Kurz nach dem 1. Weltkrieg

Seit 1919 Sport am Fuldastrand: 100 Jahre Wassersportvereinigung Cassel

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Da war der Verein noch jung: Kurz nach der Gründung der WVC im Jahr 1919 entstand diese Aufnahme im damaligen Flussbad Gerhart an der Fulda. 

Die Wassersportvereinigung Cassel (WVC) ist eine feste Größe im Kasseler Sport. Vor 100 Jahren wurde der Verein gegründet.

Als die Wassersportvereinigung Cassel im Jahr 1919 gegründet wurde, war der 1. Weltkrieg noch nicht lange vorbei. Vom Krieg wollten die 16 Gründungsmitglieder erst mal nichts mehr wissen. Wasserport auf der Fulda und frische Luft, das war damals das Kontrastprogramm. Innerhalb weniger Jahre wuchs die Anzahl der Mitglieder rasant auf 1100 an. „Unser Verein war nie wieder so groß wie damals“, sagt Axel Dietrich, der aktuelle Vorsitzende. Heute feiern 600 Mitglieder das 100-jährige Bestehen der WVC.

Eine wichtige Etappe der frühen Jahre war der Bau des eigenen Vereinsheims am Fuldaufer. In Eigenleistung wurde das Gebäude hochgezogen. Damals ahnte noch niemand, dass es in der ursprünglichen Form nicht lange stehen würde. Im 2. Weltkrieg wurde es bei einem Bombenangriff schwer beschädigt.

Boote Marke Eigenbau: Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1929.

Heute erinnert eine Gedenktafel an der Außenmauer an das dunkelste Kapitel in der Geschichte des Vereinsheims. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, machte sich die SS in dem Gebäude am Auedamm breit. Der Arbeitersportverein WVC wurde aufgelöst. 

In der Vereinschronik gibt es ein heimlich aufgenommenes Foto aus dieser Zeit. Darauf sind ehemalige Vereinsmitglieder bei einem verbotenen Treffen am Fuldaufer ein Stück flussabwärts zu sehen. Während der NS-Zeit verschleppte die SS ab 1933 unter anderem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter in das Gebäude am Fuldaufer. 

Menschen sind hier zu Tode gekommen

Dort wurden sie verprügelt und gefoltert. „Hier sind Menschen zu Tode gekommen, das werden wir nicht vergessen“, sagt Axel Dietrich. Zur Geschichte des Gebäudes gehört, dass es die SS 1938 an die Marine-Hitler-Jugend übergeben hat.

Nach der schweren Beschädigung im Krieg dauerte es einige Jahre bis zum Wiederaufbau. Der Verein gründete sich 1948 zum zweiten Mal und hatte seine Schwerpunkte im Schwimmen sowie im Kanurennsport. Mehrfach habe man Starter bei Deutschen und internationalen Meisterschaften gestellt.

Auch Handball wurde bei der WVC lange gespielt. Wichtiger als sportliche Höchstleistungen seien oft die kleinen Erfolge. „Wir haben hier sehr erfahrene Übungsleiter, die den Kindern ganz langsam und geduldig das Schwimmen beibringen“, sagt Dietrich. 

In Eigenleistung gebaut: So sah das Vereinshaus im Jahr 1924 aus:

Zudem zeichne es den Verein aus, dass die Freizeitkanuten auch Angebote für Menschen mit Behinderung machen. Für die sportliche Inklusion wurde der Verein vor zwei Jahren mit dem renommierten Heinz-Lindner-Preis des Landessportbundes ausgezeichnet.

100 Jahre WVC: Die neue Terrasse ist das Dach des Bootshauses

Das griechische Restaurant Molos am Auedamm ist eine beliebte Adresse. Die Besucher können seit diesem Sommer von einer erhöhten Terrasse einen herrlichen Blick auf die Fulda genießen. Erst vor Kurzem ist sie fertig geworden. „Das ist im Prinzip das Dach für unser neues Bootshaus“, sagt Matthias Grund, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein zuständig ist. In Absprache mit dem Wirt und Pächter des Lokals baue der Verein hier eine dringend benötigte Erweiterungsfläche.

Gerade erst fertig geworden: Die Terrasse des Restaurants Molos ist gleichzeitig das Dach für eine Erweiterung. Hier sollen demnächst Boote untergestellt werden.

Rund 250 000 Euro wird es kosten, die trockene und sichere Unterstellmöglichkeiten für zahlreiche Boote des Vereins zu schaffen. Die sind bisher noch in Katakomben am Hang des Auebads sowie im Keller des Vereinsheims untergebracht. Finanziell unterstützt wird die WVC beim Neubau von der Stadt Kassel und dem Land.

Der Verein ist im 100. Jahr des Bestehens in mehreren Sparten aktiv.

Kanu: Die Leistungssportler mit professionellen Trainern nehmen an deutschen und internationalen Meisterschaften teil. Es gibt zudem Angebote für Freizeit- und Wanderkanuten. Außerdem vermittelt der Verein Anfängern Fertigkeiten im auch auf der Fulda immer beliebteren Stand-up-Paddeln.

Triathlon: Die WVC-Teams waren früher bis zur 2. Bundesliga aktiv und starten heute in den Hessenligen, außerdem ist der Verein ein Zentrum für Nachwuchstriathleten.

Früher hat der Verein auch einen eigenen Triathlon als Hessenmeisterschaft angeboten. Heute fehlt dafür eine genehmigte Radstrecke. Zudem könne man auf der verschlammten Regattastrecke keine Wettbewerbe austragen.

Ballsport: Es gibt Mannschaften, die Volleyball und Basketball spielen, aber nicht am Ligabetrieb teilnehmen. Hier geht es ausschließlich um den Freizeitsport, die lange Zeit erfolgreiche Handballabteilung gibt es nicht mehr.

Schwimmen: Ohne Leistungsdruck und ohne Wettkämpfe lernen die Jüngsten bei der WVC das Schwimmen. Dafür wird unter anderem das Lehrschwimmbecken des Wilhelmsgymnasiums genutzt, das nach einem Brand erst wieder repariert werden muss. Der Verein kooperiert mit der Herderschule, der Grundschule Waldau und der Schmorellschule.

Jederfrauen und Jedermänner: Mit Turnübungen, bei denen der Spaß nicht zu kurz kommt, halten sich die etwas Älteren im Verein fit. Sie treffen sich in der Friedrich-Wöhler-Schule.

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