Saskia und Rembrandt - eine große Liebe

Tag der Burgen und Schlösser in Kassel: So ging Dating im 17. Jahrhundert

Beim Tag der Burgen und Schlösser gab es auch in diesem Jahr wieder besondere Führungen. Im Schloss Wilhelmshöhe ging es um Liebe und Ehe im 17. Jahrhundert.

Heutzutage ist Online-Dating fester Bestandteil bei der Anbahnung von Beziehungen. Aber wie haben sich Männer und Frauen eigentlich im 17. Jahrhundert kennen- und lieben gelernt? Wie sah der Ehealltag damals aus? Und waren Scheidungen möglich? Diese und mehr Fragen beantwortete am Sonntag die Kasseler Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Lehmann bei ihrer Führung „Verliebt, verlobt, verheiratet“.

Zum Tag der Burgen und Schlösser führte sie durch die Ausstellung „Kassel ... verliebt in Saskia“ im Schloss Wilhelmshöhe und malte anhand der Geschichte des Künstlers Rembrandt van Rijn und seiner Frau Saskia ein Sittenbild des 17. Jahrhunderts. So hätten sich Saskia und Rembrandt über Verwandte kennengelernt. Viele Beziehungen fanden laut Lehmann damals ihren Anfang auf Tanzabenden oder Hochzeiten befreundeter Familien.

Für die Hochzeit brauchte es die schriftliche Erlaubnis der Eltern. „Rembrandts Mutter“, so berichtete Lehmann, „war als Bäckerstochter des Schreibens nicht mächtig und unterzeichnete die Eheerlaubnis mit einem Kreuz.“ Scheidungen gab es auch damals schon. „Triftige Gründe waren Ehebruch, das Verprassen des gemeinsamen Vermögens und Brutalität gegenüber der Frau“, erläuterte Lehmann. Doch die Trennung blieb immer weltlich. Vor Gott blieb das Paar verbunden, bis dass der Tod es schied.

Saskia und Rembrandt, das sei eine große Liebe gewesen, so Lehmann. Kaum ein Maler habe seine Frau so oft porträtiert wie Rembrandt die Seine. Doch bei aller Liebe spielte wohl auch das Geld eine gewisse Rolle in dieser Verbindung. Saskia kam als Tochter des Bürgermeisters von Leeuwarden aus guten Verhältnissen. „Rembrandt heiratete sie erst, nachdem sie das Erbe angetreten hatte“, berichtete die Kunsthistorikerin.

Als Saskia 1642 nicht einmal 30-jährig starb, setzte sie Sohn Titus, damals kein Jahr alt, als Erben ein. Rembrandt durfte das Vermögen nur unter der Bedingung verwalten und nutzen, nie wieder zu heiraten. Er hielt sich daran. Gereicht hat das Geld trotzdem nicht. Das berühmte Porträt „Saskia Uylenburgh im Profil in reichem Kostüm“ verkaufte er aus Geldnot und starb 1669 in Armut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.