Restauratoren beseitigen Reste von Aufkleber an Bus 

Anzeige erstattet: Unbekannter beschädigt Kunstwerk "Das Rudel" von Joseph Beuys

+
Joseph Beuys in der Neuen Galerie: Unser Archivfoto zeigt den Künstler mit dem 1969 entstandenen Werk „Das Rudel“.

Kassel. Ein unbekannter documenta-Besucher hat offenbar das Beuys-Kunstwerk "Das Rudel" beschädigt. Der hat – ob gewollt oder gedankenlos – einem der bekanntesten Kunstwerke in der Neuen Galerie einen Schaden zugefügt.

Es handelt sich um „Das Rudel“ des 1986 verstorbenen Künstlers Joseph Beuys. Das besteht aus einem VW-Bully und mehreren Schlitten mit Filzdecken. Beschädigt wurde der Bus. Und zwar mit einem Aufkleber, der auf der Windschutzscheibe angebracht wurde. Das klingt zwar nicht sonderlich gravierend, ist aber ausgesprochen ärgerlich.

„Wir haben den Raum für Besucher gesperrt, damit die Restauratoren ungestört arbeiten können“, sagt Lena Pralle von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Jetzt kann man das Kunstwerk nur noch aus der Distanz vom Eingang aus betrachten. Es gehörte zwar nicht zur aktuellen documenta-Ausstellung, war aber bislang für die Besucher zugänglich.

Der Aufkleber konnte nach Angaben der MHK, die Hausherr in der Neuen Galerie ist, am Mittwoch weitgehend entfernt werden. Er habe keine politische oder anderweite Botschaft transportiert. Die Reste und Ränder müssen jetzt von Restauratoren bearbeitet werden. Das Kunstwerk aus dem Jahr 1969 solle wieder in genau den Zustand versetzt werden, in dem es vorher war.

Deshalb schwingt auch ein Stück Erleichterung bei den Reaktionen mit. „Das Glas der Windschutzscheibe hat zwar auch eine Patina, auf dem Lack wäre der Schaden aber wahrscheinlich erheblich größer gewesen“, sagt Lena Pralle. Zu dem Wert des weltberühmten Kunstwerks macht die MHK keine Angaben.

Unmittelbar nachdem der Aufkleber entdeckt wurde, hat die Museumslandschaft Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Es dürfte allerdings schwierig werden, den Täter zu ermitteln. Eine Videoüberwachung gebe es in dem Beuys-Raum nicht, so die MHK-Sprecherin. Die Sicherheit habe man durch Aufsichten gewährleistet. Die könnten aber nicht ständig jeden Besucher im Blick behalten.

Weggewischt

Am Mittwoch sah es so aus, als könne der Schaden durch den Aufkleber komplett behoben werden. Bei früheren Zwischenfällen mit Beuys-Kunstwerken war das teilweise nicht möglich. Der siebenfache documenta-Teilnehmer (einige Werke wurden nach seinem Tod gezeigt) hat oft mit den Materialien Filz und Fett gearbeitet. Eine Fettecke in der Düsseldorfer Kunstakademie sorgte 1986 für Aufsehen. Damals wurde sie bei Reinigungsarbeiten einfach weggewischt. Dabei war das Kunst und sollte gar nicht weg.

Bereits 1973 ging es in Leverkusen ebenfalls einem Kunstwerk an den Kragen. Bei einer Feier traf es eine von Beuys mit Mullbinden und Pflastern gestaltete Babybadewanne. Die wurde kurzerhand ausgeräumt und zum Gläserspülen genutzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.