Unternehmen am Königsplatz 

Traditionsfirma wird 175: Samen-Rohde ließ nordhessisches Saatgut in Afrika und Australien reifen

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1000 Saatgutsorten, hochwertiges Gartenwerkzeug und mehr: Aus dem achtköpfigen Samen-Rohde-Team (von links) Nicole Homburg, Jan Zinke, Azubi Robel Kelab und Inhaber Frank Rohde.

Die Kasseler Traditionsfirma Samen-Rohde feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichte des Unternehmens, das sogar in Tansania einen Zweigbetrieb hatte. 

Gartenfreunde in weitem Umkreis wissen: Wer Saatgut für Gemüse und Blumen in riesiger Auswahl durchstöbern will, wer Kummer mit Schädlingen oder dem Gartenboden hat, findet kundigen Rat bei Samen-Rohde am Kasseler Königsplatz. Auch im 175. Jahr seines Bestehens behauptet sich der Traditionsbetrieb durch seine besondere Expertise im Wettbewerb mit Fachmärkten und Billig-Anbietern. Wer Gartenwerkzeug bei Rohde kauft, muss für die schwere Qualität etwas mehr anlegen, bekommt darauf aber teilweise lebenslange Garantie.

Was heute nicht mehr so viele Menschen wissen: Die Firma, die zu Höchstzeiten 120 Angestellte hatte, war zwischen 1964 und -91 weltweit mit der Produktion selbst gezüchteter Sämereien aktiv.

Im ostafrikanischen Tansania gründete Wilhelm H. Rohde die „Rohde Seed Company“, um dort nordhessisches Buschbohnen-Saatgut zu vermehren. Im Lauf der Jahre wurden Gurkensamen von Vertragsanbauern in Kalifornien erzeugt, Erbsen in Australien und Südafrika, viele weitere Saatgutsorten der Kasseler Marke in diversen europäischen Ländern. In den Handel kamen die importierten Sämereien zum größten Teil in Deutschland.

1000 Sorten im Angebot 

Schon vor Jahrzehnten hat Samen-Rohde die eigene Saatgutzucht aufgegeben. Die rund 1000 Sorten, die am Königsplatz heute im Angebot sind, werden von anderen Erzeugern geliefert. Die Abnehmer seien weit überwiegend Hobbygärtner, sagt Frank Rohde, der Großneffe von Wilhelm H. Rohde und Inhaber in der 6. Generation.

Als die Firma 1844 gegründet wurde, war Gemüseanbau kein Hobby, sondern schlichte Ernährungsgrundlage oder Zuverdienstquelle. Gründer Johann Heinrich Rohde, der einer alten Gärtnerfamilie entstammte, betrieb eine Gärtnerei mit Gewächshaus an der Unterneustädter Salztorstraße. Später kam ein Ladengeschäft an der Leipziger Straße hinzu. Am nahen Holzmarkt – wie später auch am Königsplatz – boten Marktfrauen ihr Gemüse an. Bei Rohde versorgten sie sich dann mit Saatgut für die nächste Erntesaison.

Gibt es im Laden immer noch: Die Holzschubfächer für Saatgut und die mechanische Waage. Der Name des Mitarbeiters auf dem alten Foto ist nicht mehr bekannt. 

Gründer-Enkel Heinrich Rohde war es, der die Firma ab 1911 rein auf Samenzucht und -handel spezialisierte. Er starb im Kriegsjahr 1943 kurz nach dem schweren Bombenangriff, der mit dem größten Teil Kassels auch die Betriebsstätten vernichtete.

Nach Kriegsende baute Wilhelm H. Rohde als Inhaber der 4. Generation einen wissenschaftlich geleiteten Samenzuchtbetrieb in Guxhagen auf. Auf Versuchsfeldern, in Gewächshäusern und Labors entstanden Saatgutzüchtungen, die im vergleichsweise rauen nordhessischen Klima gut gediehen und als besonders robust und leistungsfähig galten. Im milden Überseeklima ließen sie sich später äußerst ertragreich vermehren, bis die Firma um 1991 den eigenen Zuchtbetrieb aufgab und verkaufte.

Anlaufstelle für Gartenfreunde: In dem Geschäftshaus am unteren Rand des Königsplatzes ist die Traditionsfirma seit 1952 ansässig.

Der Großhandel mit Sämereien wurde in das Geschäft am Kasseler Königsplatz integriert. Seit 1952 ist Samen-Rohde dort ansässig, das Gebäude an der Ecke Untere Karlsstraße gehört der Firma selbst. Nicht nur in dieser Hinsicht, auch allgemein geschäftlich habe das 175 Jahre alte Unternehmen keine Sorgen, sagt Inhaber Frank Rohde, der sieben Mitarbeiter beschäftigt: „Beim Umsatz legen wir jedes Jahr zu.“

Weihnachts-Leuchtsterne und Deko-Artikel

Wie kann sich so ein Fachgeschäft behaupten, wenn jeder Baumarkt Sämereien und jeder Drogerie-Discounter Vogelfutter anbietet? Letzteres wird bei Rohde zum Beispiel ganzjährig in diversen Sorten eigens gemischt. „Wir haben vieles, was andere nicht haben“, begründet Rohde die Beständigkeit. Und: „Wir hören unseren Kunden zu und nehmen ins Sortiment, was diese wollen.“

Das beschränkt sich nicht nur auf Artikel rund um den Garten. In der Wintersaison, wenn wenig zu tun ist, ergänzen Rodelschlitten, eine Fülle prächtiger Weihnachts-Leuchtsterne und weitere winterliche Deko-Artikel das Sortiment im Laden. Auch mit solchen Angeboten lassen sich die Kunden der 175 Jahre alten Traditionsfirma gerne durch die Jahreszeiten begleiten.

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