Thema des Kunstwerks ist heute so aktuell wie zur documenta IX

Wieder aufgebaut: "Die Fremden" sind zurück in Kassel

Kassel. Es ist eines der bekanntesten und beliebtesten documenta-Kunstwerke: Nach 23 Jahren wurde die Figurengruppe des Künstlers Thomas Schütte „Die Fremden“ am Donnerstag zum zweiten Mal am Friedrichsplatz aufgebaut.

Die Keramikfiguren mit ihren Koffern und anderen Habseligkeiten waren erstmals zur documenta IX in Kassel zu sehen. Im April 2014 wurde das Kunstwerk vom Vordach des Modehauses Sinn Leffers abgebaut und zur Sanierung nach Köln gebracht.

Die Figuren waren nach all den Jahren in einem erstaunlich guten Zustand. „Wir mussten gar nicht so viel machen“, sagt Niels Dietrich, in dessen Werkstatt „Die Fremden“ auch 1991 angefertigt wurden. Zusammen mit dem Künstler Thomas Schütte hat Dietrich die Kosten für die Reinigung und die Lagerung der Figuren übernommen. Transport und Versicherung haben 30.000 Euro gekostet, die die Stadt Kassel bezahlt.

Eigenlich hätten „Die Fremden“ nach dem Abbau im April 2014 längst wieder in Kassel stehen sollen. Doch ohne Bürokratie geht es auch bei der Kunst nicht.

Über dem Friedrichsplatz: Mit einem Kran wurden die Einzelteile des Kunstwerks nach oben transportiert.

Die Modehauskette Leffers hatte die Figurengruppe nach der documenta IX für 210.000 Mark (104.000 Euro)gekauft und der Stadt Kassel geschenkt. Mittlerweile gehört das Gebäude von Sinn-Leffers der Cordula Vermögensverwaltung (Düsseldorf). „Wir mussten einen neuen Vertrag über die Nutzung der Dachfläche abschließen, das hat etwas gedauert“, sagt Dorotheé Rhiemeier, die Leiterin des städtischen Kulturamtes. Dank des neuen Eigentümers sei der Standplatz für das Kunstwerk jetzt gesichert. Dafür war auch ein neues Statikgutachten notwendig. Immerhin wiegt die neunteilige Gruppe - drei Menschen mit Kisten, Säcken und einer Vase - mit Podest knapp drei Tonnen.

Die Fassade des Kaufhauses gehörte früher zum Roten Palais am Friedrichsplatz, das im Krieg schwer beschädigt wurde. Die Figurengruppe steht auf dem historischen Säulendach, dem Portikus. Die gesamte Fassade wurde im vergangenen Jahr saniert. Deshalb mussten die Figuren vom Dach.

60 Jahre documenta

Jetzt sind sie endlich wieder zurück. Gerade noch rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der ersten documenta, die am 15. Juli beginnen. Zu diesem Anlass hat sich auch der Künstler Thomas Schütte angekündigt, der sein frisch gereinigtes Werk in Augenschein nehmen will.

Die Gruppe war ursprünglich noch größer. Neben den Kasseler Fremden gibt es noch Figuren in Lübeck und London. An Aktualität haben sie nichts verloren. Damals wie heute geht es um Menschen, die aus einem anderen Land geflohen sind und als Fremde bei uns eine neue Heimat suchen.

"Die Fremden" sind wieder am Friedrichsplatz

Rubriklistenbild: © Malmus

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