Investor und Stadt wollen Pläne offenlegen 

Streit um die Markthalle in Kassel: Trotz Kritik der Händler - die Planungen gehen weiter

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Soll umgebaut werden: Die Kasseler Markthalle.

Kassel will die Markthalle und den Marstall neu konzipieren. Marktbeschicker äußerten Kritik an dem Vorgehen. Trotzdem geht die Planung in die nächste Runde.

  • Die Stadt Kassel will ein neues Konzept für die Markthalle und den Marstall.
  • Die Marktbeschicker äußern bereits im Vorfeld Kritik
  • Die Stadt Kassel hat nun aktiv alle Händler zu einer Gesprächsrunde eingeladen.

Die Stadt Kassel will die Markthalle und den Marstall, in dem sie sich befindet, neu konzipieren. An dem Vorgehen hatte sich auch Kritik vonseiten der Marktbeschicker entzündet. Unterdessen gehen die Planungen für die Zukunft der Kasseler Markthalle in die nächste Runde. 

Markthalle in Kassel: Stadt lädt Händler zur Gesprächsrunde ein

Für Dienstag, 14. Januar, hat die Stadt alle im Marstall aktiven Händler und Gastronomen zu einer Gesprächsrunde ins Rathaus eingeladen. Dabei sollen die Ideen des Architekturbüros Sprengwerk, des von der Stadt bevorzugten Investors, näher vorgestellt und diskutiert werden. Für Zündstoff sorgt vor allem der Vorschlag, den Marktbetrieb künftig auf die obere, baulich erweiterte Hallen-Ebene zu beschränken.

Sprengwerk-Gesellschafter Michael Majcen will bei dem Termin für sein Konzept und um Beteiligung daran werben, wie er im Gespräch mit der HNA deutlich machte. Die Lage sei derzeit nicht einfach, da es für sein Konzept noch keinen Vergabe-Beschluss durch das Stadtparlament gebe. 

Architekt Michael Majcen

Die Marktbetriebs-GmbH, die ein eigenes Konzept abgegeben hat, sei nach aktuellem Stand „Mitbewerber“, so Majcen. Daher könne seine Investorengruppe selbst noch nicht in direkte Beratungen mit den Markthändlern eintreten. Die nicht öffentliche Info-Veranstaltung am 14.01.2020 wird von der Stadt veranstaltet und moderiert.

Proteste gegen Umbau der Markthalle gehen weiter

Währenddessen wird in der Markthalle mit Unterschriftenlisten und Plakat-Aushängen weiter Front gegen die Vorstellungen von Stadt und Sprengwerk gemacht. Architekt Majcen sagte dazu: „Aus meiner Sicht wird dort gezielte Falschinformation betrieben, die die Marktbeschicker weiter verunsichert.“ 

Seine Kritik richtet sich dabei an die Adresse von Markthallen-Geschäftsführer Andreas Mannsbarth. Der wies die Kritik gegenüber der HNA zurück und erneuerte die Einschätzung, dass ein Großteil der heutigen Marktbeschicker eine dreijährige Baustellenphase „nicht überstehen“ werde.

Majcen äußerte sich hingegen überzeugt, dass sich der Marktbetrieb für so eine Übergangszeit organisieren lasse. Die Planungen von Sprengwerk seien, was die Marktstände betrifft, zudem nicht in Stein gemeißelt und könnten nach Bedarf angepasst werden. „Für alle, die mitmachen wollen, werden wir auch Platz finden“, sagte er. Das Ziel seiner Investorengruppe sei es, noch „im ersten Jahresquartal eine Lösung zu finden“.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Markthalle

Warum soll es überhaupt ein neues Konzept geben?

Weil aus Sicht der Stadt die Gelegenheit für eine inhaltliche Neuausrichtung des Gebäudes gekommen ist. 1965 wurde der im Krieg zerstörte Marstall wieder aufgebaut und die Markthalle eröffnet. Als das Gebäude 1994 saniert werden musste, fehlte der Stadt das Geld. 

Markthalle Kassel: Pachtvertrag mit Händlern immer nur Jahresweise verlängert

Sie entschloss sich für ein Public-private-Partnership-Modell, bei dem die Hessische Landesbank die Finanzierung übernahm und dafür Eigentumsrechte erhielt. 2017 löste die Stadt den Leasingvertrag mit der letzten Leasingrate an die Bank ab. Gleichzeitig endete der Pachtvertrag mit den Marktbeschickern. Er wurde von der Stadt zuletzt immer nur in Jahresschritten verlängert. 

Stadt Kassel will notwendige Sanierung mit einem neuen Gebäudekonzept verknüpfen

Denn nach einer zwischenzeitlichen Fassaden- und Dachsanierung im Jahr 2010 ist nun eine grundlegende Sanierung der Technik und der Innenräume nötig. Diesen Umstand will die Stadt nutzen, das Gebäudekonzept zu überdenken.

Neues Konzept für die Markthalle soll kommen

Und warum soll damit das Büro Sprengwerk beauftragt werden?

Nach Auskunft des Liegenschaftsamtes war die Markthallen GmbH, in der viele Händler als Gesellschafter beteiligt sind, bereits vor einigen Jahren aufgefordert worden, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. „Weil kein Konzept vorgelegt wurde, hat die Stadt im Frühjahr 2019 beschlossen, ein Konzeptverfahren zu starten“, sagt Wolfgang Staubesand vom Liegenschaftsamt. 

An dem Verfahren beteiligten sich mehrere Investoren – nun auch die Markthallen GmbH. Zwei städtische Gremien (Grundstücksausschuss und Grundstückskommission) sprachen sich mehrheitlich für das Konzept des Kasseler Architekturbüros Sprengwerk aus. Das Büro habe die städtischen Kriterien am besten erfüllt, so Staubesand.

Neues Konzept für die Markthalle: Vor allem die Marktbeschicker äußern Kritik

Welche Kriterien sind das?

Neben Finanzierungszusagen von Banken und einem Wirtschaftlichkeitskonzept war etwa vorgeschrieben, dass die Markthalle künftig an fünf Tagen geöffnet sein muss und der Marktbetrieb während der mehrjährigen Umbauzeit aufrecht zu erhalten ist. „Daran werden wir uns auch halten“, sagte Michael Majcen von Sprengwerk. 

Er spricht von einer Investition von mindestens 15 Millionen Euro, die für Sanierung und Umbau nötig sei. Die Pläne von Sprengwerk umfassen den gesamten viergeschossigen Marstall inklusive der Freiflächen und nicht nur die beiden Etagen, die bislang von der Markthalle genutzt werden. Auch dies sei ein Grund gewesen, warum sich die städtischen Gremien für das Konzept ausgesprochen hätten, sagt Staubesand vom Liegenschaftsamt.

Viele Marktbeschicker fühlen sich übergangen. Warum wurden sie nicht in die Pläne von Sprengwerk einbezogen?

Nach Auskunft von Majcen und Staubesand war dies bislang nicht möglich, da die Markthallen GmbH sich ebenfalls am Konzept-Wettbewerb beteiligt hatte. Insofern hätte Sprengwerk einem Mitbewerber seine Pläne offenlegen müssen. „Da geht es auch um wirtschaftliche Daten“, sagt Majcen.

Markthalle soll moderner werden

Wann sollen die detaillierten Pläne denn nun öffentlich werden?

Eigentlich hatte Sprengwerk geplant, dies erst zu tun, wenn es einen Vertragsabschluss mit der Stadt gegeben hat. Dies ist noch nicht geschehen, weil ein dazu notwendiger Beschluss bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung nicht zustande kam, da die Rathauskoalition zerbrochen war. Um einen Konsens zu erzielen, sollen die Pläne den Händlern nun doch am 14. Januar präsentiert werden.

Was ist von den Plänen bekannt?

Sprengwerk plant, die Markthalle künftig auf die Ebene zu begrenzen, die ebenerdig von der Straße „Graben“ zugänglich ist. Zusätzlich sind Marktflächen auf dem Vorplatz geplant, über den ein Glasdach gespannt werden soll. „Jeder moderne Supermarkt präsentiert seine Waren auf einer Ebene“, sagt Majcen. 

Das Glasdach soll bis zu einem Neubau reichen, der an der Straße „Graben“ vorgesehen ist. Der Neubau soll die Lücke zwischen den dort bestehenden Gebäuden schließen. Das heutige Untergeschoss der Markthalle soll für kulturelle Zwecke genutzt werden. 

„Wir wollen so neue Kundengruppen in die Markthalle locken“, sagt Majcen. Für das Stadtarchiv im Dachgeschoss und das Medienzentrum im Untergeschoss sollen neue Räume gesucht werden. Im Detail will Sprengwerk das Konzept zunächst am 14. Januar im Rathaus vorstellen.

Investor wird nicht zum Eigentümer der Markthalle

Würde Sprengwerk Eigentümer der Immobilie?

Nein. Die Stadt würde das Gebäude und Grundstück im Erbbaurecht vergeben. Staubesand sprach von einer Zeitspanne von um die 60 Jahre.

Wie geht es nun weiter?

Der Marktbetrieb läuft ungeachtet der Querelen weiter. Der Pachtvertrag wurde bis Ende 2020 verlängert. Doch die Zeit drängt: Denn der Pachtvertrag muss bis August gekündigt werden, sonst verlängert er sich automatisch um ein Jahr.

Bis dahin wollen Sprengwerk und die Stadt eine möglichst einvernehmliche Lösung mit den Händlern und den politischen Fraktionen gefunden haben. „2021 wollen wir eigentlich mit den Bauarbeiten beginnen. Zunächst in den Bereichen, die den Marktbereich nicht tangieren“, sagt Majcen.

Die Standbetreiber der Kasseler Markthalle haben sich die neuen Zukunftspläne für den Marstall angehört. Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus.

In Kassel ist der Streit um die Zukunft der Markthalle eskaliert: Geschäftsführer Andreas Mannsbarth wirft einem Beschicker Bespitzelung vor.

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