein Glaser schnitt eine Öffnung in das Glasdach, damit die Agave weiterwachsen konnte. Warum man diesmal nicht aktiv wurde? 

Dazu sagte Amtsleiterin Dr. Anja Starick am Montag noch nichts. Sie verweist auf die Möglichkeit, die Agave zurückzuschneiden. Unter dem Glasdach bestehe die Möglichkeit, dass sich eine neue Blüte ausbilde. Klar ist, dass das Problem schon länger bekannt war. Gespräche über einen improvisierten Frostschutz für die Agave soll es frühzeitig gegeben haben, allerdings gab es lange Zeit keine sichtbaren Aktivitäten. 

Die Kakteenfreunde äußern sich auch dazu nicht. „Wir sind für die Pflanzen im Kakteenhaus zuständig, alles was draußen passiert, geht uns nichts an“, sagt Christine Böhm. Nach HNA-Informationen sollte Ende vergangener Woche bei einem Ortstermin geklärt werden, wie man der Agave über den Winter helfen kann. Da war es allerdings schon zu spät, der Nachtfrost war schneller. Und wie geht es jetzt weiter? Die Agave wird voraussichtlich in den nächsten Tagen zurückgeschnitten. 72 Jahre alt ist sie geworden, ob sie noch blüht, ist mehr als fraglich.

Video: Die Vorfreude auf die Blüte der Riesen-Agave im Botanischen Garten Kassel

Kasseler Kakteenfreunde: „Wir sind sehr traurig“  

Anteilnahme: „Wir sind sehr traurig“, sagt Christine Böhm von den Kasseler Kakteenfreunden.

Dass die Agave nicht mehr lange leben würde, war den Fachleuten klar. Doch so schnell musste es jetzt nun wirklich nicht gehen. Denn zunächst hätte die Agave im Botanischen Garten ihr Geheimnis lüften sollen. 

Erst wenn sie blüht, kann man zweifelsfrei erkennen, um welche von 200 möglichen Agavenarten es sich handelt. Daraus wird jetzt nichts. Die sieben Meter hohe Agave hat Frost abbekommen, der Blütenansatz stirbt ab. „Wir sind darüber sehr traurig“, sagt Christine Böhm von den Kasseler Kakteenfreunden.

Vorfreude auf die Blüte der Agave war riesig

Dabei war die Vorfreude auf die ausgesprochen seltene Blüte noch vor einem Jahr sehr groß. Schon eine Weile waren die neuen Blätter der Pflanze immer kürzer geworden, bis Anfang 2018 endlich die Knospe erkennbar war.

 Im Sommer schien es, als wolle die Agave eine Pause einlegen. Ab Ende November wuchs sie dann wieder. Pro Woche zuerst zwei Zentimeter, dann sechs und ab März 2019 immer schneller. Im April war sie bereits so groß, dass sie die Decke des Gewächshauses erreichte - sieben Meter erreichte die Agave.

Die Kasseler Riesen-Agave lockte tausende Besucher an

Die Agave wurde mit ihrem Wachstumsschub ab dem Frühjahr zu einer Attraktion. Bis zu 1500 Menschen kamen an den Wochenenden in den Botanischen Garten. Das hatte es bisher nur bei größeren Veranstaltungen wie der Pflanzenbörse gegeben. Über die Agave wurde in Zeitungsartikeln, im Fernsehen und im Radio berichtet. Viele Besucher spendeten für ein neues Kakteenschauhaus.

Sorge um die Riesen-Agave: Es gab schon Pläne die Knospe zu schützen

Die Kakteenfreunde hofften darauf, dass die Agave im Sommer blühen würde. Langsam wuchs die Sorge, dass sie sich zu viel Zeit lassen könnte. Es gab erste Überlegungen, wie man den Knospenstamm schützen könnte.

Blüte der Riesen-Agave erfroren: Die Enttäuschung ist riesig - Das Gartenamt kämpft weiter

Auch bei der Pflanzenbörse Ende September im Botanischen Garten stand die Agave im Mittelpunkt des Interesses der zahlreichen Besucher. Die hofften ebenso wie die organisierten Kakteenfreunde, dass es bis zum ersten Frost einen Schutz für den oberen Teil der Agave geben würde. Das ist nicht passiert. Das Umwelt- und Gartenamt setzt jetzt auf eine zweite Chance. Wie wahrscheinlich das ist, ließ sich nach der Rückmeldung am Abend gestern nicht mehr klären.

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