Es bleiben nur noch drei große Unterkünfte

Immer weniger Flüchtlinge: Stadt Kassel schließt vier Heime

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Flüchtlingsheim Bunsenstraße: Die nach dem „Kasseler Modell“ von der GWG errichtete Gemeinschaftsunterkunft in der Nordstadt. Die nicht mehr benötigten Flüchtlingswohnungen werden ab Mitte 2023 in reguläre Mietwohnungen umgewandelt.

Kassel. Die Stadt wird vier der sieben großen Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in Kassel in den kommenden Jahren schließen. Der Grund: Die Zahl der Asylbewerber ist stark gesunken.

Im ersten Quartal dieses Jahres waren es 69, bis Ende Juni müssen 93 Flüchtlinge in der Stadt aufgenommen werden. In Kassel leben derzeit insgesamt 1553 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften, Aufgelöst wird bereits Ende 2019 das größte Flüchtlingsheim im ehemaligen Kinderkrankenhaus Park Schönfeld mit 400 Plätzen, ebenso die Gemeinschaftsunterkunft Nordstadtquartier (Fichtner-, Oestmann- sowie Holländische Straße) mit 276 Plätzen Ende Juni 2021. 

Zudem werden die Einrichtungen an der Bunsenstraße in der Kasseler Nordstadt (174 Plätze) – der Vertrag läuft Ende Juni 2023 aus – und das Wohnheim in der alten Jägerkaserne (135 Plätze) geschlossen. Wann das sein wird, hängt von den weiteren Planungen für das städtische Areal ab. Auf dem Gelände zwischen Frankfurter,- Ludwig-Mond- sowie Bosestraße sollen insgesamt bis zu 600 weitere Wohnungen neu gebaut werden. 

Als große Gemeinschaftsunterkünfte bleiben die ehemalige Graf Haeseler-Kaserne (195 Plätze) an der Autobahn 49, die Einrichtung am Platz der Deutschen Einheit (248 Plätze) und das „Sandershaus“ in Bettenhausen an der Sandershäuser Straße (58 Plätze) erhalten. Auch von den insgesamt 48 kleineren Gemeinschaftsunterkünften im Stadtgebiet wurde bereits eine geschlossen. 

Im Landkreis Kassel sind die Flüchtlingszahlen ebenfalls gesunken. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 142 aufgenommen, derzeit leben im Kreis 1133 Menschen in 30 Gemeinschaftsunterkünften. In den vergangenen 18 Monaten hat der Kreis bereits elf Unterkünfte geschlossen, weitere sollen folgen.

Kleinwohnungen fehlen: Viele Flüchtlinge finden keine eigene Bleibe

Weniger Flüchtlinge bedeuten mehr Platz in den Wohnheimen. „Wir haben freie Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften“, sagt Kassels Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich (SPD). Deshalb könne ein Fünf-Personen-Zimmer heute von nur drei Personen genutzt werden. „Das ist auch gut so, wir wollen die Menschen gut unterbringen.“

Trotzdem plant die Stadt, wegen der zurückgehenden Flüchtlingszahlen Unterkünfte zu schließen. In den verbleibenden Wohnheimen können dann die Plätze besser ausgelastet werden. Das spart der Stadt viel Geld. „Wir werden in diesem Jahr in der Flüchtlingshilfe kostendeckend arbeiten können“, sagt die Bürgermeisterin.

Von den 1553 Flüchtlingen, die derzeit in den Kasseler Gemeinschaftsunterkünften leben, sind 1022 als Asylbewerber anerkannt. Sie bekommen vom Jobcenter oder Sozialamt die Grundsicherung für Migranten und könnten in eine eigene Wohnung ziehen. Weil Kleinwohnungen in Kassel knapp sind, finden viele Flüchtlinge aber keine eigene Bleibe.

Zudem fühlten sich gerade Alleinstehende in den Gemeinschaftsunterkünften wohl und wollten bleiben, um den Kontakt zu Landsleuten nicht zu verlieren, sagt Sozialamts-Leiterin Ute Pähns. 

Auch Familien, die zum Beispiel in der Jägerkaserne eine kleine, abgeschlossenen Wohnung haben, die zentral und nahe von Kita und Schulen gelegen und mit Bussen und Bahnen gut erreichbar ist, wollen gern bleiben und sich keine eigene Bleibe suchen. „Wir wohnen hier gut“, hören die Mitarbeiter im Sozialamt immer wieder, „wir können kaum etwas Besseres finden.“

Auch der Landkreis Kassel will nach Angaben von Sprecher Andreas Bernhard weitere Gemeinschaftsunterkünfte schließen. Derzeit gibt es noch 30 Unterkünfte, die größte davon mit zehn Häusern befindet sich in der Pommernanlage in Wolfhagen. 

Der Kreis bringt Asylbewerber in eigenen oder angemieteten Immobilien unter. Wenn Häuser leer stehen, aber der Mietvertrag noch nicht abgelaufen ist, „bemühen wir uns um Untervermietung“, sagt Bernhard, um die Kosten zu verringern. Von den 1133 Flüchtlingen, die derzeit in Gemeinschaftsunterkünften im Kreis leben, ist bei 531 der Asylanspruch bereits anerkannt, sie könnten in eine eigene Wohnung ziehen.

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