Fachkundige Jury nahm die Gestaltung unter die Lupe

Test: Die märchenhaftesten Stände auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt

Schöne Idee: Schneewittchen und die sieben Zwerge samt Waldtieren geleiten Kinder in die Gondeln vom Riesenrad des Schaustellerbetriebs Nier. Das giefiel den Juroren (von links) Ulrike Remmers, Oliver Doerr und Stefanie Rehm sowie Andrea Behrens von Kassel Marketing. Fotos:  Koch

Trägt der Kasseler Märchenweihnachtsmarkt seinen Namenszusatz zu Recht? Bei einem Test von Kassel Marketing gemeinsam mit der HNA ging eine fachkundige Jury der Frage nach: Welche der 125 Standbetreiber geben sich besondere Mühe, an ihren Ständen eine märchenhafte Atmosphäre zu erzeugen?

Dass das Märchenhafte auf dem Weihnachtsmarkt gut zur Geltung kommt, daran hat Kassel Marketing ein besonderes Interesse. „Wir glauben, dass uns das Gestaltungsthema Märchen in der Heimat der Brüder Grimm noch erfolgreicher unter den deutschen Weihnachtsmärkten machen kann“, sagt Organisatorin Andrea Behrens.

Für den Kasseler Markt gibt es jeweils doppelt so viele Bewerber wie Standplätze. Wer das Märchenthema besonders gut bespielt, wird bevorzugt berücksichtigt. Im vergangenen Jahr hatte Kassel Marketing eine entsprechende Einzelbewertung der Stände gemacht und den Betreibern zukommen lassen. Das habe zum aktuellen Weihnachtsmarkt etliche Gestaltungs-Aktivitäten ausgelöst, sagt Andrea Behrens.

Zeit für einen Bewertungsrundgang, um die engagiertesten Märchen-Förderer zu prämieren. Die Jury beim Test: 

• Ulrike Remmers, Leiterin des Tourismusmarketings bei der Grimm-Heimat Nordhessen, 

• Oliver Doerr, Bühnengestalter und Schöpfer der Märchenbühnen beim Brüder-Grimm-Festival im Park Schönfeld, und 

• Stefanie Rehm, Kunsthistorikerin und Volkskundlerin, sie arbeitet bei der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Die Juroren entdeckten vor allem Schneewittchen in vielen Variationen: Das diesjährige Leitmotiv tauchte mal als Windschutz-Wandgemälde, mal als lebensgroße Puppe und sogar als laszives Foto-Pin-up auf – aber auch als Zwergenlandschafts-Guckkasten auf Kinderaugenhöhe. „Das ist ja süß“, kommentierte Ulrike Remmers.

Für solche Selbstbauten und eigenen Ideen gab es besonders gute Noten. „Man kann auch mit einfachen Mitteln viel machen“, sagte Stefanie Rehm. Was ihr nicht so gefiel: „Kitsch aus dem Internet“, also etwa ausgedruckte Fotos mit begrenzt fantasievollen Märchenmotiven. Das Prädikat „zauberhaft“ erhielt von ihr persönlich ein neues, lauschiges Hexenhäuschen-Separée für maximal sechs Personen neben „Ingos Käsehütte“ am Königsplatz.

Ob man als Weihnachtsmarktbesucher von einem bestimmten Stand angesprochen wird, sei „eine ganz intuitive Geschichte“, sagte Oliver Doerr: „Da genügt eigentlich ein Blick“. Aber da gab es auch Gegenbeispiele: Wirklich schöne Märchenbilder und -figuren waren zuweilen derart im Standinneren hinter Flaschenregalen versteckt, dass sie nicht zur Geltung kommen.

Dass sich die Tester eifrig Notizen machten, weckte zuweilen auch Misstrauen.„Sind Sie vom Gesundheitsamt?“, erkundigte sich eine Standbetreiberin. Keine Sorge: Die Märchen-Juroren kamen in friedlicher Mission.

Noten gab es jeweils für die Präsentation eines Märchenthemas sowie für die entsprechende Außengestaltung und Innendekoration der Weihnachtsmarktstände.  Und das sind die Stände mit den besten Bewertungen, für die es eine Urkunde gibt:

1. Platz: Nostalgie-Karussell

Mit der besten Gesamtnote von 1,67 kam überraschenderweise ein Fahrgeschäft auf Platz 1 des märchenhaftesten Standes: Das nostalgische Kinderkarussell von Horst Schellberg ist bereits seit 1920 im Besitz der Schaustellerfamilie und innen wie außen liebevoll mit Märchenmotiven bemalt. Der Oldtimer dreht auf dem Königsplatz seine Runden und erfreut Kinder ebenso wie Nostalgiefans.

2. Platz: Grimmstübchen

Götz Giesemann und Marvin Schellberg (ein Neffe des Erstplatzierten) haben ihre Gastro-Hütte am Königsplatz mit viel Liebe zum Detail zum „Grimmstübchen“ umgestaltet. Für eine Fotowand, an der sich Kinder per Kopf-Guckloch als Rotkäppchen oder Gestiefelter Kater fotografieren lassen können, sowie die insgesamt wertige Präsentation von Grimm’schen Motiven gab es Note 1,78.

3. Plätze: Ulenspiegel und Thüringer Feuerhütte

Zwei Betriebe teilen sich Platz 3 bei identischer Note 2,44: Der Ulenspiegel-Glühweinstand am Opernplatz hat seine Wetterschutzwand mit einem aufwändigen Schneewittchen-gemälde versehen. Und an Daniel Geibels „Thüringer Feuerhütte“ mit den Bremer Stadtmusikanten auf dem Dach gefielen die liebevollen Details. Der gelernte Raumausstatter Geibel hat alles selbst gemacht.

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