Geheimgang unter Garage

Vereine haben einen neuen Zugang zum Luftschutzstollen freigelegt

Neuer Zugang zum Luftschutzstollen: Bernd Tappenbeck (von links), Tom Gudella (Vikonauten), Jens Mitmanski und Uwe Hansen (Bauverein) weihten ihn jetzt ein. Fotos: Dilling

Kassel. Es riecht modrig, es ist feucht. Nur winzige Lichter weisen den Weg durch verwinkelte Gewölbe. Auf dem zum Teil schlammigen Boden kann man leicht ausrutschen: Der historische Bierkeller unter der Bürgermeister-Brunner-Straße ist ein gern besichtigtes Kleinod Kasseler Geschichte.

Im zweiten Weltkrieg suchten hier mehr als 600 Bürger vor den Luftangriffen Schutz. Doch ein Bauvorhaben auf dem Gelände am Akazienweg, wo sich der bisher einzig bekannte Zugang befindet, drohte dieses Zeitzeugnis der Öffentlichkeit zumindest zeitweilig zu verschließen.

Diese Gefahr ist nun gebannt: Der Verein Vikonauten, der seit Jahren Führungen durch Kassels „Unterwelt“ macht, hat in Zusammenarbeit mit dem Bauverein von 1894 einen neuen Zugang im Haus Kölnische Straße 41, das der Baugenossenschaft gehört, entdeckt. Der Bauverein hat ihn auf eigene Kosten freigelegt und für eine Begehung von Besuchern ausgebaut. Gleichzeitig haben die Vikonauten im Erdgeschoss des Hauses ein neues Domizil gefunden.

Das Auffinden des Zugangs zu dem ehemaligen Luftschutzstollen liest sich wie ein Krimi. Er habe schon immer vermutet, dass es einen zweiten Einstieg gbt, sagt Tom Gudella von den Vikonauten. Denn das Felsengewölbe endete nahe dem Haus Nr.41, das im Krieg weitgehend zerstört und später wiederaufgebaut wurde, plötzlich vor einer nachträglich eingebauten Platte. Jens Mitmanski, technischer Leiter des Bauvereins, fand heraus, dass ein in der Nähe befindlicher Schornstein, bis in den Gewölbekeller reichte. Der Zugang vom Treppenhaus zum Stollen sei nach dem Krieg mit einer Garage überbaut worden, berichtete er während der feierlichen Einweihung des neuen Einstiegs. Der Bauverein hat die Garage abreißen lassen. Der neue Eingangsbereich zum Stollen, wo die Genossenschaft vorher ein Lager und ein Büro hatte, wurden umgebaut. Die Vikonauten residieren jetzt dort zu einem erschwinglichen Mietpreis.

Die Vikonauten wollen jetzt die Geschichte des Luftschutzstollens, in dem noch die Aborte und ein Lazarettraum zu sehen sind, weiter aufarbeiten und im Stollen den Besuchern darstellen. Es gibt beispielsweise eine Gasschleuse und einen Luftschacht, der später an der Bürgermeister-Brunner-Straße mit einer Litfasssäule überbaut wurde. „Wir suchen noch Zeitzeugen“, sagt Bernd Tappenbeck von den Vikonauten. Uwe Hansen, Vorstand des Bauvereins, ärgert sich, dass er nicht früher alte Bewohner des Hauses Nr. 41 darauf angesprochen hat. Davon gebe es jetzt nicht mehr viele.

Von Peter Dilling

Info und Kontakt: www.vikonauten.de, Führungen (auch für Schulklassen) nach Absprache.

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