HNA-Serie

Und plötzlich zerbricht im Auestadion die Querlatte, dennoch besiegt KSV die Bayern

Torreparatur im Auestadion: Der legendäre Platzwart Rudi Voderberg (mit Baskenmütze) richtete die zerbrochene Querlatte des Münchner Tors wieder her.
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Torreparatur im Auestadion: Der legendäre Platzwart Rudi Voderberg (mit Baskenmütze) richtete die zerbrochene Querlatte des Münchner Tors wieder her. Archivfoto: Lengemann

In der Serie "Schöne Spiele" erinnern wir heute an eine Partie des KSV Hessen gegen den FC Bayern München im Kasseler Auestadion 1955, als die Querlatte eines Tores kaputt ging.

Der Pfostenbruch vom Bökelberg ist vielen Fußballfans in Erinnerung. Am 3. April 1971 spielten die Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen im Gladbacher Stadion. In der 76. Minute brach das Bremer Tor zusammen und Schiedsrichter Gert Meuser (Ingelheim) die Partie zwölf Minuten später ab. Die Bundesliga ersetzte danach die Holztore durch Aluminiumgestänge.

Im Kasseler Auestadion brach nicht der Pfosten, es war die Latte. Ein Spielabbruch wurde am 11. Dezember 1955 in der damaligen 2. Liga Süd aber vermieden. Damals gastierte der FC Bayern in Kassel. Die Münchner waren an diesem Sonntag als Tabellendritter zum Zwölften angereist, es war auch das Duell der Absteiger aus der damaligen Oberliga Süd.

Die Hessen begannen damals spritzig und schnell wie lange nicht und bestimmten eindeutig das Spiel. Kein Wunder also, dass Seppl Schmied nach dreizehn Minuten nach Vorarbeit von Lothar Schulz das 1:0 der Löwen erzielte. Sieben Minuten später folgte dann ein herber Rückschlag für die Hessen. Erich Knothe und Peter Velhorn stießen bei einem Kopfballduell mit den Köpfen zusammen und kamen mit Gehirnerschütterungen in ein Krankenhaus.

Dann drehten die Münchner (vorerst) das Spiel, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wegen der Verletzungspause erzielte Hahn II den Ausgleich und in der 50. Minute Huber II die Führung. Die Hessen stellten um, Schmied ging nach vorn und der angeschlagene Franz Dinger zurück in die Abwehr. Das gab Auftrieb, auch weil der junge Hans Michel eine ausgezeichnete Läuferleistung bot. Karli Hutfles gelang der verdiente Ausgleich (57.).

Zehn Minuten vor Schluss folgten dann die Szenen, die das Spiel zu einem besonderen machten. Gala Metzners Flanke hob Eberhard „Sense“ Grabsch über Bayern-Schlussmann Hoffmann ins Tor. Nationalspieler Hans Bauer (Bauer I) sprang hinterher und hängte sich an die Querlatte, worauf diese zerbrach.

Während die Bayern auf einen Spielabbruch drängten, schließlich lagen sie zurück, wollten die Kasseler natürlich weiterspielen.

„Da war ganz schön Hektik auf dem Platz“, erinnert sich Volker Lecke. Der Sohn des damaligen Sportamtsleiters Georg Lecke war unter den 5000 Zuschauern. „Mein Vater hat sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Latte gerichtet werden konnte.“ Und so kam es, da auch Schiedsrichter Adalbert Leonhard aus Stuttgart für den Reparaturversuch war. Rasch wurde eine Leiter besorgt und der legendäre Platzwart Rudi Voderberg richtete die Latte wieder her. Die letzten Minuten vergingen, ohne dass eines der beiden Tore in Gefahr geriet, und der KSV Hessen hatte einen erkämpften Sieg auf der Habenseite.

Die Aufstellung des KSV: Willi Buchholz - Erich Knothe, Erich Trott - Hans Michel, Karli Hutfles, Willi Deeg - Lothar Schulz, Franz Dinger, Josef „Sepp“ Schmied, Karl-Heinz „Gala“ Metzner, Eberhard „Sense“ Grabsch.

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