Band-Auftritte und Hintergrundklänge

City-Kaufleute klagen: Stadt lässt Musik kaum zu

So laut soll’s gar nicht werden: Den Innenstadthändlern geht es um die Möglichkeit, abends dezente musikalische Anziehungspunkte in Gastgärten und Straßencafés zu schaffen. Dieses Bläser-Ensemble war 2010 bei einer Aktion der City-Kaufleute aufgetreten. Archivfoto:  Koch

Kassel. Ab der Feierabendzeit könnte Kassels Innenstadt wesentlich belebter und attraktiver werden, wenn sich die Stadt für entsprechende Aktivitäten aufgeschlossener zeigen würde.

Das meint die Gemeinschaft der City-Kaufleute.

Vorsitzender Gerhard Jochinger sagte gegenüber der HNA, es sei praktisch unmöglich, in den Abendstunden dezente Live- oder Hintergrundmusik aufzuführen, um Innenstadtbummlern etwas zu bieten.

Das Problem hätten Betreiber von Gastgärten und Straßencafés ebenso wie die Kaufleute, wenn diese regelmäßig Einkaufsnächte und andere Events veranstalten. Mit einer „hochrestriktiven“ Genehmigungspolitik, so Jochinger, unterbinde das Ordnungsamt ab 21 Uhr jedwede Musikunterhaltung im Außenbereich. Und wenn ein Wirt für einen Abend einen Grill im Freien aufstellen wolle, werde das sogleich untersagt.

Damit untergrabe die Stadt die Bemühungen von Gastronomen und Geschäftsleuten, das abends oft nur spärlich frequentierte Zentrum attraktiver zu machen. Die City-Kaufleute würden inzwischen darauf verzichten, ihre Events mit Feuerwerken um Mitternacht abzuschließen. „Wenn zuvor stundenlang nichts mehr los ist im Freien, lohnt sich das nicht, weil kaum noch jemand zuschaut“, sagte Jochinger.

Es gehe aber nicht allein um die Interessen der Händler: „Wenn documenta ist, finden es alle toll, wenn sich die Menschen abends in der Stadt treffen und feiern.“ Zu anderen Zeiten aber zeige sich die Stadtverwaltung unflexibel.

Zu dem Anliegen der City-Kaufleute hatte die Stadt zuletzt ins Feld geführt, die Interessen von Anwohnern in puncto Lärmschutz müssten gewahrt werden. Das Thema sei sensibel, man müsse einen Mittelweg finden zwischen den Interessen der Anwohner und dem Interesse der Kaufleute, die Innenstadt zu beleben.

Nolda will Belebung

Ein solches Interesse hat aktuell Stadtbaurat Christof Nolda auch seitens der Stadt formuliert: Beim bevorstehenden Umbau der Königsstraße sei es langfristiges Ziel, die Flaniermeile „auch abends und nachts zu beleben“, sagte Nolda.

Nach Darstellung Jochingers können die City-Kaufleute einen solchen Willen der Stadt nicht erkennen. Das Ordnungsamt habe sich viele Jahre deutlich kulanter gezeigt als heute. Konflikte gebe es erst, seit vor zwei Jahren der für Veranstaltungen zuständige Günter Gropengießer in Ruhestand gegangen sei. „Der war immer für die Innenstadt“, sagte Jochinger.

Bei ihrem heutigen, strikten Kurs berufe sich die Stadt auf lange zurückliegende Magistratsbeschlüsse, die jedoch „viele Jahre niemanden interessiert hatten“. Das partnerschaftliche Miteinander sei einer Prinzipienreiterei gewichen. Jochinger: „Die Stadt hat wohl Angst, dass sich Einzelne beschweren könnten und sie dem dann nachgehen müssten. Also wird erst mal gar nichts erlaubt.“

Auch Centermanager Martin Wimberger vom City-Point sagte auf HNA-Anfrage, er finde es „sehr schade und schwer nachvollziehbar“, dass dezente Musikunterhaltung in der Innenstadt so schwer möglich sei: „Es geht doch überhaupt nicht um wilde Konzerte.“

Von Axel Schwarz

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