Stadt will Mietvertrag für Hansa-Haus verlängern

Trinkraum in Kassel bleibt doch, wo er ist

Gemütlich eingerichtet: Bis zu 70 Menschen kommen derzeit in den Trinkraum im Hansa-Haus. Jetzt soll der Mietvertrag bis zum Herbst verlängert werden. Foto: Koch

Kassel. Doch kein Umzug für den Trinkraum: Die Aufenthaltsstätte für Alkoholabhängige soll vorerst am bisherigen Standort im Hansa-Haus an der Kurt-Schumacher-Straße bleiben.

Ende März läuft der - zuletzt bereits um ein halbes Jahr verlängerte - Mietvertrag für die Räumlichkeiten im rückwärtigen Bereich des Gebäudekomplexes aus. Jetzt soll er nochmals verlängert werden.

Seit Ende 2012 ist der Trinkraum im Hansa-Haus untergebracht. Die Suche nach einem anderen Standort ist bislang ohne Erfolg geblieben. „Wir hoffen daher, dass wir noch eine Weile hierbleiben können“, sagt Bärbel Ackermann vom Verein „Szene Direkt“, der die Einrichtung betreibt.

Die Stadt bemüht sich derzeit um eine Verlängerung des Mietvertrags ab April für weitere sechs Monate, sagt Rathaussprecher Ingo Happel-Emrich: „Damit der Verein das gut funktionierende Angebot nicht unterbrechen muss.“

Lexikonwissen: Der Trinkraum im HNA-Regiowiki.

Eigentlich sollte der Mietvertrag für die 200 Quadratmeter großen Räume im Hansa-Haus bereits im vergangenen Herbst auslaufen. Der Verein wollte damals in ein leer stehendes Ladenlokal am Grünen Weg umziehen. Als der Eigentümer kurzfristig einen Rückzieher machte, war der Mietvertrag für das Hansa-Haus noch mal verlängert worden.

Abgesehen von einer fehlenden Außenfläche, damit man im Sommer auch rausgehen könnte, sei der Standort ideal, sagt Bärbel Ackermann. „Wir würden auch gern auf Dauer hierbleiben.“ Allerdings wäre es wünschenswert, dann einen längerfristigen Mietvertrag zu bekommen, statt sich immer nur von Halbjahr zu Halbjahr zu hangeln. Ohne ein wenig Planungssicherheit zögere man auch, nötige Renovierungsarbeiten anzugehen.

Dennoch ist es nach zweieinhalb Jahren wohnlich geworden in den großzügigen Räumen. Sessel und Sofas laden zum Fläzen ein, Bilder, Lichterketten und Grünpflanzen sorgen für eine heimelige Atmosphäre. In den Sitzecken werden Gespräche geführt und gequalmt, was das Zeug hält. Udo, 54 Jahre alt, ist Stammgast im „Warm Up“, wie die Betreiber den Trinkraum getauft haben. „Das soll unbedingt hierbleiben“, findet er und nimmt einen Schluck aus der Bierflasche. „Das ist ein Raum, wo endlich mal einer sagt: Udo, hier bist du willkommen“, sagt er. „Sonst erlebe ich doch immer nur Hass, Wut, Ablehnung und Enttäuschung.“

Auch Susanne, die seit ihrer Jugend Drogen nimmt und jetzt Substitutionspatientin ist, fühlt sich im Warm Up wohl. Hier treffe man Leute zum Reden, könne kickern oder Billard spielen und bekomme etwas zu essen für wenig Geld, sagt die 35-Jährige. „Das ist eine Location, die auf jeden Fall aufrechterhalten werden sollte.“

Die Stadt Kassel unterstützt den frei-christlichen Trägerverein mit 76.500 Euro im Jahr. Davon wird auch auch die Miete beglichen.

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