Tiere auf menschliche Hilfe angewiesen

Stadttaubenhilfe Kassel sucht Standorte für weitere Schläge

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Alltag im Stadtbild: Tauben auf dem Königsplatz in der Kasseler Innenstadt.

Tauben gehören zum Stadtbild. Wie schlecht es den Tieren geht, wissen allerdings nur wenige. Die Arbeitsgemeinschaft Stadttaubenhilfe sucht weitere Standorte für betreute Schläge - und rät dazu, die Tiere nicht zu vergrämen. 

Obwohl die Vögel so präsent sind, wissen viele jedoch kaum etwas über sie. Man geht den Tieren lieber aus dem Weg, da sich das Vorurteil hält, dass sie Krankheiten übertragen. „Tatsächlich sind Tauben aber auf menschliche Hilfe angewiesen“, sagt Bianca Thormann von der Arbeitsgemeinschaft Stadttaubenhilfe.

Stadttiere leben nur wenige Jahre 

Während Tauben bei artgerechter Haltung 20 Jahre alt werden können, leben die Tiere in Städten meist nur wenige Jahre. „Ich wusste auch nicht, wie schlecht es ihnen geht“, sagt Thormann. Erst seitdem sie eine verletzte Taube gefunden und sie gesund gepflegt hat, ist ihr die Situation der Tauben bewusster geworden. Mittlerweile ist die Rotenburgerin, die in Kassel arbeitet, eine richtige Taubenexpertin.

„Der einzige Weg, etwas zu verbessern, ist die Einrichtung von Taubenschlägen“, sagt Thormann. Dabei handelt es sich um Räume, die von Menschen gepflegt werden und in denen Tauben Nistmöglichkeiten und Futter finden. In Kassel gibt es bereits einen betreuten Taubenschlag. Er wurde 2006 am Rathaus eingerichtet und von der Stadt finanziert. Die Stadttaubenhilfe setzt sich für die Einrichtung weiterer Schläge ein. Vorteil der Schläge ist, dass die Belästigung der Bürger durch Tauben sinkt, da die Tiere keinen Hunger mehr leiden. Auch kann man durch Austauschen der Eier gegen Gipseier die Population verkleinern.

Dachböden und andere leere Räumlichkeiten 

Voraussetzung für die Einrichtung weiterer Schläge ist, dass geeignete Standorte gefunden werden. Die Stadt Kassel hat bereits Haushaltsmittel für die Finanzierung eingeplant (siehe unten). Als Standorte kommen sowohl Dachböden und andere leer stehende Räume in Frage als auch Flachdächer oder freie Flächen. Die Stadttaubenhilfe ruft daher interessierte Eigentümer auf, sich bei ihr zu melden. Ideale Standorte wären aus ihrer Sicht die Gebiete rund um die Bahnhöfe, in der Innenstadt oder an der Weserspitze. Eine Vergrämung der Tiere mit entsprechenden Vorrichtungen bedeutet aus Sicht von Thormann nur eine Verlagerung des Problems. „Dann ziehen die Tiere von einem Haus zum nächsten.“

Die Mitglieder der AG Stadttaubenhilfe kümmern sich ehrenamtlich um Tauben in Kassel. Sie suchen kranke Tiere, versorgen sie und informieren die Öffentlichkeit über die Situation der Tauben.

Hintergrund

Anders als vielfach angenommen, sind Stadttauben keine Wildtiere, die natürlicherweise in unseren Städten vorkommen, sondern Nachkommen von entflogenen Haustauben und verirrten Brieftauben. Daher haben sie dort keine natürlichen Futterquellen und können sich ohne menschliche Hilfe kaum ernähren. Die Folge ist häufiges Betteln. Verletzte Tiere haben im Kampf ums Futter kaum Chancen, magern ab, sind anfällig für Krankheiten und sterben oftmals nach einem langen Leidensweg. 

Kontakt 

AG Stadttaubenhilfe: Bianca Thormann, ag-stadttaubenhilfe.kassel@gmx.de, facebook.com/ agstadttaubenhilfekassel

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