Bis zu 80.000 Besucher im Bergpark

Spektakuläre Auto-Duelle bis zum Jahr 1954 beim Herkules-Bergrennen 

Start zum Bergrennen. An dem Rennen in den 1920er Jahren nahm auch dieser Hanomag teil.

Ein Autorennen im Bergpark bis hoch zum Herkules, organisierte viele Jahre lang der Automobilklub Kurhessen: Das Herkules-Bergrennen. Dort starteten auch Motorsportlegenden. 

Wer heute im Bergpark zu Füßen des Herkules spazieren geht, kann sich kaum vorstellen, dass da früher Rennwagen unterwegs waren. Unter den vielen Veranstaltungen, die den Namen des Kasseler Wahrzeichens trugen, war das Herkules-Bergrennen die wohl spektakulärste. Bis zu 80.000 Zuschauer verfolgten die Rennen.

Seine Premiere hatte das Bergrennen im Jahr 1923. Die Rennstrecke führte vom Betriebshof der Straßenbahn in Wilhelmshöhe, am Schloss vorbei bis zum Aquädukt. Von dort ging es über Serpentinen bis hinauf zum Herkules. Veranstalter war der Automobilklub Kurhessen.

Start im Bergpark: Die Aufnahme entstand im Jahr 1951. Damals wurde das Rennen für Motorräder ausgetragen.

Späterer Silberpfeil-Pilot

Beim Auftakt war ein junger Mann dabei, der später eine Berühmtheit im Motorsport werden sollte. Rudolf Caracciola, der Sohn eines Weingroßhändlers, gewann 1924 das Rennen in der Tourenwagenklasse. Es gibt ein Foto (siehe rechts) , das den späteren Silberpfeil-Piloten mit dem Pokal in Herkulesform vor der Stadthalle zeigt. Zu den Teilnehmern in Kassel gehörte auch Karl Kappler, der in den 1920er Jahren mit seinem Mercedes Deutschlands erfolgreichster Rennfahrer war.

Herkulesfigur als Siegerpokal: Rudolf Caracciola präsentierte 1924 die Trophäe. Foto:  Privat/nh|

Zu den Rennsportlegenden von damals gehörten auch die Opel-Piloten Adolf Rosenberger und Carl Jörns. Sie sorgten bis 1927 dafür, dass das Herkules-Bergrennen eines der bekanntesten und wohl auch schönsten Bergrennen war. Das Rennen wurde wegen der katastrophalen Wirtschaftslage mit Massenarbeitslosigkeit und Inflation eingestellt.

Es gab allerdings eine sehr erfolgreiche Wiederbelebung. Im Jahr 1951 wurden erstmals nach dem Krieg wieder Rennen im Bergpark gefahren. An den Start gingen damals allerdings ausschließlich Motorräder. Die lieferten bis 1954 erneut spektakuläre Rennen. Als Kassel 1955 die Bundesgartenschau veranstaltete, wurde das Rennen zunächst vorläufig vom Terminplan gestrichen. Damals ahnte niemand, dass es ein halbes Jahrhundert dauern würde, bis wieder Fahrzeuge zum Herkules-Bergrennen an den Start gehen sollten.

Oldtimer-Rundfahrt: Das Herkules-Bergrennen wurde ab dem Jahr 2005 als Oldtimer-Treffen wiederbelebt. Unser Foto zeigt einen MG Baujahr. 1934. 

Die Zeiten für rasante Motorsportveranstaltungen im Bergpark waren im Jahr 2005 längst vorbei. Damals sorgte die Privatinitiative von Heinz Jordan und Dr. Dietrich Krahn mit Unterstützung des Kurhessischen Motorsportclubs für eine Wiederbelebung als Oldtimer-Rundfahrt. Ganz gemütlich tuckerten die polierten Schmuckstücke durch den Bergpark.

Grandiose Kulisse

Mittlerweile wurde die Strecke so verändert, dass sie mit dem Welterbe vereinbar ist. Bis zu 50.000 Besucher sahen sich die deutlich verlangsamte Version des Bergrennens an. Was sich nicht geändert hat, ist die grandiose Kulisse. Auch deshalb übersteigt die Zahl der Anmeldungen regelmäßig die Zahl der Startplätze. Wer heute die Serpentinen neben den Kaskaden heruntergeht, macht das auf einer früheren Rennstrecke.

In einer Serie beleuchten wir die Baugeschichte und verschiedene Lebensbereiche der Stadt.

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