Gilserberg/Kassel

Tennistalent Pauline Bruns: „Ich will ganz oben mitmischen“

Die Rückhand spielt sie beidhändig: Pauline Bruns.
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Die Rückhand spielt sie beidhändig: Pauline Bruns. ARCHIVFoto: WILFRIED MÜLLER

14 Jahre jung, gut, erfolgreich und ehrgeizig: Pauline Bruns aus dem nordhessischen Gilserberg zieht aus, die Tenniswelt zu erobern. 

Neulich hat sich Pauline Bruns auf Augenhöhe mit Roger Federer befunden. In Halle, Ostwestfalen, wo die weltbesten Tennisprofis kurz vor Wimbledon aufschlagen. Pauline, das 14-jährige Talent aus dem nordhessischen Gilserberg, spielte im September dort bei einem Turnier. Sie hatte sich mit ihrer Mutter erst einmal nur für eine Nacht im Sportpark-Hotel einquartiert. Doch dann gewann die tüchtige Teenagerin ihre ersten Matches, Tochter und Mutter durften länger in Halle bleiben.

An der Rezeption gab es erst einen Schreck, dann einen Glücksmoment. Das Hotel sei ausgebucht, hieß es zunächst. Aber die Roger-Federer-Suite sei noch frei. Und die dürfen die Bruns’ bewohnen. „Es war ein irres Gefühl“, sagt Pauline. Auf dem Balkon der Suite wird ein Foto gemacht, es zeigt sie mit Blick auf den Centre Court. Der Federer-Blick sozusagen.

Besser noch: Bruns gewann die Ritzenhoff Open gegen erfahrene Konkurrenz. Ein „richtig tolles Erlebnis“ hatte sie auf dem Spiel-Platz der Stars. Und Bestätigung, auf einem sehr guten Weg zu sein.

Viel hat sich für das große Talent geändert. Aber eins ist geblieben für die aufgeweckte, zielstrebige Schwälmerin: Die Hoffnung, ins ganz große Tennis zu kommen. „Ich bin sehr zufrieden, wo ich gerade stehe“, sagt die 14-Jährige vom TC 31 Kassel, die in ihrer Altersklasse U14 die deutsche Nummer zwei ist und mit DTB-Teams auch schon international gespielt hat. Sie ist im Blickfeld von Damentennis-Chefin Barbara Rittner, aber auch von Dirk Dier und Dinah Pfizenmeier, die am Stützpunkt Kamen für Pauline verantwortlich sind.

Für die Teenagerin und die Familie Bruns gab es einige Einschnitte im Leben. Es sei nicht „immer ganz leicht und natürlich auch gewöhnungsbedürftig“ gewesen, sagt Vater Jörg Bruns. Die Eltern haben die Tochter hinausgelassen in die anspruchsvolle, hektische Tenniswelt. Weil sie gemeinsam feststellten: Es gibt keine Alternative. Also fährt Pauline nun zwei Mal nach Mannheim ins Privatgymnasium Schwetzingen, wo sie andere große Sporttalente trifft. Sie bekommt dort Aufgaben für den Rest der Woche mit und reist meist für drei Tage weiter nach Kamen ins eigene Zimmer im DTB-Stützpunkt. „Es ist wie eine kleine WG, es ist okay für mich“, sagt die 14-Jährige.

Treffen am Tennisplatz: Pauline Bruns mit Vater Jörg Bruns (links) und André Schubert (rechts). Foto: JÖRG ALLMEROTH

Aber es gibt natürlich auch Heimweh, und so reist sie immer wieder auch nach Kassel. Am Bahnhof wartet dann die Familie zum Shuttle in die Schwalm. Oft geht die Reise noch weiter zu Turnieren und Meisterschaften. „Ich hab’ Spaß am Unterwegs-Sein, es ist ja auch etwas, was man später im Idealfall ständig macht“, sagt Pauline. Mit Carolina Kuhl (Fürth) hat sie den DM-Titel im Doppel gewonnen. Die ist beste Freundin, als Nummer eins der U-14-Rangliste aber auch die wichtigste Gegnerin. „Wir können das gut trennen. Die Freundschaft und das, was auf dem Platz passiert“, sagt die 1,82 m lange Pauline.

Mit den Freundinnen in der Heimat tauscht sie sich täglich über alle Social Media-Kanäle aus. Als sie sich im Frühsommer aus der Christophorus-Schule in Oberurff verabschiedete gab es anrührende Szenen. Mitschüler und Klassenlehrerin umarmten Pauline einzeln, überreichten ihr eine Blume. „Am Ende hatte ich einen wunderschönen Strauß zusammen. Es flossen viele Tränen“, sagt Pauline.

Nun aber blickt sie nach vorn und sagt: „Ich will ganz oben mitmischen in Deutschland und mir die Chance geben, später im großen Tennis dabei zu sein.“ Sie weiß, dass es ein harter, steiniger Weg ist. Aber sie spürt auch die Fortschritte, nicht nur auf dem Platz. „Ich bin selbstständiger, selbstbewusster geworden, setze mich besser durch“, sagt die 14-Jährige. Und sie bekommt gute Karriere-Tipps von einem, der sie zufällig mal in Baunatal trainieren sah: André Schubert, der Fußball-Lehrer. „Ich spürte, dass Pauline etwas Besonderes ist. Da habe ich mal mit der Familie unterhalten“, sagt Schubert. Ist er nun Mentor, Berater? „Nein, nein“, sagt er, „ich helfe halt, wenn ich um Rat gefragt werde.“

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