Erstmals seit acht Jahren

Riesendarm und Mini-OP: Tag der Offenen Tür im Elisabeth-Krankenhaus

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Rundgang in Rosarot: Harald Becker und Frederike Dießelberg erkundeten mit Corinna (4) und Joris (2) das Darmmodell, eine Art Luftkissen-Tunnel, der vor dem Krankenhaus aufgebaut war.  

Kassel. Hunderte Besucher kam am Samstag zum Tag der offenen Tür im Elisabeth-Krankenhaus, der nach acht Jahren Pause zum ersten Mal wieder stattfand.

Staunend erkundet Corinna den langen rosaroten Tunnel. Auf dem Arm ihres Papas boxt sie ausgelassen gegen den großen Ball, der aus der Gummiwand wächst. Die „Bommel“, wie die Vierjährige sie nennt, ist eigentlich ein Polyp – dargestellt in einem überdimensionierten Darmmodell, das am Samstag vor dem Elisabeth-Krankenhaus zur Erkundung des größten menschlichen Organs einlud.

„Das hier sind die Harmlosen und da hinten kommen die Üblen“, hat Harald Becker auf den Infotafeln über die Schleimhautwucherungen erfahren, die im schlimmsten Fall zu Darmkrebs führen können. So wie die die vierköpfige Familie aus Kassel nutzten hunderte Besucher den Tag der offenen Tür des Krankenhauses auf dem Weinberg, um in entspannter Atmosphäre Einblicke in die Medizin zu bekommen.

Neben Führungen durch das Herzkatheterlabor, den Schockraum oder das Chemotherapiezimmer konnten Interessierte sich auch selbst ausprobieren. Detlev Kann, ärztlicher Leiter des Notarztstandorts, demonstrierte an einer Puppe, wie man einen Patienten bei Atem- und Kreislaufstillstand reanimiert. Auch Peter Höhmann aus Kassel, dessen letzter Erste-Hilfe-Kurs schon lange her ist, schaute aufmerksam zu. „Es kann ja immer mal sein, dass man an einem Unfall vorbeikommt. Dann will man auch helfen können.“ Als der Profi kräftig auf den Brustkorb der Puppe drückt, werden Bedenken aus dem Publikum laut: Bricht man einem echten Patienten dabei nicht die Rippen? Fünf bis sechs Zentimeter tief darf man schon drücken, erklärt der Notarzt. „Und im Zweifel ist es das kleinere Übel, wenn mal eine Rippe kaputt geht.“ Schließlich geht es ums Überleben.

Ganz so ernst ging es in der Bärensprechstunde im Innenhof des Krankenhauses nicht zu. Dort durften Kinder selbst Doktor spielen und gebrochene Teddy-Beine bandagieren oder Kuscheltier-Bauchschmerzen kurieren.

Endoskopie: OP durchs Schlüsselloch 

Kleine Schnitte statt großer Narben: Die Vorteile der Endoskopie konnte man bei Dr. Saleh Alomar, Assistenzarzt in der Chirurgie, erfahren. Bei diesen minimal-invasiven Eingriffen werden durch zwei bis drei kleine Öffnungen die mit Kameratechnik ausgestatteten Instrumente eingeführt. Über einem Bildschirm kann der Arzt ins Innere blicken und operieren. Diese Schlüsselloch-Technik wird heute etwa bei Blinddarm- und Gallen-OPs oder Eingriffen am Knie eingesetzt. Die Besucher konnten beim Angeln einer Büroklammer ausprobieren, dass das „ferngesteuerte“ Hantieren mit den Geräten Geschick erfordert.

Schockraum: Im Notfall schnell versorgt 

Der Schockraum ist das Herz der Notaufnahme im Elisabeth-Krankenhaus. Hier werden schwerverletzte Patienten, oftmals Unfallopfer, eingeliefert und sofort unter Hochdruck von einem interdisziplinären Team versorgt. Meist zählt jede Sekunde. Deshalb sind auch kurze Wege wichtig: Alle für die Erstdiagnose nötigen Geräte sind im Raum vorhanden. Von der Trage aus dem Rettungswagen wird der Patient auf eine Carbonmatrazte umgebettet, auf der auch geröngt werden kann. Mehrfaches Umbetten kann nämlich lebensgefährlich sein, wenn die Wirbelsäule verletzt sein sollte.

Herzkatheterlabor: Direkter Draht zum Herzen

Prof. Dr. Martin Höher erklärte im Herzkatheterlabor, wie man mit den feinen Schläuchen Engstellen in den Gefäßen feststellen kann.

Das Herz gilt als Zentrum der Gefühle. Bei einer Herzkatheteruntersuchung muss man aber keine Angst vor Schmerzen haben. „Gefühle haben wir da, wo man sich stoßen kann, aber nicht in den inneren Organen“, sagt Prof. Martin Höher, Leiter der Inneren Medizin. Bei der Untersuchung, mit der man gefährliche Engstellen in den Herzkranzgefäßen oder Defekte an den Herzklappen aufspüren kann, wird ein feiner Kunststoffschlauch über eine Vene oder Arterie bis zum Herzen vorgeschoben. Über den Schlauch wird ein Kontrastmittel einspritzt, mit dem die Gefäße auf einem Röntgenbildschirm sichtbar gemacht werden.

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