Vorwurf der Körperverletzung und Verkehrsgefährdung

Vier Kasseler stehen wegen Jugendsünden vor Gericht 

Kassel. Die Männer aus Kassel und Kaufungen sollen 2011 und 2012 in Gaststätten, im Tanz- und Kegelzentrum Damaschkestraße und auf einer Straße in Niederkaufungen andere junge Männer verprügelt haben.

Faustschläge und Tritte ins Gesicht sorgten für gebrochene Nasen und andere Blessuren und längere Klinikaufenthalte. Die Angeklagten, heute zwischen 28 und 36 Jahren alt, und ihre unbekannt gebliebenen Freunde sollen mit einer Art Krummsäbel und Teleskopschlagstöcken gedroht haben.

Dass all dies erst jetzt vor Amtsrichter Leyhe landet, ist der chronischen Personalnot der Justiz geschuldet. Das Schöffengericht hat nun die undankbare Aufgabe, in den verschütteten Erinnerungen von Angeklagten und Zeugen so etwas wie die Wahrheit freizulegen.

Die vier Männer auf der Anklagebank - geschätzte acht Zentner Muskel- und Körpermasse - sind auch heute noch einschüchternde Erscheinungen: Gewaltige Schultern und Arme im Format von Türsteher-Schränken, die zwei von ihnen auch damals tatsächlich waren, Vollglatze und Bart, hoch ausrasierte Haaransätze.

Heute Familienväter mit guten Jobs

Doch das noch immer martialische Äußere will nicht so recht passen zu dem, was sie heute sind: Verheiratete oder verlobte Familienväter mit mehreren Kindern, guten Jobs mit vernünftigem Einkommen, zwei Selbstständige, ein Qualitätsmanager, ein Kaufmann im Gesundheitswesen.

Das Verfahren gegen den 31-Jährigen aus Kassel wird gleich eingestellt. Er muss 900 Euro an die Welthungerhilfe zahlen und darf gehen.

Auch der 36-jährige Betreiber von zwei Geschäften in Kassel hat es schnell hinter sich, sein Verfahren wird ebenfalls eingestellt. Beide waren nur am Rande der angeklagten Taten beteiligt.

Bleiben die beiden 28-jährigen Männer, die in Kassel geboren wurden und in Kaufungen aufwuchsen. Ihren Schilderungen nach waren die Kloppereien die Taten testosterongesteuerter Jungmänner mit georgischen, türkischen und deutschen Wurzeln, basierend auf wechselseitigen Beleidigungen von Mutter, Vater, Schwester, Bruder oder Freundin, von Beschimpfungen und der angestrebten Wiederherstellung der verletzten Ehre.

Laut Zeugen hatten sie Krummsäbel und Dolch dabei

Beim Besuch eines türkischen Bistros am Mattenberg wollen die beiden Angeklagten weder Krummsäbel noch Dolch dabei gehabt haben. Andere Zeugen haben die aber gesehen. Was nun stimmt, wird nach so langer Zeit schwierig herauszufinden sein.

Der 28-jährige Versicherungskaufmann jedenfalls ist auch noch der Verkehrsgefährdung angeklagt. Er hat mit seinem Opel Astra bei einem gewagten Überholmanöver auf der B7 bei Helsa 2012 eine rote Ampel überfahren und eine einbiegende Autofahrerin in Lebensgefahr gebracht. „Ich wollte dem Mädchen in meinem Auto imponieren und habe Gas gegeben ohne zu überlegen. Ich wollte immer der erste sein“, sagte er gestern reumütig. Heute fahre er aus Einsicht und guten Gründen anders: Bald werde sein zweites Kind geboren, er wolle heiraten.

Die Verhandlung gegen die zwei verbliebenen Angeklagten wird am 25. Oktober fortgesetzt. Ob die weiteren fünf Prozesstage tatsächlich benötigt werden, ist fraglich.

Rubriklistenbild: © Symboldbild/dpa 

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