Population bereits kleiner geworden

So läuft am Kasseler Entenanger die Jagd auf Ratten

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Im Einsatz: Schädlingsbekämpfer Dennis Karl vom Herkules Hygieneservice hat im Auftrag der Stadt Kassel Rattengift am Entenanger ausgelegt. Die Köder sind in Boxen gelagert, damit Haustiere nicht in Kontakt damit kommen. Links ein Rattenloch.

Kassel. Seit vergangenem Herbst geht es den Ratten am Entenanger ans Fell: Schädlingsbekämpfer Dennis Karl vom Kasseler Herkules Hygieneservice wurde von der Stadt mit der Aufgabe betraut, die Ratten zu töten.

Anwohner hatten die Nager vermehrt gesichtet und sich an die Stadt gewandt. „Das war hier wirklich massiv. Inzwischen ist die Population aber deutlich gesunken“, sagt Karl. Die Rattenköder würden deutlich seltener angefressen und viele der Rattenlöcher, die überall am Entenanger zu sehen sind, würden nicht mehr genutzt.

Ein Grund für die große Population am Entenanger sei der dortige Müllcontainerplatz. Dort stehen zwar nur Altglas- und Altpapiercontainer, aber auch diese würden von den Tieren angesteuert. „Zuckerhaltige Flüssigkeiten rund um den Altglascontainer sind für die Ratten interessant“, sagt Karl. Zudem werde offenbar häufig auch Restmüll in den Altpapierbehältern entsorgt. Die Nagespuren an der Gummilippe der Container beweisen dies.

Locken Ratten: Offen stehende Mülltonnen am Entenanger.

Um die Ratten zu bekämpfen, hat der Experte Boxen mit Rattenködern aufgestellt. Die am Boden montierten Kisten sind fest verschlossen, damit Haustiere und Kinder nicht in Kontakt mit dem Rattengift kommen. Die Köder, die nach Vanille oder Schokolade schmecken, sind mit einem Wirkstoff präpariert. Dieser sorgt dafür, dass die Tiere innerhalb von drei bis fünf Tagen innerlich verbluten. Nur solche Mittel sind zugelassen. „Es ist wichtig, dass die Tiere nicht neben dem Köder sterben, sonst würden andere Ratten abgeschreckt. Die Tiere sind intelligent“, sagt Karl. Neben dem Entenanger habe er oft Einsätze an der Holländischen Straße und am Fuldaufer.

Ein Rattenloch.

Die durch Ratten verursachten Risiken dürften nicht unterschätzt werden, warnt das Gesundheitsamt der Region Kassel. „Von Ratten gehen mehrere Gefahren aus“, sagt der stellvertretende Amtsleiter Dr. Markus Schimmelpfennig. Es seien sogar Einzelfälle in Deutschland bekannt, in denen eine Hantaviren-Übertragung durch Ratten tödlich verlaufen sei. Deshalb sei es wichtig, die Wildratten in den Großstädten zu bekämpfen.

Es gebe unterschiedliche Wege, wie Ratten als Krankheitsüberträger auf den Menschen fungierten. „Wenn sie beißen, können Keime aus der Mundhöhle in die Wunde eintreten. Aber auch über Kot und Urin von Ratten können sich Menschen infizieren“, sagt der Mediziner.

Markus Schimmelpfennig

Wenn Rattenkot zu Staub zerfalle und von Menschen weggekehrt werde, könnten Erreger in Mund und Atemwege gelangen. Selbst in getrocknetem Zustand sind etwa Hantaviren noch ansteckend. Der Krankheitsverlauf sei unterschiedlich und reiche von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu schwer verlaufendem hämorrhagischen Fieber. In Einzelfällen könne dies zum Tod führen.

Zudem könnten Ratten Darmkeime übertragen oder auch Leptospirose. Bei dieser Infektionskrankheit seien schwere gelbsuchartige Verläufe mit einer Schädigung von Nieren und Leber zu beobachten.

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