Anwohner leiden unter illegaler Prostitution - Kondome liegen herum

Schillerviertel: Sex-Dienste im Hinterhof

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Nicht alle bieten sich auf dem legalen Strich an: Prostituierte bieten sich auch in den Seitenstraßen der Wolfhager Straße Freiern an. Das ist verboten. Unser Foto entstand an der Wolfhager Straße.

Seitdem der legale Straßenstrich an der Wolfhager Straße verkleinert worden ist, gibt es Wirbel um die Prostitution in Kassel.

Ortsbeirat und einige Anlieger sind mit dem Neuzuschnitt nicht einverstanden. Auch das Problem der illegalen Prostitution ist dabei neu in die Diskussion gekommen. Denn auch im angrenzenden Schillerviertel bieten Prostituierte immer wieder ihre Dienste an. Alle Bereiche jenseits des legalen Strichs gehören zum Sperrbezirk, in dem die Straßenprostitution untersagt ist.

Die Frauen zögen sich mit den Freiern immer wieder in den Hinterhof ihres Hauses an der Rothenditmolder Straße zurück, um dort zwischen Autos ihre Sex-Dienste abzuwickeln, schildert eine Vermieterin der HNA. „Meine Mieter halten ab 20 Uhr die Fenster geschlossen, weil sie das nicht mehr hören wollen.“ Im Hof lägen häufig benutzte Kondome herum.

Die Vermieterin befürchtet, dass die Probleme durch die Verkürzung des Straßenstrichs noch zunehmen. Direkt um die Ecke ihres Hauses liegt an der Wolfhager Straße ein Bordell. Durch die Verkürzung des legalen Strichs befindet sich dieses jetzt auch im Sperrbezirk. Statt bis zum legalen Bereich weiterzugehen, um mit Freiern ins Geschäft zu kommen, „verschwinden die jetzt in den Seitenstraßen“, vermutet die 48-Jährige.

Auch auf dem Parkplatz der Arnold-Bode-Schule an der Schillerstraße müsse der Hausmeister morgens öfter Kondome einsammeln, berichtet Schulleiter Harald Wellnitz. Abgesehen davon fühle man sich durch die Prostitution nicht beeinträchtigt. „Es hat sich noch nie ein Schüler oder Lehrer bei mir beschwert.“

Konsequentere Kontrollen des Prostitutionsverbots im Sperrbezirk fordert hingegen Matthias Krieger von der Firma Krieger + Schramm, die im kommenden Jahr an der Sickingenstraße ein Studentenwohnheim mit 100 Plätzen eröffnet. Direkt an der Baustelle seien teilweise schon am helllichten Tag Prostituierte mit Freiern zu beobachten, sagt der Bauunternehmer. „Wenn es nicht gelingt, das Sperrgebiet sauber zu machen, kommt das Viertel nicht nach oben.“

Matthias Krieger

Krieger will dafür kämpfen, dass die Wolfhager Straße komplett vom Strich befreit wird und die Prostitution inklusive der Bordelle in den Westring verlagert wird. „Wir müssen eine Lösung finden, bei der die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden.“ Das bedeute, dass man auch die Bordellbesitzer bei einer Umstrukturierung einbinden müsse. Seine Aufforderung hat er auch dem Rathaus schon geschickt.

Auch der Ortsbeirat hat die Stadt aufgefordert, noch mal neu über den Zuschnitt des Straßenstrichs zu diskutieren. Die Entscheidung über die Verkürzung des Bereichs an der Wolfhager Straße war getroffen worden, ohne die Stadtteilvertreter einzubeziehen.

Straßenstrich verkleinert

Auf Initiative der Stadt Kassel ist Ende April der legale Straßenstrich an der Wolfhager Straße verkleinert worden. Dafür ist die Sperrgebietsverordnung vom zuständigen Regierungspräsidium geändert worden. Als Sperrbezirk bezeichnet man das Gebiet, in dem Prostitution verboten ist.

Die Straßenprostitution ist demnach nur noch in drei Bereichen zulässig: an der Wolfhager Straße zwischen Hoffmann-von-Fallersleben-Straße und Erzbergerstraße (vorher bis Reuterstraße), am Westring unverändert von der Wolfhager Straße bis zum Knick vor der Einmündung Holländische Straße und an der Schillerstraße von der Joseph-Beuys-Straße bis zur Uferstraße (vorher nur bis zur Brandaustraße)

Das sagt die Ordnungsbehörde: Streifengänge und Aufenthaltsverbote

Ordnungspolizeibeamte der Stadt Kassel unternehmen "nahezu täglich" zu unterschiedlichen Zeiten und gegebenenfalls mehrfach am Tag Streifengänge im Schillerviertel, berichtet Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich. Würden Frauen angetroffen, die außerhalb der erlaubten Bereiche der Prostitution nachgehen, ahnde man die Verstöße mit einem Bußgeld (in der Regel 150 Euro). Im wiederholten Fall werde Strafanzeige wegen Verdachts der illegalen Prostitution erstattet.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Betroffenen ein Aufenthaltsverbot auszusprechen, wenn der Verdacht einer Straftat (Ausübung illegaler Prostitution ) besteht. Ein Aufenthaltsverbot komme nur dann in Betracht, wenn die Frau innerhalb kurzer Zeit mehrfach bei der Ausübung der Prostitution im Sperrbezirk auffällig wird. Aufenthaltsverbote dürfen das Ordnungsamt und die Polizei verhängen.

Originär sei das Ordnungsamt für die Kontrollen und gegebenenfalls das Erteilen von Platzverweisen zuständig, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Im Rahmen des polizeilichen Streifendiensts sowie außerhalb der Dienstzeiten des Ordnungsamts ahnde aber auch die Polizei Verstöße gegen die Sperrgebietsverordnung.

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