„Die Szene muss man im Blick behalten“

Trinker- und Drogenszene: Neuer Treffpunkt an der Kasseler Wolfsschlucht

Neuer Treffpunkt: Der Lyceumsplatz in der Innenstadt ist bei der Trinkerszene beliebt als Aufenthaltsort. Bis zu zwei Dutzend Menschen treffen sich dort regelmäßig. Foto: Hein

Kassel. Die Trinker- und Drogenszene in Kassel hat einen neuen Lieblingsplatz: Die Männer und Frauen halten sich tagsüber nun gerne auf dem Lyceumsplatz an der Wolfsschlucht auf.

„Seit geraumer Zeit beobachte ich, dass sich dort regelmäßig Menschen aus der Szene versammeln“, sagt die Geschäftsfrau in der Kasseler City, Petra Feist-Dietrich, die an der Wolfsschlucht, in Sichtweite des Lyceumsplatzes, ein Schuhgeschäft betreibt. „Ich erlebe diese Menschen aber als friedlich“, sagt sie. Es seien Menschen, denen man helfen müsse, einige von ihnen haben auch keinen festen Wohnsitz. Nichtsdestotrotz sollte die Szene aber beobachtet werden, damit sich dort nichts Negatives entwickelt.

Beobachtet werden die bis zu zwei Dutzend Trinker. Auch gestern Mittag blieb ein Besuch des Kasseler Ordnungsamts nicht aus. Mitarbeiter der Stadt kamen vorgefahren, stiegen aus ihrem Auto, guckten nach dem Rechten, unterhielten sich mit Mitgliedern der Szene.

Auch die Drogenhilfe Nordhessen hat die Gruppe auf dem Lyceumsplatz im Blick. „Wir wissen, dass sich dort Drogenkonsumenten aufhalten“, sagt Geschäftsführerin Angela Waldschmidt. „Es ist Bestandteil unserer Streetwork-Arbeit, in der Innenstadt regelmäßig die Orte aufzusuchen, die von ihnen frequentiert werden. Dafür seien zwei Sozialarbeiter täglich im Einsatz. Kleine Gruppen seien besser zu verkraften und zu kontrollieren. Mit ihnen könne besser gearbeitet werden als mit großen Ansammlungen, wie sie vor Monaten noch auf dem Friedrichsplatz an der Tagesordnung waren. In großen Gruppen sei die Gefahr, dass Aggressionen eskalierten, stärker vorhanden. Der Lyceumsplatz liege nicht so zentral, dass die Anwesenheit der Szene die Passanten stark störe. Mehrere kleine Gruppen erregten weniger Aufmerksamkeit. Waldschmidt: „Ich habe jedenfalls noch keine Beschwerden gehört.“

Verdrängung keine Lösung

Der Ortsvorsteher des Stadtteils Mitte, Christof Stefaniak (Grüne), sagt dazu: „Es fällt auf, dass auf dem Friedrichsplatz weniger Menschen aus der Trinkerszene zu sehen sind als noch vor einem Jahr. Sie haben sich zum Teil in Richtung Königsplatz verschoben, möglicherweise auch zum Lyceumsplatz.“ Im Ortsbeirat sei dies jedoch in letzter Zeit kein Thema gewesen. Es handele sich darüberhinaus um ein übergeordnetes Problem und er sehe auch, dass die Stadt, insbesondere das Ordnungsamt aktiv sei, viel kontrolliere und dranbleibe.

Verdrängung und Verlagerung der Szene im Stadtgebiet seien keine Lösung. „Im Grunde muss den von Drogensucht betroffenen Menschen geholfen werden, um das Problem zu lösen.“

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