Mindestens 20 Millionen Euro Kosten kalkuliert

Drohender Vorstellungsabbruch: Bühnentechnik im Kasseler Opernhaus muss saniert werden

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Blick von oben auf die Bühne: Die Bühnentechnik über der Bühne ist auch in die Jahre gekommen. Vor allem die Zugeinrichtungen für Vorhänge und Kulissen.

Im Kasseler Opernhaus hatte zuletzt immer häufiger die Bühnentechnik gestreikt. Bei einer Premiere kam es deshalb sogar fast zum Vorstellungsabbruch.

Kassel – Wenn sich die Besucher des Kasseler Opernhauses auf ihre Sessel sinken lassen und auf die Bühne schauen, sehen sie nur einen kleinen Teil des Theaterbetriebs. Unter und über der Bühne ist eine gigantische Maschinerie im Gang, damit die Vorführungen reibungslos verlaufen können. Doch zuletzt hatte die Technik immer häufiger gestreikt.

Aufführungen standen kurz vor dem Abbruch. Deshalb müssen in den nächsten Jahren mehr als 20 Millionen Euro in das Staatstheater investiert werden.

Bühnentechnik streikte während Premiere

Bei der Premiere von „Rheingold“ im vergangenen Jahr kam Georg Zingsem ins Schwitzen. Der technische Leiter des Theaters saß hinter den Kulissen mit dem Regisseur zusammen und knobelte mit ihm aus, wer dem Publikum den Abbruch verkündet. 

Denn kurz bevor sich die Bühne, auf der 100 Statisten standen, in Bewegung setzen sollte, drohte der Stillstand. „Die Anlage zeigte einen Fehler an und hatte deshalb automatisch blockiert“, erinnert sich Zingsem. 

Ein Team von Technikern hatte nicht mehr als sieben Minuten Zeit, das Problem zu lösen. In letzter Sekunde gelang es. Das Premierenpublikum von „Rheingold“, das traditionell ohne Pause gespielt wird, bemerkte von all dem nichts.

Kassel: Bühnentechnik anfällig für Störungen

Dies sei nur ein Beispiel von vielen für die Probleme. Immer wieder hätten die vier Hubpodien auf der Bühne des Opernhauses Störungen. Dadurch komme es auch im Probenbetrieb zu teils stundenlangen Leerläufen. Die Podien lassen sich über sechs Meter ausfahren: Drei Meter über die Bühne und drei Meter in die Tiefe.

 Die Technik ist störanfällig, schon bei einem minimalen Schiefstand der Hubpodien schalten diese automatisch ab. „Derzeit nutzen wir eine hydraulische Anlage. Geplant ist, auf Elektroantrieb umzustellen. Der ist präziser“, sagt Zingsem.

Die Technik macht immer wieder Probleme: Der technische Direktor des Staatstheaters, Georg Zingsem, unter den Hubpodien des Opernhauses. Diese sind insgesamt auf sechs Meter ausfahrbar.

Probleme gibt es nicht nur mit der Untermaschinerie, zu der die Hubpodien gehören, sondern auch mit der Obermaschinerie. Letztere bezeichnet die Beleuchterbrücken und 60 Zugeinrichtungen für Vorhänge und Bühnenkulissen, die über der Bühne hängen. 

Kassel: Letzte Sanierung der Bühnentechnik vor 30 Jahren

Einige der an Drahtseilen hängenden Züge wurden stillgelegt, weil sie den Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügten. So lässt sich etwa die Portalbrücke, die den Bühnenraum nach oben begrenzt, nicht mehr bewegen.

„Die letzte Sanierung der Bühnentechnik ist 30 Jahre her. Etliche Teile sind auch noch aus dem Baujahr 1959“, sagt Zingsem. Bei den jüngsten Bauarbeiten am Staatstheater, die 2007 abgeschlossen wurden, sei es nur um den Brandschutz gegangen. 

Aus seiner Sicht wäre eine Generalsanierung effektiver als jeden Bereich einzeln zu modernisieren. Dies sei aber teuer und bedeute eine mehrjährige Schließzeit.

Kassel: Instandsetzung der Bühnentechnik kostet mehr als 20 Millionen Euro

Deshalb wird nun nur die Instandsetzung der Bühnentechnik angegangen. „Dafür werden deutlich mehr als 20 Millionen Euro benötigt“, sagt Zingsem. Das Land Hessen hatte eine entsprechende Finanzierung angekündigt. 

Die Arbeiten sollen in der Spielzeit 2022/2023 stattfinden. Dafür muss das Opernhaus für ein Jahr geschlossen werden. „Der Zeitplan ist ehrgeizig. Ich gehe von 15 Monaten Bauzeit aus“, so Zingsem.

Bereits nächstes Jahr sollen erste Arbeiten beginnen. Dabei werden die Inspizientenanlage, über die im Theater kommuniziert wird, und die Brandmeldeanlage erneuert und separat aufgebaut. 

Bislang sind beide Systeme verbunden. Die zwei Millionen Euro teuren Arbeiten finden im laufenden Betrieb statt.

Florian Lutz wird neuer Intendant des Staatstheaters Kassel. Der gebürtige Kölner tritt sein Amt in Hessen zur Spielzeit 2021/2022 an und erhält zunächst einen Fünf-Jahres-Vertrag.

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