Innenstadt-Viertel mit vielen Facetten

Der Stern in Kassel ist noch immer Kriminalitätsschwerpunkt

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Sternhaus und Martinskirche: Der Stern zwischen Königsplatz und Holländischem Platz ist vor allem ein hochfrequentierter Verkehrsknotenpunkt. Rundherum haben sich multikulturelle Imbisse und Restaurants, Friseure, Bäckereien, Spielhallen, Juweliere, Kioske, aber auch Elektrofachgeschäfte und Ärzte angesiedelt.

Kassel. Freundlich beschrieben ist er das pulsierende Herz der Innenstadt. Der Stern, eine viel befahrene Kreuzung, ein multikulturelles Geschäftszentrum und ein Schwerpunkt der ambulanten Medizin.

Der Stern hat aber auch einen Ruf als krimineller Schwerpunkt beispielsweise für Drogenhandel. Wir haben uns aktuell umgesehen:

Seit 32 Jahren wohnt eine ältere Kasselerin direkt am Stern, blickt aus ihrem Fenster auf die Martinskirche. Der Verkehr hat mit den Jahren immer mehr zugenommen, sagt sie. Und in die umliegenden Geschäfte sind immer mehr Inhaber mit ausländischen Wurzeln eingezogen. „Man gewöhnt sich daran“, sagt die Anwohnerin, die keinesfalls umziehen möchte. Sie schätzt die Hausgemeinschaft und die Nähe zur Innenstadt.

Auch Andrea und Fritz Fimpel gehören mit ihrem Friseursalon seit rund 20 Jahren zum Stern. Seitdem habe sich das Quartier sehr verändert. „Es ist schade, dass viele alteingesessene Geschäfte zumachen“, sagt Andrea Fimpel. Zuletzt das Hutgeschäft Burghoff-Wegener in der Unteren Königsstraße. Die Fimpels und ihre vielen Stammkunden werden dem Standort wohl treu bleiben. Man habe sich arrangiert mit den äußeren Bedingungen.

Diese unterliegen ohnehin einem stetigen Wandel. So hat 2013 an der Ecke Untere Königsstraße das Medizinische Versorgungszentrum „Meditürk“ eröffnet, das mit Zweigpraxen 13 Ärzte in acht Fachdisziplinen und rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Allein dort und in der gegenüberliegenden Unteren Königsstraße 79 werden täglich rund 1000 Patienten behandelt, schätzt Meditürk-Gründer Dr. Arif B. Ordu. Schon aus diesem Grund sei es dringend nötig, den Verkehr auf der Kreuzung zugunsten der Fußgänger zu beruhigen.

Dr. Michael Scherer ist froh, dass er mit seiner radiologischen Praxis in der Unteren Königsstraße 79 am Stern ansässig ist. Gegenüber sei bereits in den 1960er-Jahren die älteste radiologische Praxis gegründet worden, deren Nachfolge er nun fortführe. Und der Radiologe hat in die Praxis mit den 18 Mitarbeitern - davon viele mit ausländischen Wurzeln - noch einmal kräftig investiert, bietet unter anderem mit einer hochauflösenden Magnetresonanztomografie (MRT) modernste diagnostische Medizin wie die Früherkennung von Prostatakrebs an.

Auch das sei der Stern, betont der Arzt. Und er hat beobachtet, dass sich Straßenszene und Drogenmilieu deutlich verbessert haben: „Es ist ruhiger geworden.“ Eine Einschätzung, die auch der Inhaber eines türkischen Lebensmittelgeschäftes, Yusuf Tosun, teilt. Ein Kriminalitätsschwerpunkt sei der videoüberwachte Stern aber nach wie vor, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Und der Ortsvorsteher des Stadtteils Mitte, Christian Schnittker, meint: „Das geht in Wellen.“

Aus dem Stern sei ein quirliges, multikulturelles Viertel geworden, das auch durch die Nähe zur Uni einen Querschnitt der Bevölkerung repräsentiere, sagt Schnittker. Und es habe eine städtebauliche Aufwertung vor allem in der Unteren Königsstraße mit den engen Bürgersteigen verdient.

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