Landkreis stieg aus Vorhaben der gemeinsamen Verbrennung aus

Verbrennung ist für Kassel teuer: Stadtreiniger zahlen mehr als andere Müll-Anlieferer

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Müllheizkraftwerk Kassel in Bettenhausen: Dort wurden 2016 insgesamt rund 200 000 Tonnen Abfall verbrannt. Mit der Energie aus dem Müllfeuer wird Strom und Fernwärme für die Stadt erzeugt. Gleich hinter der Verbrennungsanlage ist auf unserem Luftbild die Zentrale der Kasseler Stadtreiniger Am Lossewerk zu sehen.

Kassel. Wegen des für eine Stadt wie Kassel überdimensionierten Müllheizkraftwerks ist die Entsorgung ihres Abfalls für Kasseler teurer als für Bewohner vergleichbarer Städte.

Die teure Müllbeseitigung in Kassel hat viel mit dem Müllheizkraftwerk in Bettenhausen zu tun. Dort wird der Restabfall aus den Kasseler Haushalten und zudem Gewerbemüll verbrannt und dabei Strom und Heizungswärme gewonnen. Die Verbrennungsanlage wurde ab den 1990er-Jahren für insgesamt mehr als 150 Millionen Euro modernisiert, um verschärfte gesetzliche Auflagen etwa zur Luftreinhaltung zu erfüllen. Damals wurde mit der Vorgabe geplant, dort den Abfall aus der Stadt und auch aus dem Landkreis Kassel zu verbrennen.

Landkreis stieg aus

Doch der Landkreis stieg aus dem Vorhaben der gemeinsame Müllverbrennung aus Kostengründen wieder aus. Die begonnene große Ausbau-Lösung war freilich nicht mehr zurückzudrehen. Die Kasseler Bemühungen, die allein für den Müll aus der Stadt viel zu große Müllverbrennung zur Hälfte mit dem Kreisabfall auszulasten, liefen ins Leere.

Die Verbrennungskosten im Kasseler Heizkraftwerk waren dem Landkreis Kassel schlicht zu teuer. Auch andere nordhessische Kreise winkten ab, eine Verbundlösung war nicht zu erreichen. Auch deshalb, weil die Kreise ihren Abfall per Sondergenehmigung noch jahrelang weiter preiswert auf Mülldeponien in die Landschaft kippen durften. Das ist heute längst verboten.

Kassel musste die Müllgebühr ab dem Jahr 1996 stark erhöhen, um die Verbrennung bezahlen zu können. Die Stadtreiniger und damit die Kasseler Bürger werden bis heute mit annähernd 240 Euro pro Tonne Müll, der ins Feuer wandert, zur Kasse gebeten. Ab 1998 sicherten Verträge mit den Landkreisen Marburg-Biedenkopf und Schwalm-Eder die Lieferung von 75 000 Tonnen Müll pro Jahr bis 2020, um die Anlage auszulasten und die Kasseler Bürger vor noch höheren Kosten zu bewahren. Verbrennungspreis pro Tonne für diese Müllanlieferungen: 145 Euro.

So arbeitet das Müllheizkraftwerk in Kassel

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