Fragen und Antworten

Tempo 30 in der Nacht? Kassel will Erfahrungen anderer Städte auswerten

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Hier ist es laut: Die Holländische Straße gehört zu den meist befahrenen Straßen Kassels. Um den Verkehrslärm an der Holländischen Straße zu reduzieren, fordert der Ortsbeirat Nord-Holland Tempo 30 bei Nacht oder Flüsterasphalt. Doch die Stadt hat derzeit keine Pläne für die Straße.

Kassel. Kommt das nächtliche Tempolimit auf Kassels Hauptverkehrsstraßen? Bevor darüber im Kasseler Rathaus entschieden wird, sollen die Erfahrungen anderer Städte ausgewertet werden.

Dazu haben die Mitglieder des Verkehrsausschusses den Magistrat aufgefordert. Wir blicken schon jetzt nach Frankfurt am Main: Eineinhalb Jahre lang hat die Südhessenmetropole auf vier Hauptstraßen ein nächtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometern untersuchen lassen.

Wer hat das Gutachten erstellt?

Schützenhilfe für Südhessen gab es aus Nordhessen: Mitarbeiter des Büros LK Argus, das seinen Sitz auf der Marbachshöhe hat, haben den Modellversuch im Auftrag der Stadt Frankfurt begleitet. „Ein derart umfangreiches Gutachten hat es bislang in einer keiner anderen Stadt gegeben“, berichtet Dipl.-Ing. Michael Volpert.

Wie lief der Test in Frankfurt ab?

Von Juni 2015 bis Dezember 2016 hat Frankfurt auf vier Hauptstraßen Tempo 30 untersuchen lassen. Es sollte herausgefunden werden, ob das nächtliche Tempolimit (22 bis 6 Uhr) den Anwohnern mehr Ruhe bringt. In einer achtwöchigen von den Gutachtern begleiteten Testphase gab es entsprechende Verkehrszählungen, Verkehrsfluss- und (phasenweise) Geschwindigkeitsmessungen – sowohl mit Tempo-50- als auch mit Tempo-30-Regelung.

Zu welchem Ergebnis sind die Gutachter gekommen?

„Das Gutachten war eindeutig“, resümiert Volpert: Die Lärmbelastung sei gesunken, die Fahrzeitverlängerung habe sich nur minimal erhöht. Und auch die viel beschworene Verlagerung des Verkehrs auf Nebenstrecken habe nicht stattgefunden. 

Im Gutachten selbst heißt es: „Die Ergebnisse des Verkehrsversuchs weisen Tempo 30 nachts als eine geeignete Maßnahme zur Lärmminderung aus, die mit einer Reduzierung des Schallpegels um etwa drei Dezibel einen wichtigen Baustein zur Entlastung der Anwohnerinnen und Anwohner an Hauptverkehrsstraßen in Frankfurt am Main darstellt.“

Und welche Lehren hat die Stadt Frankfurt aus dem Versuch gezogen?

So eindeutig das Fazit der Gutachter ausfiel, so unterschiedlich interpretierten die Koalitionäre im Frankfurter Römer die Ergebnisse des laut Medienberichten 230.000 Euro teuren Gutachtens: Die CDU hält die Lärmminderung für relativ gering und setzt auf mehr Kontrollen, die Grünen sehen im Tempolimit hingegen eine wirksame und verhältnismäßige Maßnahme. 

Und der sozialdemokratische Verkehrsdezernent? Klaus Oesterling verweist diplomatisch auf die Koalitionsvereinbarung von SPD, CDU und Grünen. Darin heißt es sinngemäß: Die Regelgeschwindigkeit auf Hauptverkehrsstraßen ist Tempo 50; im Einzelfall ist Tempo 30 möglich. Die Beratungen seien noch nicht abgeschlossen.

Also alles wieder beim Alten auf Frankfurts Straßen?

Ja. Auf den getesteten Strecken gilt auch nachts aktuell Tempo 50. Vor der Oberbürgermeisterwahl wollte an das Thema offenbar keiner mehr ran.

Die Stadt Frankfurt hat den Abschlussbericht auf ihrer Homepage veröffentlicht.

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