Ministerpräsident Volker Bouffier und Sohn unter den Rednern

"Danke Walter, ruhe in Frieden": Emotionaler Abschied von Walter Lübcke in Kasseler Martinskirche

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Sprach auf der Trauerfeier: Ministerpräsident Volker Bouffier.

Die Region nahm Abschied von Walter Lübcke. In der Kasseler Martinskirche hatten sich 1200 Menschen versammelt, um dem erschossenen Regierungspräsidenten zu gedenken.

Aktualisiert am 14. Juni um 9.35 Uhr - Etwa achthundert Menschen verfolgten außerdem den Gottesdienst vor der vollen Kirche. Es war eine Trauerfeier mit Ehrenbekundungen. Der Sarg war mit der Hessen-Flagge geschmückt, Bundeswehrsoldaten und Polizisten erwiesen dem 65-Jährigen die letzte Ehre.

In seiner Predigt ging Bischof Martin Hein auch auf Schmähungen im Internet ein. Wörtlich sagte Hein: „Die Würde des Menschen, auch eines verstorbenen Menschen, muss unantastbar bleiben. Auch im Netz.“ Der Bischof sprach von einem „unfassbaren Tod, der uns ratlos macht.“ Er würdigte Walter Lübcke als einen Mann des klaren Wortes, „aber auch der klaren Tat.“

Abschied von Dr. Walter Lübcke: In der Martinskirche fand am Donnerstag die Trauerfeier statt.

Dass Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke geschätzt und beliebt war, wurde in allen Reden deutlich. „Er mochte die Menschen, die Menschen liebten ihn. Er war beliebt, aber nicht beliebig“, sagte Volker Bouffier in seiner Würdigung über seinen Freund und Weggefährten.

Hessens Ministerpräsident und seine Frau waren zusammen mit Familie Lübcke in die Kirche gegangen, um sie bei diesem schweren Gang zu unterstützen. Bouffier würdigte Lübcke als einen „weitsichtigen und pragmatischen Regierungspräsidenten“. Und als besonderen Menschen. Trotz aller akademischer und beruflicher Erfolge sei Lübcke nie abgehoben. „Er blieb ein Junge vom Dorf, wie er es immer selbst formulierte“, sagte Bouffier. „Danke Walter, ruhe in Frieden.“

Bouffier ging auch auf die Verunglimpfungen im Netz ein. Man werde derlei Schmähungen nicht mehr hinnehmen“, sagte er. Für Bouffier war Walter Lübcke ein „langjähriger persönlicher Weggefährte“. Als Regierungspräsident sei Lübcke mit der dynamischen Entwicklung der Region verbunden gewesen.

Lübckes Sohn sprach auf der Trauerfeier

Überraschend ergriff auch Christoph Lübcke, ältester Sohn von Walter Lübcke und Irmgard Braun-Lübcke, während der Trauerfeier das Wort. Das war in dem Gedenkblatt für den rund zweistündigen Gottesdienst nicht angekündigt worden. Mit tränenerstickter Stimme richtete er sich im Namen der Familie an seinen „lieben Papa“.

Trauerfeier in der Martinskirche Kassel: Die Region nimmt Abschied von Dr. Walter Lübcke.

Im Namen seines jüngeren Bruders und seiner Mutter dankte er dem Vater für seine „große Liebe und Fürsorge“, für die Werte und Ideale, die er vermittelt habe. Die Familie habe noch so viele Pläne mit ihm gehabt. Seine Enkel werde er nicht mehr zur Schule fahren und ihnen auch nicht mehr seine „berühmte Schweinepampe“ kochen können, wie er es für ihn und seinen Bruder gemacht habe.

Lübcke bei Mitarbeitern des Regierungspräsidiums hoch angesehen

Wie hoch angesehen Lübcke bei den Mitarbeitern des Regierungspräsidiums gewesen ist, wurde bei den Worten der Personalratsvorsitzenden Astrid Gerhold deutlich. Wie kein anderer habe Lübcke als Regierungspräsident und Mensch die Behörde geprägt. Er habe immer mit politischem Sachverstand und Augenmaß agiert, habe die Mitarbeiter motiviert und unterstützt und sei sich nie zu schade gewesen, selbst anzupacken. „Er hinterlässt eine schmerzliche Lücke, und er fehlt uns“, sagte Gerhold im Namen der Mitarbeiter.

Lübcke, der über die Parteigrenzen hinaus geschätzt wurde, habe mit Herz und Verstand für die Region gelebt, sagte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. Als Regierungspräsident sei er ein verlässlicher Partner, Wegbereiter und Wegbegleiter gewesen. Als bodenständig, fair, klug und humorvoll beschrieb Geselle den Regierungspräsidenten.

Bischof bezieht auch Ermittler mit in die Fürbitte ein

Bischof Prof. Martin Hein war in seiner Predigt auch auf den gewaltsamen Tod von Lübcke eingegangen. „Noch herrscht quälende Ungewissheit bei der Frage, warum Walter Lübcke ermordet wurde. Noch sind die Gedanken unruhig und manche Nächte schlaflos. Aber wir hoffen inständig darauf, dass sich das Verbrechen aufklären lässt, sodass nicht das Unfassbare das letzte Wort behält.“

Große Anteilnahme: 800 Menschen  verfolgten die Trauerfeier vor der Martinskirche.

In die Fürbitten zog Martin Hein nicht nur die Familie und die Angehörigen ein, sondern auch die Ermittler, die jetzt die schwierige Aufgabe haben, den Täter zu überführen. Hein richtete sich auch an den unbekannten Täter mit der Bitte, sich zu stellen.

Der evangelische Gottesdienst, der musikalisch von Ulrike Schneider (Mezzosopran), Kirchenmusikdirektor Eckhard Manz (Orgel) und dem Blechbläserquintett des Heeresmusikkorps gestaltet wurde, wäre bestimmt nach dem Geschmack von Dr. Walter Lübcke gewesen.

Besonders das Ende. Denn zum Abschluss der ergreifenden Trauerfeier gab es eine Premiere in der Martinskirche. Die Trauergemeinde sang stehend die drei Strophen des Waldecker Liedes. Der Waldecker Junge Walter Lübcke hatte die „Nationalhymne“ seiner Heimat stets auf seinem Handy parat.

Fall Lübcke: Die Ermittlungen laufen weiter

Der gewaltsame Tod von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke beschäftigt derzeit die Medien über Deutschlands Grenzen hinaus. Lübcke war am Sonntag, 2. Juni, in den frühen Morgenstunden durch einen Kopfschuss auf seiner Terrasse in Istha getötet worden. Um das Tötungsdelikt aufzuklären, ist die Sonderkommission „Liemecke“ gegründet worden. Für Aufsehen sorgte über Pfingsten die vorübergehende Festnahme eines Mannes, der aber wieder auf freiem Fuß ist. 

Abschied von Walter Lübcke: Trauerfeier in der Martinskirche

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Lesen Sie dazu: Dr. Walter Lübcke ist tot: Er verkörperte die Region wie kaum ein anderer

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