Malsfeld im Jahr 1966 originalgetreu nachgebaut

Sie haben die Welt geschrumpft: Kasseler Modell-Bahn-Club wird 50

Kassel. Im Keller der Königstorschule fühlen sich auch kleine Menschen ganz groß. Denn dort hat der Modell-Bahn-Club Kassel vor 50 Jahren damit begonnen, eine Modelleisenbahnanlage aufzubauen.

Weil solche Anlagen nie fertig werden, bauen die Vereinsmitglieder bis heute daran, gestalten die Kulissen immer wieder um. Am Samstag, 19. November, feiert der Verein 50-jähriges Bestehen.

Als sich der Verein im November 1966 gründete, begannen dessen Mitglieder damit, den Ort Malsfeld (Schwalm-Eder-Kreis) aus dem Boden zu stampfen. „Der älteste Teil unserer Anlage ist der Kreuzungsbahnhof Malsfeld“, sagt Norbert Faupel, der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

In monatelanger Kleinarbeit wurde der Ort detailgetreu nachgebaut. „Bei 98 Prozent der Häuser handelt es sich um Eigenbauten“, sagt der Vereinsvorsitzende Dirk Federau. Dafür unternahmen die Mitglieder seinerzeit sogar Exkursionen in den Ort, um Bauvorlagen zu sammeln.

Noch bevor wenige Jahre später auch der Nachbarort Beiseförth entstehen sollte, entstand ein Streit innerhalb des Vereins. In den 60er- und 70er-Jahren hatten die Modellbauer einzig auf den Maßstab „Spur N“ gesetzt. Doch schon 1968 forderten Anhänger des Maßstabs „H0“, diesen im Club einzuführen. Weil die Mehrheit dies ablehnte, kam es sogar zu Vereinsaustritten.

Kleinkriminalität: Auch die Miniaturwelt kommt ohne Polizei nicht aus.

Inzwischen erstreckt sich die N-Spur-Anlage auf einer Fläche von 50 Quadratmetern. Weil die Räume im Keller der Schule nicht groß genug sind, wurden Wanddurchbrüche geschaffen, durch die die Gleise führen.

1984 schlug der Verein ein neues Kapitel auf. Hatte man sich bisher gegen H0 gewehrt, wurde nun doch eine weitere Miniaturwelt im neuen Maßstab gebaut. Auch diese Anlage, die diesmal kein 1:1-Nachbau eines realen Ortes werden sollte, ist mit viel Liebe zum Detail entstanden. Für Lokalkolorit sorgt eine Bahn mit Huskies-Schriftzug.

Mit viel Liebe zum Detail: Eines der süddeutsch anmutenden Modellbaudörfer auf der H0-Anlage.

„Mir macht das Bauen dieser Details besonders viel Spaß“, sagt Federau. So hat der Vereinsvorsitzende beispielsweise ein Stellwerk samt Innenausstattung konstruiert. Aber auch für humoristische Einstreuungen ist Platz: So sieht man den Tod mit Sense in der Hand auf’s Plumpsklo gehen und auch einen Mini-Rotlichtbezirk hat es mal gegeben. Diese wurde nach Beschwerden von Gästen aber wieder entfernt.

Idyllische Kulisse: Die Landschaften auf der 20 Quadratmeter großen H0-Anlage des Vereins sind allein der Fantasie ihrer Erbauer entsprungen.

Neben dem Modellbau im Schulkeller betreibt der Verein seit über 30 Jahren eine Miniatur-Dampfbahnanlage am Kaufunger Steinertsee. Die Steinertseebahn ist bis heute der Publikumsmagnet des Vereins, mit dem er auch sein Geld verdient. Denn auf diesen Loks können in den Sommermonaten auch echte Personen mitfahren.

Sie haben die Welt geschrumpft: Kasseler Modell-Bahn-Club wird 50

Zudem betreibt der Verein in der Königstorschule ein Museum. Besonders stolz sind die Mitglieder auf eine Spielzeugdampflok aus den 60er-Jahren vom Typ „Drache“ aus Kasseler Produktion.

Wegen Umbauarbeiten sind die Modellbahnanlagen und das Museum in der Königstorschule erst wieder ab 2018 öffentlich zu besichtigen.

Rubriklistenbild: © Foto: Ludwig

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