Totschlags-Prozess am Landgericht

Verteidigung gegen Gutachter: Göttinger Psychiater soll befangen sein

Kassel. Im Totschlags-Prozess vor dem Landgericht hat Verteidiger Christoph Prasse erneut beantragt, den Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann wegen Befangenheit abzulehnen.

Der Verteidiger beantragte ein neues psychiatrisches Gutachten über den 35-jährigen Angeklagten anfertigen zu lassen.

Dem Kasseler Daniel J. wird vorgeworfen, im Oktober 2016 vor der Julius-Reuter-Schule in der Nordstadt den damals 34-jährigen Steven N. im Streit mit einem Messer in den Hals gestochen zu haben. Steven N. war wenig später im Klinikum gestorben.

Volker Mütze, Vorsitzender Richter der 6. Strafkammer, hatte bereits den Hinweis gegeben, dass der seit vielen Jahren drogen- und alkoholabhängige Daniel J. bei einem Schuldspruch auch für unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen werden könnte.

Dazu hatte auch der forensische Psychiater Stolpmann in seinem Gutachten geraten und dem mehrfach vorbestraften Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung attestiert.

Prasse warf dem Gutachter erneut vor, gegenüber seinem Mandanten voreingenommen zu sein und für ihn sprechende Ereignisse in seiner Bewertung bewusst unberücksichtigt zu lassen, was Stolpmann entschieden zurückwies.

Am Donnerstag sagte der Kasseler Rechtsanwalt Markus Sittig als Zeue aus. Sittig hatte den Angeklagten bei einem früheren Verfahren vertreten und war von Daniel J. von der anwaltlichen Schweigepflicht entbunden worden.

Sittig schilderte ein Verfahren vor dem Amtsgericht im Jahr 2014, bei dem der Angeklagte den Richter mit den Worten: „Ich scheiß´ auf dein Urteil, Alter“ angebrüllt hatte.

Dieses unbeherrschte Verhalten hatte dem Angeklagten nicht nur eine Ordnungsstrafe eingetragen, sondern war auch als Beleg für unbeherrschtes und aggressives Verhalten bewertet worden.

Angeklagter und Opfer waren zur Tatzeit beide Mitglieder der Kasseler Drogen- und Alkoholszene, kannten sich und waren auch zuvor schon aneinander geraten. Der letztlich tödliche Streit könnte sich daran entzündet haben, dass Steven N. minderwertige Drogen verkauft haben soll.

Die Strafkammer will am nächsten Verhandungstag, am Dienstag, 20. Februar, ab 9 Uhr im Saal D 130 zunächst über die beiden Anträge der Verteidigung entscheiden. Staatsanwältin Herwig hatte deren Ablehnung beantragt und dem Sachverständigen Stolpmann eine sachkundige Arbeit bescheinigt.

Sollten die Anträge abgelehnt werden, könnten an diesem Tag vermutlich auch die Plädoyers gehalten werden. Ein Urteil könnte die Kammer dann am Dienstag, 27. Februar, sprechen.

Rubriklistenbild: © Zeichnung: Reinckens

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