Unterschiedliche Angaben zu Auseinandersetzung auf Treppenstraße

Eskalation nach Ladendiebstahl: Zeugen werfen Personal einer Sicherheitsfirma Brutalität vor

Zwischenfall auf der Treppenstraße: Der mutmaßliche Dieb wird von Sicherheitspersonal festgehalten (klicken für den gesamten Bildausschnitt).

Eine Auseinandersetzung zwischen einem mutmaßlichen Ladendieb und einem Detektiv hat am Samstag für Aufsehen auf der Treppenstraße in der Innenstadt gesorgt.

Dem 21-jährigen Tatverdächtigen wird vorgeworfen, Parfüm im Wert von mehr als 700 Euro gestohlen und den 36-jährigen Detektiv in den Oberschenkel gebissen zu haben. Deshalb werde gegen ihn wegen des Verdachts des Ladendiebstahls und Körperverletzung ermittelt, teilt Polizeisprecher Matthias Mänz mit.

"Ich hatte Angst, die bringen ihn um"

Mehrere Passanten, die die Kontrahenten auf der Treppenstraße gesehen haben, werfen dem Detektiv und weiterem Personal einer Kasseler Sicherheitsfirma vor, äußerst brutal gegen den 21-Jährigen vorgegangen zu sein. „Ich hatte Angst, die bringen ihn um“, sagt eine 52-jährige Frau aus Kassel, die beobachtet hat, wie der Mann auf der Treppenstraße von den Sicherheitskräften festgehalten wurde. Die Sicherheitskräfte hätten „völlig unverhältnismäßig reagiert“ und seien „voller Kraft und Aggressionen“ gewesen. Die Zeugin ist sich sicher, dass die Sicherheitskräfte sich nur so aggressiv gegenüber dem Mann verhalten hätten, weil er nach dem äußeren Anschein ein Zugewanderter sei. Wenn er blonde Haare und blaue Augen gehabt hätte, wäre das so nicht passiert.

Bei dem 21-Jährigen handelt es sich laut Polizei um einen abgelehnten Asylbewerber aus dem Iran, der derzeit ohne festen Wohnort ist und geduldet wird. Der Mann sei am Samstag gegen 13.40 Uhr in einer Filiale von Douglas an der Oberen Königsstraße 45a beim Diebstahl erwischt worden, so Polizeisprecher Mänz. Der Detektiv habe ihn mit ins Büro genommen und in einer präparierten Tasche Parfüm im Wert von 734 Euro entdeckt. Bevor der Detektiv die Personalien des Mannes aufgenommen habe, sei dieser geflüchtet. 

Flucht mit nacktem Oberkörper

Der Detektiv rannte hinterher und habe den Verdächtigen am Pullover erwischt. Den habe der 21-Jährige abgestreift und sei mit nacktem Oberkörper weiter auf die Treppenstraße gelaufen. Dort sei er von dem Detektiv erneut geschnappt worden. Im Laufe des Gerangels habe der 21-Jährige den Detektiv in den rechten Oberschenkel gebissen. Dieser habe sich zudem Schürfwunden zugezogen. Auch einer von zwei seiner hinzueilenden und ihn unterstützenden Kollegen erlitt Verletzungen. Der 21-Jährige sei hingegen unverletzt geblieben. Die Angaben decken sich mit den Schilderungen der Sicherheitsfirma.

Mit dem Knie auf die Kehle

Das Ganze wollen Gerhard Kratz aus Berlin und Hans Otto Traeger, der bei Potsdam wohnt, gar nicht glauben. Die beiden Männer sind Mitglieder der Ökologischen Plattform der Linken und waren am Samstag gerade auf dem Weg zu einer Kundgebung in der Innenstadt, als sie die Szene beobachteten. „Sie haben den Mann an den Haaren gefasst und seinen Kopf auf das Pflaster geknallt“, berichtet Kratz (65). „Die haben sich auf seine Kehle gekniet“, sagt Traeger (78).

Zeuge spricht von "aufgebrachten Kleinbürgern"

Ob nun zwei, drei oder gar vier Männer den Verdächtigten festhielten, darüber machen die Zeugen unterschiedliche Angaben. Traeger spricht von drei „aufgebrachten Kleinbürgern“, die ein typisches AfD-Verhalten an den Tag gelegt hätten.

Die Polizei berichtet, dass fünf Passanten, die auf dem Weg zu einer Versammlung in der Innenstadt waren, Partei für den 21-Jährigen ergriffen und versucht hätten, den Detektiv von dem Tatverdächtigen herunterzuziehen. In Anwesenheit der Streife kam es anschließend zu einer Beleidigung aus dieser Gruppe. Einer der Passanten habe „diese rechtsradikalen Arschlöcher“ über das Sicherheitspersonal gesagt.

Gegen die Passanten werde nun wegen versuchter Strafvereitelung, Körperverletzung und Beleidigung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Man prüfe, wer aus der Gruppe an welcher Tat beteiligt gewesen sei.

Laut Polizeisprecher Mänz hat der 21-Jährige, der hinreichend wegen gleich gelagerter Delikte bekannt ist, übrigens die ihm vorgeworfenen Straftaten auf dem Revier zugegeben. Später wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt.

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