Sonderausstellung

Sexpedition ins Tierreich im Naturkundemuseum

Kassel. Die neue Ausstellung „Sex und Evolution" im Naturkundemuseum zielt nicht nur unter die Gürtellinie - sondern auch unters Fell, Gefieder und den Schildkrötenpanzer. Wie machen es Hase, Igel & Co.?

Diesen und anderen Fragen zum Paarungsverhalten und zur Partnerwahl bei Tier und Mensch widmet sich die Ausstellung. Seriöse wissenschaftliche Fakten sind dort in unterhaltsamer Weise verpackt. Eine Altersbeschränkung gibt es nicht.

Gleich am Eingang steht der Besucher vor einem Zelt, in dem ein Pärchen dem Liebesspiel frönt. Neben dem Zelt hockt ein Igelpaar, das es dem Paar im Zelt nachtut. Die Szene wird vom Klapperstorch beäugt. In ähnlich spielerischer Weise sind auch die anderen Exponate der Schau inszeniert. Diese sind zum Teil eine Leihgabe des Naturkundemuseums Münster, wurden aber von den Kasselern ganz neu in Szene gesetzt.

„Wie weit geht man, was zeigt man? Vor dieser Frage standen wir bei der Konzeption dieser Ausstellung“, sagte Museumsleiter Dr. Kai Füldner bei der Vorstellung. Die Kasseler haben den Mittelweg gewählt: So sind nackte Menschen und Neandertaler zu sehen - und auch ein 1,56 Meter langer Walpenis - aber zu anstößig wird es nicht.

Die Schau schneidet viele Facetten des Themas an: Angefangen vom biologischen Sinn des Sex, der Fortpflanzung, über unterschiedliche Praktiken im Tierreich bis hin zu Geschlechterrollen und Partnerwahl. So kann der Besucher viele Erkenntnisse mitnehmen: Zum Beispiel, dass die Männchen im Tierreich in den meisten Fällen schöner sind als die Weibchen. „Die müssen mehr Aufsehen um sich machen“, so Füldner. Zudem erfährt man etwas über Zwitterwesen: Dazu zählen Schnecken und Würmer, die beide Geschlechter haben und erst beim Sexakt austragen, wer Männchen und Weibchen sein darf. Aber auch Homosexualität im Tierreich wird thematisiert, wie sie etwa bei Delfinen zu finden ist.

Viel Raum ist auch der Partnerwahl und dem Paarungsverhalten der Menschen gewidmet. So werden auf Bildschirmen unterschiedliche Tanzstile präsentiert und der Zuschauer kann bewerten, welchen er am attraktivsten findet. Ebenso wird die Wirkung von Kleidung, Statussymbolen und Pheromonen (Sexualduftstoffen) angesprochen. An einigen Stationen kann der Besucher selbst seine Geschlechterrolle hinterfragen: etwa an einem Armdrücken-Tisch.

Ausstellung "Sex und Evolution" im Naturkundemuseum

Interessant ist zu sehen, wie unterschiedlich Menschen - je nach Kultur und Zeit - mit Sexualität umgingen. Während die alten Griechen und Inder (Kamasutra um 200 bis 300 n. Chr.) freizügig waren, zeigte man sich in der Biedermeierzeit (1815-1848) zugeknöpft.

Eröffnung: Freitag, 16. Oktober, 18 Uhr. Zu sehen bis 17. April 2016. Di-Sa 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, So 10-18 Uhr. Eintritt: 4 Euro, Kinder bis 16 Jahre: 2,50 Euro.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.