Anwohner machen vor lauter Lärm kein Auge zu

Mit 100 km/h: Rowdys rasen nachts durch Kassels Innenstadt

Raser auf der Friedrichsstraße: Vor allem in den späten Abend- und Nachtstunden treten Rowdys in der Innenstadt aufs Gas und lassen die Motoren und laute Musik aufheulen. Die Anwohner sind entnervt. Foto: Koch

Kassel. Aufheulende Motoren, quietschende Reifen, wummernde Bässe aus vorbeifahrenden Autos: Viele Innenstadtbewohner kriegen besonders am Wochenende kaum ein Auge zu.

Betroffen sind vor allem die Anwohner an der Friedrichsstraße, der Fünffensterstraße, im Königstor und in der Neuen Fahrt. Darüber klagten jetzt Anlieger der Friedrichsstraße während der Sitzung des Ortsbeirates Mitte.

Es seien immer die gleichen Rowdys, die hier zum Teil mit 100 Kilometern in der Stunde über die Fünffensterstraße rasen würden, schilderte ein Anwohner: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand die Kontrolle über sein Auto verliert oder jemanden anfährt.“

Er habe schon überlegt, Freitag- und Samstagnacht sein Bett im Keller aufzuschlagen. Die nächtlichen Autoraser und lautstarken Treffen unter anderem vor dem Parkhaus an der Friedrichsstraße verursachten einen Lärm von „gefühlt 130 Dezibel“. „Die steigen aus und reißen die Musikanlagen in den Autos auf“, sagt der sichtlich genervte Innenstadtbewohner.

Aktualisiert um 09.15 Uhr

Ein weiteres Problem sind nach Schilderungen von Anwohnern der Friedrichsstraße und der Fünffensterstraße die oft schwer alkoholisierten Besucher der Kneipen an der Rathauskreuzung. Eine davon hat eine 23-Stunden-Konzession, sodass hier bis in die frühen Morgenstunden keine Ruhe einkehre. Schlägereien, Pöbeleien, unappetitliche Verunreinigungen sowie verletzte und hilflose Personen seien keine Seltenheit.

Für den Ortsbeirat Mitte insgesamt kein neues Problem. Sogar Unterschriftenaktionen von Bürgern habe es bereits gegeben, berichtete Ortsvorsteher Christian Schnittker. Wegen der aktuellen Anwohnerklagen wird sich der Ortsbeirat auch in seiner nächsten Sitzung am Montag, 13. Juli, ab 19 Uhr im Stadtteilbüro Mitte, Friedrich-Ebert-Straße 32, noch einmal mit diesem Thema beschäftigen.

Unter anderem hatten Anwohner die Frage aufgeworfen, ob beispielsweise Einbahnstraßenregelungen zur Lösung des Problems beitragen könnten. Allerdings pesen schon jetzt motorisierte Rowdys auch durch Einbahnstraßen um den Florentiner Platz und über die Wolfsschlucht.

Auch dem Ordnungsamt und der Polizei sind laut Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich die geschilderten Probleme bekannt. Nach deren Erkenntnissen treffen sich junge Erwachsene in den späten Abend- und Nachtstunden auf dem Platz vor dem Parkdeck der Galeria Kaufhof und rasen mit ihren Autos durch die Straßen. Deshalb würden im Bereich Neue Fahrt und Friedrichsstraße zu diesen Zeiten und am Wochenende regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen veranlasst. Allerdings sei es schwierig, der Störenfriede habhaft zu werden, „die warnen sich schnell gegenseitig“, sagt Polizeisprecher Jürgen Wolf.

Deshalb appelliert die Polizei an Anwohner und Zeugen, Vorfälle aktuell zu melden und Autokennzeichen zu notieren. Bei illegalen Autorennen drohen immerhin ein Bußgeld von 400 Euro, ein einmonatiges Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg.

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