Sanierung zu teuer?

Schleuse weiter unter Druck: Ende 2016 soll Schluss sein

Zukunft ungewiss: Ob die Stadtschleuse erhalten bleibt, ist immer noch unklar. Archivfoto: Schachtschneider / Charterflug Knabe

Kassel. Wenn die Kasseler Stadtschleuse am heutigen 1. April wieder in Betrieb geht, könnte es die vorletzte Saison für das über 100 Jahre alte Bauwerk sein.

Ende 2016 werde die alte Schleuse geschlossen, stellt die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Hann. Münden, Katrin Urbitsch, noch einmal klar. Laut einem Gutachten könne ein sicherer Schleusenbetrieb ab dann nicht mehr gewährleistet werden.

Informiert wurde darüber bereits die Fahrgastschifffahrt Söllner. Chefin Karola Söllner ist bestürzt: „Wie es dann mit uns weitergehen soll, weiß ich wirklich nicht.“ Mit Fahrten flussabwärts ins Fuldatal wäre es dann vorbei. Karola Söllner: „2016 wird unser Betrieb 50 Jahre alt. Und ausgerechnet dann soll es aus sein.“ Das muss aber nicht sein. Denn: Eine Sanierung der Schleuse mit einem Einbau einer neuen Schleusenkammer würde zwar sechs Millionen Euro kosten. Die Bundesregierung hat jetzt dafür in den Bundeshaushalt aber immerhin drei Millionen Euro eingestellt.

Für Jan Hörmann, Vorsitzender des Zweckverbandes Kasseler Sportschifffahrt, ist das zunächst eine gute Nachricht. „Mit drei Millionen kann man doch schon was anfangen. Da kann man drauf aufbauen.“ Denn bisher habe der Bund die Linie gefahren: Von uns gibt es nichts.

So funktioniert die Kasseler Schleuse

So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das mögliche Ende der Kasseler Schleuse im Jahr 2016 hat für große Aufregung gesorgt. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Die dramatischen Konsequenzen haben viele überrascht - und manch einer mag sich fragen: Wie funktioniert eine Schleuse? Wozu ist sie überhaupt da? © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Eine Schleuse ist dazu da, damit ein für die Schifffahrt aufgestauter Fluss von Booten befahren werden kann. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Ohne Staustufen würde sich die Fulda durch das große Gefälle von der Quelle bis zur Weser in einen ziemlich reißenden Fluss verwandeln. Um den Fluss zu verlangsamen und schiffbar zu machen, wurden Staustufen gebaut. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Die können Schiffe aber nur durch Schleusen passieren, die den Höhenunterschied überwinden. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das funktioniert so: Nehmen wir an, wir fahren mit einem Boot von Kassel nach Hann. Münden. Die Kasseler Schleuse ist mit Wasser gefüllt. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das Tor ist offen, die Ampel vor der Schleusenkammer steht auf Grün - wir dürfen also einfahren. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Ist das Boot in der Schleuse festgemacht, schließt der Schleusenwärter das Tor, durch das wir eingefahren sind. Das Tor am anderen Ende ist zu. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Dann beginnt der Schleusenwärter das Wasser in der Schleuse abzulassen - schließlich müssen wir auf das Wasserniveau kommen, das vor der Schleuse Richtung Hann. Münden herrscht. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Der Schleusenwärter setzt per Knopfdruck also einen Elektromotor in Gang, der sogenannte Schütze oder Schieber öffnet. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das Wasser aus der Schleuse strömt durch Öffnung hinaus, wir schweben sozusagen mit unserem Boot auf dem Wasser in die Tiefe. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Hat das Wasser in der Schleuse das Höhenniveau des Wassers der Fulda Richtung Münden erreicht, öffnet der Schleusenwärter wieder per Knopfdruck das Tor. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Wir können hinaus. In umgekehrter Richtung funktioniert es ähnlich. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Genau 2,80 Meter Höhenunterschied werden so durch die Kasseler Schleuse überwunden. Weiter flussabwärts in Wahnhausen sind es über acht Meter. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Eine Schleusung dauert in Kassel etwa zehn Minuten. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Wie rege die Schleuse benutzt wird, zeigen Zahlen aus dem letzten Jahr: Bei 3378 Schleusungen wurden 5079 Kleinboote gezählt, die die Schleuse passierten. Dazu kamen 800 Fahrten der Ausflugsdampfer. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Freizeitkapitäne müssen dabei immer die Berufsschifffahrt, also die Ausflugsdampfer, vorlassen. © Koch/HNA

Die restlichen drei Millionen Euro für eine vollständige Sanierung können aber nicht von der Stadt Kassel kommen. Das hatte Oberbürgermeister Bertram Hilgen mehrfach erklärt. Er lehnt das ab, weil nach Auffassung der Stadt der Bund für den Betrieb der Schleuse und also auch für eine Sanierung zuständig sei. Auch die laufenden Kosten müsse der Bund tragen. Die Stadt beruft sich dabei auf einen 1952 geschlossenen Vertrag zwischen Stadt und Bund und die damals festgelegten Unterhaltsverpflichtungen, die auch den Betrieb, die Bedienung und die Unterhaltung der Schifffahrtsschleuse umfassten. Der Bund sieht das aber anders.

Die Stadt Kassel und das Land Hessen lassen nicht locker, um die Zukunft der Kasseler Schleuse zu sichern. Sowohl Oberbürgermeister Bertram Hilgen als auch die hessische Justizministerin und Kasseler CDU-Chefin Eva Kühne-Hörmann sind zurzeit mit dem Verkehrsministerium in Berlin im Gespräch. (hei)

Archivvideo: So funktioniert die Schleuse

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