Später Ruhm mit Reimen

Kasseler Autorin Pflock hat Leander-Kinderbuch-Literaturpreis bekommen

Ausgezeichnet: Rosel Pflock (85) verfasst seit Jahrzehnten Kinder-Verse. Jetzt erhielt sie dafür einen Literaturpreis. Fotos: Hein

Kassel. „Für die heutige Zeit bin ich etwas altmodisch“, sagt Rosel Pflock und ihre angenehme Alt-Stimme klingt noch nach, während sie in feine Porzellantassen Tee einschenkt und ihrem Gast Kekse serviert.

Zu ihrem Altmodisch-Sein gehört, dass die 85-jährige Autorin gerne perlende Kinderreime schmiedet. Ein Talent, für das sie jetzt mit dem Heidelberger Leander-Kinderbuch-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Genau gesagt für ihre Übertragung der Kinderbücher des Japaners Kazuo Iwamura - nicht etwa in Prosa, sondern in Versform.

Der „Heidelberger Leander“ wird an Autoren und Illustratoren verliehen, die sich besonders der Leseförderung verdient gemacht haben. „Es ist mein erster und mein letzter Preis“, sagt die Künstlerin mit einem Augenzwinkern.

Seit den 1980er-Jahren feilt Rosel Pflock an ihren Reimen. Inzwischen hat der Züricher Nordsüd-Verlag die insgesamt zwei Dutzend Bücher Iwamuras mit den Pflockschen Reimen neu aufgelegt. Und so fahren die Geschichten von den drei Eichhörnchen Matz, Fatz und Lisettchen in der inzwischen 7. Auflage erneut auf einem Erfolgskurs.

Als junge Frau stand Rosel Pflock in der Richard-Strauß-Oper Ariadne auf Naxos in der Rolle des Komponisten auf der Bühne. Die Aufnahme entstand 1955 in Biel-Solothurn/ Schweiz.

„Ihre liebevollen und klugen Texte fordern heraus zu genauem Hinsehen, Sich-Erinnern, Nacherzählen“, heißt es in der Laudatio. „Und die Mäulchen stehen nicht still, weil jeder was erzählen will. Solche Verse begleiten uns das ganze Leben“, heißt es weiter.

Eigentlich ist Rosel Pflock Sängerin und lebt in einer lupenreinen Musikerfamilie. Ehemann Ernst spielte im Staatstheaterorchester das Cello und auch die beiden Söhne und die drei Enkelkinder führen die musikalische Linie weiter. 20 Jahre lang hat Rosel Pflock im Kasseler Vocalensemble von Klaus-Martin Ziegler gesungen. Mit den Eltern war sie aus Schlesien geflohen. „Wir haben in widrigsten Verhältnissen immer die Musik hoch gehalten, sie hat uns Trost und Hoffnung gespendet“, sagt sie. Und in Reimen sei ja auch Musik, sagt Rosel Pflock. In bewegten Zeiten friedliche Gegenwelten schaffen, das ist eines ihrer Anliegen.

Zum Schreiben hat sie ihre verstorbene Freundin, die Schriftstellerin Christine Brückner gebracht. „Ich habe da eine begabte Freundin“, hatte sie Rosel Pflock dem Verlag für die Übersetzungen einst empfohlen. Reime seien bereits damals unmodern gewesen. Aber genau das sei die Herausforderung gewesen. „Kinder reagieren stark auf Reime“, ist Rosel Pflock überzeugt. Der Leander-Preis dürfte sie in dieser Ansicht bestärkt haben. Es sei nur eine kleine Welt, die sie beschreibe, sagt sie: „Eine Welt für die Kleinen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.