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Ortsbeiräte wollen Karl-Branner-Brücke in „Brücke am Rondell“ umbenennen

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Streit um ihren Namensgeber läuft weiter: Wird die Karl-Branner-Brücke künftig "Brücke am Rondell" heißen?

Kassel. „Brücke am Rondell“ soll die bisherige Karl-Branner-Brücke nach dem Willen der beiden Ortsbeiräte Mitte und Unterneustadt künftig heißen. Was denken Sie? Stimmen Sie ab!

Die beiden Ortsbeiräte Mitte und Unterneustadt haben sich am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung dafür ausgesprochen, dass die Karl-Branner-Brücke ihren Namen verlieren soll. Hintergrund ist die Rolle des früheren SPD-Oberbürgermeisters Branner (1910-1997) im NS-Regime, über die seit Monaten in der Stadtpolitik debattiert wird.

Aktualisiert:

12.59 Uhr

Vor 15 Jahren war die Brücke, die beide Stadtteile verbindet, gebaut und nach dem gebürtigen Unterneustädter Branner benannt worden. Nach all dem, was Historiker jüngst über Branners Verstrickungen in die Nazi-Ideologie herausgefunden haben, könne das prominente Bauwerk nicht länger seinen Namen tragen, war die einhellig geäußerte Meinung diverser Stadtteilvertreter. Sie berufen sich auf das verbriefte Recht, dass in Kassel die Ortsbeiräte über die Bennenung von Straßen, Plätzen und kommunalen Gebäuden zu entscheiden haben.

Auch ein Wunsch für einen neuen Namen wurde beschlossen: Nach dem Willen der beiden Ortsbeiräte soll die Brücke künftig „Brücke am Rondell“ heißen. Ortsvorsteher Christian Schnittker (Mitte; Die Grünen) sagte, er halte es „grundsätzlich für fragwürdig, wenn Politiker mit solchen Benennungen anderen Politikern ein Denkmal setzen“. Namen mit Ortsbezug – wie etwa bei der Schwimmbad- und der Hafenbrücke – seien angemessener.

Von 1963 bis 1975 Oberbürgermeister: Karl Branner.

Gegen den Umbenennungsvorstoß stimmten zwei SPD-Vertreter aus der Unterneustadt, alle anderen waren dafür. Letzten Endes wäre es allerdings die Stadtverordnetenversammlung, die eine Namensänderung in Rechtskraft setzen müsste. Und das birgt Konfliktstoff mit den Ortsbeiräten: Die Stavo hatte sich auf Initiative der SPD bereits vor der Sommerpause mehrheitlich darauf festgelegt, dass die Karl-Branner-Brücke ihren Namen behalten, Branners Rolle in der Nazizeit aber zugleich auf einer ergänzenden Infotafel thematisiert werden soll. Dies solle den betroffenen Ortsbeiräten „vorgeschlagen“ werden, so der Stavo-Beschluss.

Somit hat die Sache aus Sicht des Unterneustädter Ortsvorstehers Joachim Schleißing (Grüne) allenfalls „Empfehlungscharakter“: Die Ortsbeiräte würden dazu „eine eigene Haltung entwickeln“, sagte er.

Ortsbeiratsmitglied Wilfried Leitschuh (CDU) stellte zur Linie der Rathaus-SPD einen Vergleich an: Das sei so, wie wenn man an einer Ephesus-und-Kupille-Brücke ein Zusatzschild anbringe mit der Botschaft: „Vorsicht, das waren aber Suffköppe“. Leitschuh forderte, im Umgang mit Branners Vergangenenheit müsse Oberbürgermeister Bertram Hilgen „mehr Mumm beweisen“. Hilgens Referent Reinhold Weist nahm als Gast an der Sitzung teil. Er wies darauf hin, dass die Ortsbeiräte zwar das Namensgebungsrecht hätten, laut Satzungsformulierung allerdings „auf Vorschlag des Magistrats“. Dieser, so meinte Weist, werde sich in der Branner-Frage „an die Beschlüsse der Stavo halten und keinen neuen Vorschlag machen“.

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