Untersuchung soll Klarheit über Todesursache bringen

Uhu-Vater vom Lutherturm ist tot

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In einem zweistündigen Einsatz wurde der tote Uhu von der Turmspitze geborgen.

Kassel. Der männliche Altvogel des Uhu-Geleges ist im Laufe des Dienstags in einer Nische auf der Turmspitze gestorben. Die Todesursache ist noch unklar.

Der Uhu-Kadaver wurde am Mittwochabend von professionellen Gebäudekletterern geborgen.

Zwei Stunden dauerte die Aktion in rund 75 Metern Höhe, die von zwei Mitarbeitern der Kasseler Firma Seilkonzept ausgeführt wurde, Der stattliche tote Uhu, dem äußerlich nichts anzusehen ist, liegt jetzt in einer Kühltruhe des Regierungspräsidiums. Dessen Obere Naturschutzbehörde will nächste Woche mit einer Untersuchung des Vogelkadavers klären, woran der Uhu gestorben ist.

Dafür kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht, sagte der Fuldabrücker Eulenschützer Raymund Brunner, der die Bergungsaktion begleitete: Als Raubvögel schlügen die Uhus in der Stadt oft Ratten, die eventuell Giftköder gefressen hätten, sowie Tauben, die häufig krank seien. So könne sich der Alt-Uhu infiziert oder vergiftet haben. Aber auch Altersschwäche sei eine mögliche Todesursache, sagte Brunner: So ein Uhu werde 20 bis 22 Jahre alt.

Dass der Uhu-Vater vom Lutherturm, über den wir bereits im Mai geschrieben haben, wohl im Lauf des Dienstags verendet ist, hatte ein Naturfreund aus der Nachbarschaft gemeldet: Von seinem Balkon an der Hoffmann-von- Fallersleben-Straße hat Hermann Ohnheiser die Entwicklung der Eulenfamilie regelmäßig mit Fotos und Videos dokumentiert. Die beiden Jungvögel haben das Nest schon vor einiger Zeit verlassen, ein dritter heranwachsender Uhu hatte nicht überlebt.

Am Dienstag bemerkte Ohnheiser, dass einer der Altvögel hoch auf der Turmspitze zusammengesackt war und dort reglos liegenblieb. Per Handy dirigierte der Vogelfreund am Mittwoch von seinem Balkon aus die Gebäudekletterer bis zur Fundstelle.

Aufwändige Bergungsaktion an der 78 Meter hohen Turmspitze: Eulenschützer Raymund Brunner (von links) sowie Ralph Suchan und Martin Werner von der Firma Seilkonzept bereiteten den Einsatz vor

Der Tod des Uhu-Vaters ist nach Angaben von Eulenschützer Raymond Brunner zwar bedauerlich, er habe „aber für die beiden anderen Jungvögel keine existenziellen Auswirkungen, da diese von der Uhumutter weiter gefüttert und geführt werden.“ Die jungen Eulen seien schon mehrfach an anderen Stellen im Stadtgebiet beobachtet worden und hätten ihren Aktionsradius erweitert.

Einer der beiden Nachwuchs-Uhus war am Mittwoch die Attraktion bei Studierenden auf dem Campus der Uni Kassel: An der Diagonale im Bereich von Bibliothek und Hörsaalgebäuden bildeten sich immer wieder Menschentrauben, wenn sich der stattliche Eulenvogel mal auf höher gelegenen Baumästen, mal auf Fenstersimsen oder Dachvorsprüngen niederließ. 

Dabei musste sich der junge Uhu immer wieder gegen Attacken von Krähen zur Wehr setzen, die in den Bäumen auf dem Uni-Campus ihre Schlafquartiere haben. Es gehört zum genetisch fixierten Verhaltensprogramm von Krähen, dass sie ausgesprochen aggressiv auf Uhus reagieren, weil ihnen diese Raubvögel gefährlich werden können. 

Bis zu acht Krähen gleichzeitig griffen den Eulenvogel mit lautem Krächzen an, berichtete Geschichtsstudent Falk Ruttloh (24), der das Geschehen verfolgte: „Da ist das Herz dann doch bei dem jungen Uhu“.

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