Nachfrage zu Straßenbahnunfall

Test nach Tramunfall: So gut funktioniert das Sicherheitssystem der Bahntüren

Kassel. Nach dem Straßenbahnunfall mit einer 16-Jährigen in Kassel, deren Arm in einer Tramtür eingeklemmt wurde, haben wir uns die Technik der Bahntüren näher angesehen.

Dieser Fall machte in dieser Woche Schlagzeilen: Eine 16-Jährige klemmte mit ihrem Arm am Donnerstag in Oberzwehren in der Tür einer Straßenbahn fest, wurde mehrere Meter von der Tram mitgezogen und verletzt. Sie musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Laut ersten Erkenntnissen der Polizei auch anhand von Zeugenaussagen wollte die 16-Jährige in die Bahn einsteigen, während sich die Türen bereits schlossen. Die Ermittlungen dauern derzeit noch an.

Wir haben mögliche Hintergründe erfragt und erklären die Sicherheitssysteme an Straßenbahntüren:

Gab es einen Defekt?

Laut KVG wurde die Straßenbahn überprüft, und die Sicherheitsmechanismen an den Türen hätten einwandfrei funktioniert. Bei der betroffenen Bahn handelt es sich allerdings um ein älteres Modell aus dem Jahr 1986, dessen Lichtschranken an den Türen nur den unteren Bereich erfassen. Von diesen älteren Bahnen, die bald ausgemustert werden sollten, seien noch sechs in Betrieb. Eine Schwachstelle seien die Falttüren, die sich durch Manipulationen leichter öffnen ließen.

Die Sicherungen

Die Straßenbahnen der KVG sind mit zweifachen Sicherheitsmechanismen ausgestattet: Während die Türen aktiv sind, werden Bewegungen durch Lichtschranken erfasst Die mit Sensoren ausgestatteten Schließkanten der Bahntüren reagieren zudem auf Widerstände. Hierbei handele es sich um ein technisches Sicherheitssystem, bei dem eine zusätzliche Kontrolle durch den Fahrer nicht nötig sei. Zumal Fahrer etwa bei langen Bahnen, in Kurven oder an frequentierten Haltestellen die Türen nicht alle im Blick haben könnten.

Versuch mit Prüfholz: Ab einem Widerstand von 30 Millimetern sollte sich die Tür automatisch wieder öffnen - sie tut es auch.

Diese Sicherheitssysteme würden täglich überprüft, erläutert der Technische Bereichsleiter Karsten Kamutzki. Bei älteren Fahrzeugen überprüfe der Fahrer morgens vor Fahrtantritt jede Tür, was auch dokumentiert werde. Neuere Bahnen hätten ein automatisches Kontrollsystem. Einmal jährlich würden die Türen unter anderem mit genormten Prüfholzen und einem Newtonmeter, das die Kraft beim Schließen der Türen misst, überprüft.

Erfahrungen der KVG

„Es wird immer mehr ein Sport, eine Tür, die schließt, wieder zu öffnen“, sagt Karsten Kamutzki. Wer versuche, auf diese Weise das Sicherheitssystem der Bahn zu umgehen, müsse sich im Klaren sein, dass er ein Risiko eingehe. Denn wenn die Bahn anfährt, würden die Sicherheitssysteme an den Türen automatisch abgeschaltet, um zu verhindern, dass sich die Türen während der Fahrt öffnen.

Darauf sollte man achten

Grundsätzlich sollten Türen nur über die Anforderungstasten geöffnet werden, die dann aktiv sind, wenn sie leuchten. Ältere und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste sollten die Kinderwagentaste nutzen, rät die KVG, In diesem Fall müsse der Fahrer zusätzlich prüfen, ob die Türen frei sind.

Rubriklistenbild: © Lothar Koch

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