Problem für Geh- und Sehbehinderte

Nur 15 Sekunden Grün für Fußgänger an Ampel am Fridericianum

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Bei Rot über die Straße: Bei der Ampel am Fridericianum an der Steinweg müssen sich die Fußgänger beeilen. Denn die Grünphase ist an dieser Stelle kürzer als an anderen Ampeln entlang der Brüderstraße und des Steinwegs.

Kassel. An der Ampel am Fridericianum müssen Fußgänger schnell sein: 15 Sekunden bleiben ihnen, um die sechs Fahrspuren am Steinweg und damit 23,7 Meter zu bewältigen. „Grün“ zeigt die Ampel dabei auf den letzten Metern selten an.

Menschen, die langsamer laufen, müssen auf der Mittelinsel stehen bleiben und warten.

 Viele Fußgänger wundern sich: Ist die Ampel falsch geschaltet? Denn es geht auch anders, wie die Ampel an der Markthalle/Renthof an der Brüderstraße zeigt. Für die sechs Spuren sind für Fußgänger in der Spitze bis zu 24 Sekunden Grünphase vorgesehen – neun Sekunden mehr für einen kürzeren Weg (22 Meter länge).

Regiowiki-Eintrag zum Fridericianum

Dem Sozialverband VdK-Mitte ist die Ampel am Fridericianum schon negativ aufgefallen. „Mir haben mehrere Mitglieder davon berichtet“, sagt Vorstandsvorsitzende Christa Witrin. Der VdK-Mitte wünsche sich, dass die Grünphase verlängert wird, sagt Witrin. „Zu wenig Zeit bedeutet Stress für Menschen, die Geh- oder Sehbehinderungen haben“, sagt auch Uwe Frevert vom Verein zur Förderung der Autonomie Behinderter. Das erhöhe die Unfallgefahr.

„Es wäre mal wieder an der Zeit, das zu überprüfen“, sagt Bernd Noll, Leiter der Verkehrssteuerung im Kasseler Rathaus. Im Sommer werde das ohnehin der Fall sein. Dann sollen die zwei Ampelanlagen am Steinweg ersetzt und auch das Verkehrskonzept überdacht werden, sagt Noll.

Grundsätzlich ist die Regelung nach Angaben von Noll so: Die Verkehrssteuerung der Stadt entscheidet, wie lange eine Ampel grün schaltet. Berücksichtigt werden dabei örtliche Gegebenheiten und der fließende Verkehr. „Es ist die Suche nach dem Kompromiss“, sagt Noll. Dabei richten sich die Zuständigen nach den bundesweiten Richtlinien für Ampeln. „In Kassel haben wir im Vergleich zu anderen Städten lange Grünphasen“, sagt Noll. Außerdem müsse Folgendes berücksichtigt werden: Die Zeit, die die Fußgänger zum Passieren der Straße haben, besteht nicht nur aus der Grünphase. Es gibt die sogenannte Räumzeit. In der hat die Ampel auf Rot geschaltet, der Fußgänger kann in Ruhe die Straße verlassen, weil der Autoverkehr noch keine freie Fahrt bekommen hat.

Im Umkehrschluss heißt das meistens: Rot auf den letzten Metern. Das macht auch ein Rechenbeispiel deutlich. Der Steinweg ist an der Ampel am Fridericianum 23,7 Meter breit. Die Grünzeit liegt im Schnitt bei 15 Sekunden. Bei der Schrittgeschwindigkeit einer Person werden 1,5 Meter pro Sekunde zu Grunde gelegt: Macht 22,5 Meter. Damit läuft man automatisch einen Meter in der Rotphase. Auf Höhe der Ampel der Martkhalle/Renthof sei die Grünphase dagegen länger, weil es dort bis vor kurzem ein Altersheim gegeben habe, sagte Noll.

Von Max Holscher

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