Am Samstag vor dem Rathaus

Freunde der Rennpappe: Trabant-Kader Kassel stellt Autos aus der DDR vor

Drei Trabant-Freunde mit ihren Rennpappen: Mario Wagner (von links) aus Kassel, Björn Solbrig (Hofgeismar) und Tobias Gerlach (Niedenstein) mit zwei Trabis aus Zwickau. Foto: Thiele

Kassel. Gerade mal 26 PS hat Mario Wagner unter der Haube. Trotzdem ist sein Auto in der Lackierung „Gletscherblau“ mit weißem Dach ein Hingucker. Wenn der 27-jährige Jura-Student mit seinem Trabant um die Ecke töffelt, zieht die „Rennpappe“ aus der untergegangenen DDR die Blicke auf sich.

Das wird auch am morgigen Samstag so sein, wenn der Verein Trabant-Kader Kassel vier Fahrzeuge vor dem Kasseler Rathaus zum Erinnerungsfest an den Mauerfall präsentiert.

Die 20 Mitglieder des Vereins, die aus der Region Kassel und dem Schwalm-Eder-Kreis kommen, verfügen über insgesamt 40 Fahrzeuge, von denen aber nicht alle fahrbereit sind. Unter den Trabis sind auch ein Wartburg und Simson-Mopeds.

Vereinsvorsitzender Mario Wagner hat seinen Trabi seit 2002. Die frühere Besitzerin hatte den Wagen im Jahr 1976 bestellt. 1989 konnte sie sich die Farbe aussuchen. Grün oder Blau waren gerade vorrätig in Zwickau, wo der Trabant noch bis April 1991 produziert wurde. Nach der Entscheidung für „Gletscherblau“ wurde die De-Luxe-Version 1990 ausgeliefert – 14 Jahre nach der Bestellung. So lange mussten die meisten DDR-Bürger auf ihren Plastikbomber warten.

Von Pappe und Plastik ist beim Trabant die Rede, weil die Autos aus „Duroplast“ bestehen, einem Gemisch aus Phenolharz und Baumwolllumpen aus den sächsischen Baumwollspinnereien. So sind die Karossen rollender Beweis für den Materialmangel und ebenso den Erfindungsreichtum der Ingenieure in der DDR. Kaum ein anderer Gegenstand stand so sehr für den Arbeiter- und Bauernstaat wie der enge, knatternde und stechend-blauen Dunst verbreitende Kleinwagen aus den Sachsenring Automobilwerken in Zwickau.

Unter den Freunden der Rennpappe, die sich in der „Kombinatsgaststätte“ Zur Marbachshöhe in der ehemaligen Lüttichkaserne treffen, sind viele junge Leute. Nach dem Mauerfall wurden Trabis oft verschenkt oder gegen einen Kasten Bier eingetauscht. Heute muss man 2000 bis 3000 Euro für einen Trabant bezahlen, hat dann aber „ein tolles Auto“, an dem man noch selbst viel reparieren und basteln kann und zudem eine bis heute hervorragende Ersatzteilversorgung, sagt Mario Wagner.

Fest im Rathaus - Programm

Mit einem Fest im Kasseler Rathaus soll am morgigen Samstag, 15. November, unter dem Motto „Grenzenlos in Kassel“ die Erinnerung an den Mauerfall vor 25 Jahren gefeiert werden. An der Rathaustreppe gibt es ab 14 Uhr Musik, eine Trabi-Ausstellung des Vereins Trabant-Kader Kassel und gastronomische Angebote. „Wer fliehen will, muss jetzt fliehen“ ist der Titel einer Lesung mit Herwig Lucas ab 11 Uhr in der Karl-Branner-Halle. Es geht um Geschichten rund um den Mauerbau. Um 14 Uhr werden Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Alexander Dill, Bürgermeister der Kasseler Partnerstadt Arnstadt, das Erinnerungsfest auf der Rathaustreppe eröffnen. Für Musik sorgen dabei die „Dörrberger Blechbläser“. Um 14.35 Uhr beginnt das Bühnenprogramm im Bürgersaal. In einem kurzen Film mit dem Titel „Kassel steht kopf“ sind Impressionen aus dem November 1989 zu sehen. Um 14.40 Uhr startet die Gesprächsrunde „Magische Tage im November – Kassel stand kopf“ mit Hans Eichel, Jochem Weikert und Martina Lang. Ab 15.05 Uhr wird der Filmbeitrag „Friedliche Revolution in Arnstadt“ gezeigt. Anschließend um 15.15 Uhr beginnt eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen und Gesprächspartnern aus Arnstadt. Mit dabei sind Dr. Arnd Effenberger, Kirchenrat Jürgen Friedrich und der frühere Bürgermeister Bernd Markert. 25 Jahre Partnerschaft Eine weitere Gesprächsrunde „25 Jahre Partnerschaft – Rückblick und Ausblick“ mit Bürgermeister a. D. Bernd Markert, Martina Lang vom Partnerschaftsverein Arnstadt und der amtierenden Kasseler Zisselkönigin Victoria Faber schließt sich um 15.50 Uhr an. Ab 16.15 Uhr spielt das Kasseler Theater im Centrum (tic) Szenen aus dem Musical „Rhapsody in Space“. Film „Grenzenlose Freude“ Von 14 bis 17 Uhr wird im Magistratssaal der Film „Grenzenlose Freude“ des Hessischen Rundfunks über die Tage der Grenzöffnung in Berlin, entlang der Zonengrenze und über die politischen Ereignisse im Spätherbst 1989 gezeigt. Die Foto-Ausstellung „Grenzen überschreiten“ ist in der Karl-Branner-Halle zu sehen. Im Wandelgang gibt es Kulinarisches aus Thüringen und einen Büchertisch der Kasseler Stadtbibliothek. (ach)

Weitere Informationen gibt es hier.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.