Rund 37 000 Euro in Wolfsschlucht

Trio gesteht Pkw-Aufbruch mit wertvollem Schmuck

Kassel. Angeblich auf Arbeitssuche sind drei Rumänen nach Kassel gekommen, doch vor dem Landgericht benannte Staatsanwältin Richter die wahren Absichten des Trios.

„Sie sind eigens zu Einbruchsdiebstählen hierher gekommen“, sagte sie vor der 11. Strafkammer, vor der sich die 24, 29 und 37 Jahre alten Männer wegen gemeinschaftlichen und gewerbsmäßigen Bandendiebstahls verantworten müssen.

Angeklagt ist seit Montag nur eine Tat, die von allen drei Beschuldigten auch gestanden wurde: Ende Januar dieses Jahres haben sie danach den Mercedes eines Schmuckhändlers an der Wolfsschlucht aufgebrochen und daraus Brillantschmuck und Gold im Wert von 37 000 Euro gestohlen.

Außerdem fielen ihnen laut Anklage 650 Ein-Dollar-Noten sowie rund 1300 Euro Bargeld in die Hände.

Schon lange zuvor hatte die Polizei die insgesamt fünf Männer auf dem Radar. Die Rumänen wurden observiert, ihre Telefongespräche abgehört. Nach dem Pkw-Aufbruch an der Wolfsschlucht waren sie nach Rumänien zurückgefahren, wo sie von der dortigen Polizei festgenommen wurden. Der Schmuck wurde sichergestellt. Tatsächlich haben die Männer noch mehr auf dem Konto: Auf Befragen durch Richter Rinninsland gestanden sie etwa zehn weitere sogenannte Blitzeinbrüche in Tankstellen, Supermärkte und Lagerhäuser, bei denen sie es in erster Linie auf Zigaretten abgesehen hatten. Die Beute hätten sie verkauft, mit dem Erlös sich einen BMW angeschafft, mit dem sie fortan zu den Tatorten und nach Rumänien fuhren. Diese Taten sollen in einem späteren Verfahren strafrechtlich aufgearbeitet werden.

Wie die Aufgabenverteilung innerhalb des Trios war, wurde gestern in Ansätzen deutlich. Die beiden jüngeren Männer mit eher mangelhafter Ausbildung, die nach Einschätzung ihres älteren Komplizen „nicht einmal richtig Rumänisch“ sprechen können, machten die Drecksarbeit. Der 37-Jährige, nach eigenen Angaben Hochschulabsolvent mit abgeschlossenem Studium, wollte erst gar nichts mit den Taten zu tun gehabt haben, räumte aber später ein, den Pkw gefahren und die Tatorte bestimmt zu haben.

Gemeinsam hatte das Trio mehrere Tage den Schmuckladen beobachtet und dabei herausgefunden, dass regelmäßig wertvoller Schmuck in dem Pkw deponiert war. Der erste Versuch, die Scheibe mit einer Zündkerze zu zertrümmern, war gescheitert. Einen Tag später hatten sie einen Hammer mitgebracht.

Der Schmuckhändler sagte als Zeuge aus, das Diebesgut sei sogar zwischen 70 000 und 100 000 Euro wert gewesen. Die vielen Ein-Dollar-Scheine seien im Auto gewesen, weil sie etwa bei türkischen Hochzeiten von den Gästen über das Brautpaar geworfen würden. Das Verfahren, bei dem die 11. Strafkammer insgesamt sieben Zeugen hören will, wird am kommenden Freitag um 9 Uhr in Saal E 218 fortgesetzt. Dann wird auch mit dem Urteil gerechnet.

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