Experte sieht stadtplanerische Chancen auch für Treppenstraße

Sportarena schließt ihr Kasseler Kaufhaus an der Königsstraße

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Anfang 2018 ist Schluss: Der Mutterkonzern der Sportarena will den großen Standort in Kassels Zentrum nicht weiterbetreiben.

Kassel. Der Kaufhof-Mutterkonzern HBC räumt Anfang 2018 die viergeschossige Immobilie der Sportarena an der Ecke Obere Königs- und Treppenstraße.

Der Standort in Kassel werde aufgegeben, bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der HNA.

Hintergrund ist, dass der HBC-Konzern sich nach und nach komplett von seinen Sportartikelhäusern trennt. Einige der bundesweit noch neun Sportarena-Standorte werden im Lauf der kommenden Monate in Edel-Mode-Outlets der Marke „Saks Off 5th“ umgewandelt, die hochwertige Markenkleidung aus vorigen Saisons und Überproduktionen preisgünstig verkauft. Mittelfristig sind bundesweit 40 Filialen geplant.

Kassel stehe jedoch nicht auf der Liste, sagte der Sprecher: Man habe „nach eingehender Prüfung entschieden“, dass es für das frühere Kaufhallen-Gebäude nach Januar 2018 „keine Möglichkeit für einen Weiterbetrieb gibt“. Den 19 Mitarbeitern werde ein Wechselangebot zum Kaufhof oder in eine Saks-Filiale gemacht.

Für die Immobilie in zentraler Innenstadtlage Kassels würden derzeit neue Nutzungskonzepte geprüft, hieß es. Das Gebäude gehört einer Immobiliengesellschaft des kanadischen Kaufhof-Eigentümers Hudson’s Bay Company (HBC) und ist vermietet an die Sportarena GmbH. Die wiederum hat ein Zwischengeschoss, das sich tief in die Treppenstraße hinein erstreckt, an den Schuhfilialisten Reno untervermietet.

Früher eins der großen Einkaufsziele: Die Kaufhalle gab es bis 1999 im Sportarena-Haus.

Wenn die Hauptmieterin demnächst ihren Geschäftsbetrieb einstellt, tun sich stadtgestalterische Perspektiven auf am Eingang von Deutschlands ältester Fußgängerzone, der Treppenstraße. Stadtentwicklungsforscher Prof. Uwe Altrock von der Universität Kassel sieht die Gelegenheit für ein Erneuerungskonzept mit dem Ziel, die denkmalgeschützte Meile zu beleben und für heutige Anforderungen besser nutzbar zu machen.

Seit am Hauptbahnhof keine Fernzüge mehr halten, hat das Vorzeigestück der Nachkriegs-Stadtplanung seine Funktion als Verbindungsachse eingebüßt. Die Folge: Viele Passanten meiden das Treppensteigen.

Laut Altrock kommt erschwerend hinzu, dass dort viele Ladenlokale wegen geringer Tiefen nicht wirtschaftlich für den Einzelhandel sind und dass die Freiflächen wenig Verweilcharakter haben. Am unteren Zugang zur Treppenstraße aber, mit dem Sportarena-Haus als eines der Torgebäude, seien „die Ausgangsbedingungen für die weitere Entwicklung gar nicht so schlecht“, sagt der Stadtentwicklungsforscher. Hier biete es sich etwa an, durch Zugänge von der Treppenstraße her sowie durch Außengastronomie, die die günstige Besonnung dort nutzt, für eine Belebung des Verbindungsbereichs zur Königsstraße zu sorgen.

Zum Sportarena-Haus selbst regt Altrock an, die große zusammenhängende Warenhausfläche in kleinere Einheiten aufzuteilen und sich von der „wuchtigen Vordachkonstruktion“ zugunsten einer stärkeren gestalterischen Leichtigkeit zu trennen.

Insgesamt aber brauche es ein umfassendes Konzept, um die Treppenstraße zukunftsfähig zu machen, fordert Altrock. Deutschlands erste Fußgängerzone müsse so weiterentwickelt werden, dass sie gewandelten Nutzerbedürfnissen gerecht wird und als innerstädtischer Raum an Attraktivität gewinnt, ohne ihr Profil als städtebauliches Denkmal zu verlieren.

„Die Belebung der Treppenstraße wird allerdings immer an Grenzen stoßen, was die Nutzbarkeit als Einzelhandelsstandort anbetrifft“, gibt der Stadtentwicklungsforscher zu bedenken. „Umso mehr gilt es, sie als Ergänzungsstandort für die Königstraße mit stärkerem Verweilcharakter zu profilieren.“

Hintergrund: Das war die Kaufhalle

Bis vor knapp 20 Jahren hatte der Kaufhof-Konzern in Kassels Innenstadt einen Niedrigpreis-Ableger: Das viergeschossige Eckhaus der Kaufhalle an der Oberen Königsstraße wurde 1950 eröffnet und prägt mit zwei niedrigen Anbauten auch den unteren Teil der Treppenstraße. Ebenso wie Bilka, Woolworth, Neckermann und später Karstadt war die Kaufhalle jahrzehntelang ein zentrales Kasseler Einkaufsziel, das inzwischen verschwunden ist. 1999 endete die fast 70-jährige Kaufhallen-Geschichte in Kassel. Der konzerneigene Filialist Sportarena zog als Nachfolger in das Gebäude ein,

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