Nach US-Wahl

Trump ist Präsident: Kassels Amerikaner sind geschockt

Kassel. „Ich bin völlig am Ende“, sagt Susan King-Köcher. Ihre Stimme klingt auch so, als wir sie am Mittwochvormittag erreichen. Die pensionierte Lehrerin gehört zu den 275 US-Amerikanern, die mit Hauptwohnsitz in Kassel leben.

Susan King- Köcher

Susan King-Köcher kann noch nicht fassen, dass Donald Trump die Wahlen in ihrer Heimat gewonnen hat. Die ganze Nacht hat die 67-Jährige über Fernsehen und Internet mitgefiebert. Sie ist Anhängerin der Demokraten, hatte in den Vorwahlen für Bernie Sanders gestimmt und nun per Briefwahl Hillary Clinton ihre Stimme gegeben. Die klare Mehrheit, mit der Trump sich durchsetzen konnte, mache ihr die eigene Heimat fremd, sagt die Amerikanerin. „Trump ist nicht mein Präsident. Er ist eine Gefahr für die ganze Welt.“

Das sieht Cora Ludwig ähnlich: „Der Mann ist unberechenbar.“ Die US-Amerikanerin, die im Internationalen Frauenclub in Kassel engagiert ist und in Zierenberg lebt, hat das Wahlergebnis „mit Entsetzen“ aufgenommen. Auch als Feministin sei sie empört über den Sieg von Trump. „Und zum Tag seiner Amtseinführung im Januar werden wir ausgerechnet in Washington sein“, ärgert sie sich. Weil ihr Heimatstaat Indiana ohnehin an Trump gegangen wäre, habe sie selbst nicht gewählt, sagt Ludwig. Sie hätte ihre Stimme Clinton gegeben. „Ich schätze ihre politische Erfahrung.“ Warum mangelnde Sympathie für viele ihrer Landsleute Grund genug war, die Demokratin nicht zu wählen, kann die Amerikanerin nicht nachvollziehen. „Das darf bei so einer wichtigen Entscheidung doch nicht den Ausschlag geben.“

Christopher Forlini

Christopher Forlini, Lektor für englische Sprachpraxis an der Uni Kassel, findet klare Worte zum künftigen US-Präsidenten: „Trump ist unmöglich, der Mann ist ein Proll.“ Der 36-Jährige, der aus New York City stammt, hat für Clinton gestimmt. Er befürchtet, dass es nach der Wahl nun zu Ausschreitungen kommen könnte. Der Wahlkampf habe die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben. Der Riss gehe quer durch Familien und Freundeskreis. Auch er habe den Kontakt zu einige Landsleuten abgebrochen, die Trumps rassistischen und frauenfeindlichen Parolen applaudierten.

Justin Harrell

Justin Harrell schämt sich schon jetzt für den künftigen US-Präsidenten: „Trump ist narzisstisch, inkompetent und hat keine Erfahrung“, sagt der 36-Jährige, der in Kassel als Englischlehrer für Unternehmen arbeitet. Er fürchte, dass Trump, der den Klimawandel leugne, aus dem Klimaabkommen von Paris aussteigt. „Das amerikanische Volk hat da eine ganz schlechte Entscheidung getroffen.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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