Second-Hand-Laden

Second-Hand-Laden "Sprungbrett" in Kassel: Unikate aus der Nähwerkstatt

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Gesichter des Sprungbretts (von links): Frauke Wiegand und Simone Ziegenbein vom Diakonischen Werk, Hannelore Wieddekind, ehrenamtliche Mitarbeiterin, Sylvia Port, Teilnehmerin am Programm für Langzeitarbeitslose) und Angelika Vialon, Leiterin des Diakonischen Werks Hofgeismar-Wolfhagen.

Kassel. Retro-Jacken, selbst genähte Taschen und Designerstücke – all das findet man im „Sprungbrett“, dem Second-Hand-Laden des Diakonischen Werks in der Hermannstraße 6.

In der dazugehörigen Textilwerkstatt nähen Langzeitarbeitslose Taschen, Utensilos und Kinderbekleidung. Neben den selbst genähten Sachen werden im „Sprungbrett“ auch gespendete Kleidung, Schuhe, Geschirr, Bettwäsche und Handtücher zum kleinen Preis verkauft.

Das Konzept

Neben zwei Mitarbeiterinnen vom Diakonischen Werk arbeiten im „Sprungbrett“ sieben Langzeitarbeitslose. Sie fertigen die unterschiedlichsten Artikel in der Textilwerkstatt an. Zusätzlich helfen drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Laden mit. Von dem Erlös wird Miete und Personal bezahlt. Das Diakonische Werk bietet einen Berechtigungsschein an. Mit diesem bekommen Geringverdiener im Kleiderladen und bei der „Gesegneten Mahlzeit“, einer Tafel direkt nebenan, Rabatte. Für ein Mittagessen zahlen sie nur zwei Euro. Auf Second-Hand-Artikel bis zehn Euro bekommen sie 50 Prozent Rabatt.

Die Idee

Bis 1993 war der heutige „Sprungbrett“-Laden eine Kleiderkammer, die einmal die Woche für Bedürftige geöffnet hatte. Dann wurde er zu einem Second-Hand-Laden umgewandelt und 2016 kam im Zuge einer Renovierung die Textilwerkstatt hinzu. Einen zweiten Second-Hand-Laden mit Buchcafé als Treffpunkt betreibt das Diakonische Werk im Steinweg 5.

Die Atmosphäre

Der Laden lebt durch sein familiäres Klima. Neue Gesichter sind neben den vielen Stammkunden immer willkommen, sagt Simone Ziegenbein vom Diakonischen Werk, die Näharbeiten in der Textilwerkstatt anleitet. Neulich hätte eine Kundin sogar ein Geschenk für eine der Mitarbeiterinnen vorbeigebracht.

Das Günstigste

Kleinere Artikel wie Socken und Ohrringe kann man im „Sprungbrett“ schon ab 20 Cent erwerben.

Das Teuerste

Die großen Modelle der selbst genähten Taschen kosten bis zu vierzig Euro. „Jedes Teil ist ein Unikat“, sagt Angelika Vialon, Leiterin des Diakonischen Werks Hofgeismar-Wolfhagen. Bei Second-Hand-Ware liegt die Obergrenze – ohne Rabatt – bei zwölf Euro, auch für hochwertige Lederartikel.

Das Kurioseste

Bis vor Kurzem stand noch ein BVB-Rucksack aus dem Jahr 1960 zum Verkauf, der allerdings kürzlich für 35 Euro erworben worden sei.

Für betuchtere Kunden bestehe immer die Möglichkeit, mehr als den regulären Preis zu zahlen, sagt Frauke Wiegand vom Diakonischen Werk. Bleibt als Kuriosum eine Badekappe mit roten Silikon-Blumen, ebenfalls aus den 60er-Jahren. Sie ist eins der Lieblingstücke von Simone Ziegenbein und wird für einen Euro angeboten, dürfe aber auch gerne als Ladenhüter noch etwas da bleiben, sagt Ziegenbein mit einem Augenzwinkern.

Der Dauerbrenner

Vor allem bei jungen Leuten sind Retro-Trainingsjacken bekannter Sportartikelhersteller sehr begehrt. Auch Designerstücke von Marken wie Joop oder Kenzo werden gut verkauft.

Der Ladenhüter

Weniger gut verkauft werden Kinder- und Babyartikel. Das habe zum einen den Grund, dass es nicht genug Platz gibt, um das gesamte Sortiment zu präsentieren, und zum anderen wüssten viele Leute gar nicht, dass der Laden Baby-Kleidung führt, sagt Wiegand.

Die Kundschaft

Rentner, Studenten und Schüler stöbern täglich die Kleiderstange durch. Gegen Vorlage eines Schüler- oder Studentenausweises bekommt man im „Sprungbrett“ ebenfalls Rabatt.

Sprungbrett, Hermannstraße 6, Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Freitag von 10 Uhr bis 14 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 10 Uhr bis 16 Uhr.

In unserer Second-Hand-Serie haben wir im Kontaktladen, bei Second Hand Schmidt-Hutten, im Zweipunktnull, im Regal und im Coco vorbeigeschaut. 

Von Mariel Blieffert

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